Wo waren mehr? Bei Trump (links) oder bei Obama (rechts)?

© REUTERS/Reuters Staff

Kultur Medien
01/06/2019

Wahrheit unter Druck: Die "Fake News"-Diskussion wird noch extremer

"Deep Fake"-Videos rütteln daran, was wir über die Wahrheit wissen können. Was das für die Medien heißt.

von Georg Leyrer

Wenn hier stünde: Marilyn Monroe hat mit Donald Trump „Happy Birthday“ gesungen, Sie würden es nicht glauben.

Wenn hier ein Foto wäre, das Monroe und Trump zeigt: Sie würden es nicht glauben, sondern von einer Bildfälschung ausgehen.

Wenn Ihnen aber ein Freund ein fünfminütiges Video schickt, das Monroe und Trump zeigt, wie sie singen und miteinander tanzen?

Dann würden, dann konnten Sie das bisher glauben. Das Bewegtbild gilt, mit Ausnahme aufwendiger Special-Effects-Arbeit in Hollywoodstudios, als fälschungssicher. Das ändert sich derzeit. Damit gerät die Wahrheit noch mehr unter Druck.

Die Welt als Vorstellung

Die Sicht darauf, wie die Welt ist und was in ihr geschieht, wurde zuletzt ordentlich verstellt. Mit dem breit eingesetzten „Fake News“-Vorwurf entwürdigen Politiker und Meinungsextremisten jene Berichterstattung, die ihnen nicht passt. Trumps Team ging noch weiter – und sprach gar von „alternativen Fakten“, also einer Welt, die nicht anders interpretiert wird, sondern schlicht anders ist als medial dargestellt. Die Beziehung zwischen Konsumenten und Medien wurde komplizierter.

Das wird nun noch ärger: Dank künstlicher Intelligenz, dem Übermaß an Online-Bildmaterial und schnellen Rechnern beginnt es möglich zu werden, Videos zu fälschen, und den Ton gleich noch dazu. Damit kann man bald Politiker Sachen sagen lassen, die sie nie gesagt haben.

Damit kann man Ereignisse darstellen, die nie stattgefunden haben. Teststrecke ist, wie bei vielem, die Pornografie. In lebensecht gefälschten Videos werden berühmte Schauspielerinnen beim gefakten Sex gezeigt. Wehren können sie sich nicht.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Technologie auch für die Politik verwendet werden wird. Dort werden schon jetzt Bilder verfälscht, oder schlicht Bildinhalte geleugnet, wie beim Streit um die Besucherzahlen der Inauguration von Donald Trump (siehe Foto). Man stelle sich vor, welcher Schindluder mit gefälschten Videos betrieben werden könnte.

Wer’s glaubt

Autokraten und Populisten werden alsbald gefälschte Videos den Medien als „Beweis“ für ihre Weltsicht vorhalten. Die Möglichkeiten zum Missbrauch sind endlos. Und die Empörungsbereitschaft vieler Menschen auch.

Dieses neue mediale Umfeld wird auch eine Herausforderung an den Medienkonsumenten.

Denn wenn man demnächst seinen Augen nicht mehr trauen kann, wem dann? Dem vom Arbeitskollegen weitergeteilten Facebook-Video? Den interessensgeleiteten Aussagen der Politiker? Das Verhältnis von Leser und seriösen Medien wird künftig noch viel mehr von Vertrauen geprägt sein müssen als heute.

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