"White Lines", die neue Serie des "Haus des Geldes"-Showrunners Álex Pina, ist nun bei Netflix zu sehen

© Netflix

Kritik
05/16/2020

"White Lines" bei Netflix: Maue Party auf Ibiza

Die neue Serie von "Haus des Geldes"-Macher Álex Pina nimmt trotz Sex, Mord und Drogen nicht richtig Fahrt auf.

von Nina Oberbucher

Ibiza und weißes Pulver lassen einen zwangsläufig an ganz spezielles Bewegtbildmaterial denken. Aber hier soll es um die neue Netflix-Serie "White Lines" gehen, erdacht und geschrieben von Álex Pina, dem Schöpfer des spanischen Erfolgshits "Haus des Geldes". 

"White Lines": Spurensuche auf Ibiza

Pinas neuestes Werk spielt auf der Partyinsel Ibiza, wo sich die schüchterne Britin Zoe (Laura Haddock) auf die Suche nach dem Mörder ihres Bruders Axel (Tom Rhys Harries) begibt. Der galt mehr als 20 Jahre als vermisst, bis eines Tages seine Überreste in der spanischen Wüste entdeckt werden. Offenbar wurde er ermordet. Weil die örtliche Polizei ihr aber mehr darüber erzählen kann, welche Spaghetti-Western dort gedreht wurden, als über den Tod ihres Bruders, beginnt Zoe, auf eigene Faust zu ermitteln. 

Mit Raves die Welt verbessern

Zoe macht sich also auf die Suche nach den alten Freunden ihre Bruders, der einst auf die berüchtigte Insel gekommen war, um als DJ durchzustarten.

Unter seinen ehemaligen Weggefährten ist etwa der tollpatschige Berufsjugendliche Marcus (Daniel Mays), der mit Drogen dealt, um sein Haus abzubezahlen und es dabei gleich einmal schafft, Kokain im halben Garten zu verteilen. Seine resolute Ex Anna (Angela Griffin) veranstaltet wilde Sex-Partys in Nobel-Villen und der geläuterte David (Laurence Fox) holt sich seinen Kick mittlerweile bei diversen Esoterik-Ritualen. Sie alle scheinen mehr zu wissen, als sie verraten wollen.

Den verstorbenen Axel lernt man in Rückblenden kennen: Übermütig erklärt er darin etwa, wie er mit seinen illegalen Rave-Partys die Welt verbessern will und was für einen tieferen Sinn das alles hat. Aha.

Die Seifenoper lässt grüßen

Es dauert nicht lange, und die eben noch so zurückhaltende Zoe stürzt sich auf Ibiza ins Chaos. Sie liefert sich wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei, stiehlt mehrere Kilo Kokain und geht auf einen ihr unbekannten Mann mit einer Harpune los.

Zoe nimmt bei ihren Nachforschungen bald die wohlhabend-zwielichtige Familie Calafat ins Visier – vor allem den schmierigen Sohn Oriol (Juan Diego Bottoas). Er und Axel waren Freunde, zerstritten sich aber kurz vor dessen Verschwinden. Indes freundet sich Zoe mit Oriols Schwester Kika (Marta Milans) an, die übrigens auch Axels Freundin war – die Seifenoper lässt grüßen. 

Ahja, die Leiche!

Obwohl es jede Menge Sex, Partys und Gewalt zu sehen gibt, will "White Lines" nicht wirklich Fahrt aufnehmen. Was ein wilder Ritt sein könnte, entpuppt sich eher als gemächlicher Trab. Die Serie kann sich nicht entscheiden, ob sie Drogen-Thriller oder "O.C., California" sein will. Stellenweise vergisst man sogar ganz – ahja, die Leiche! –, dass hier eigentlich ein Mord aufgeklärt werden soll. Zu sehr plätschert die Handlung zwischen langatmigen Rückblenden und vorhersehbaren Entwicklungen dahin. 

Keiner der Charaktere ist wirklich sympathisch, am allerwenigsten Zoe. Einzig der Sicherheitsmann der Calafats, Boxer (Nuno Lopez), erweckt als gutherziger Brummbär etwas Interesse. Ansonsten hat "White Lines" leider wenig spannende Partygäste zu bieten.

Info: "White Lines" läuft bei Netflix

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