30 Jahre Transformation: Von der Frühstückszeitung in die digitale Medienwelt
Chefredakteur mit Teletext. So ein Jubiläum ist eben auch Gelegenheit, ein bisschen zurück zu blicken.
Vor 30 Jahren ging kurier.at online. Grund zu feiern und für diesen Text von Chefredakteur Martin Gebhart. Weitere Texte zum Jubiläum, mit Ein- und Ausblicken zu kurier.at finden Sie an dieser Stelle.
Aus dem Abenteuer wurde Alltag, aus dem Experiment die Zukunftshoffnung. Als man vor 30 Jahren erstmals auf kurier.at Nachrichten abrufen konnte, wussten die Initiatoren – allen voran der damalige Chefredakteur Peter Rabl – wohl noch nicht ganz genau, wohin der Weg führen wird. Da war auf der einen Seite die Freude, dass man nun als Marke KURIER auch mit Inhalten im Internet vertreten ist. Auf der anderen Seite mieden die meisten Redakteurinnen und Redakteure dieses Feld. Die Artikel in der Tageszeitung galten als wertvoller, kurier.at wurde als Nebenprodukt gesehen. Damals wagte auch noch kein Medienhaus, diese Inhalte zu verkaufen. Die fast schon programmierte Antwort dazu: Online wird sie dann niemand mehr lesen.
Schmerzliche Erkenntnisse
Es gibt eine lange Liste an Medienexperten, deren Einschätzung im Hinblick auf Nachrichten im Netz völlig falschgelegen ist. Genauso lang sind die fehlgeschlagenen Versuche in den Medienhäusern, schön langsam auch in diesem Umfeld erfolgreich zu sein. Solch ein Irrweg war etwa die Trennung der Redaktion in ein Team, das für die Print-Ausgaben, und ein weiteres Team, das nur für den Online-Auftritt zuständig war. So eine Trennung gab es auch im KURIER, was aus heutiger Sicht nur ein müdes Lächeln verursacht.
Mittlerweile wurden die Redaktionsteams zusammengeführt. Nicht nur, weil die Medienkrise die Redaktionen schrumpfen hat lassen, sondern weil man nur noch als Einheit erfolgreich sein kann. Die Journalisten der Gegenwart müssen auf beiden Ebenen ihre Leistung bringen – online und in der Printausgabe, auf kurier.at und in der Tageszeitung KURIER. Es ist auch nicht mehr entscheidend, ob ein Artikel, eine Analyse, ein Hintergrundbericht etc. zuerst online oder zuerst in der Tageszeitung erscheint. Da hat sich alles in Richtung der digitalen Medienwelt gedreht.
Was die Redaktionen noch bitter zur Kenntnis nehmen mussten. Das Nutzungsverhalten im Netz ist ein anderes als jenes der Kunden, die jeden Tag ihren Frühstücks-KURIER vor der Haustür haben wollen. Die Diktion muss eine andere sein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Genauso muss der Aufbau von Geschichten ein ganz anderer sein, um im großen Angebot im Netz überhaupt bemerkt zu werden. Dazu wurden in den Medienunternehmen Data-Teams aufgebaut, deren Hauptaufgabe es ist, den Medienkonsum im Internet zu beobachten und zu analysieren. Man kann sich nicht mehr nur auf das journalistische Gespür verlassen – was manch ältere Redakteurinnen und Redakteure schwer trifft – , man muss vielmehr zur Kenntnis nehmen, dass das Netz seine eigenen Regeln hat. Und wer das Surf-Verhalten seiner Kundschaft nicht kennt, der kann nicht erfolgreich sein.
Doch zurück zur Frage, ob Inhalte im Netz auch verkauft werden sollten. Das war lange Zeit in den Redaktionen fast schon eine Glaubensfrage, die zu heftigen Diskussionen führte. Letztlich waren es dann die skandinavischen Medien, die beim Einführen einer Bezahlschranke, einer sogenannten Paywall, vorpreschten. Einfach aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus, wie deren Verleger unumwunden zugeben. Mit den Printausgaben allein konnten die Redaktionen nicht mehr finanziert werden, man war somit auch auf digitale Einnahmen angewiesen.
Der KURIER hat im Jahr 2019 erstmals Bezahl-Abos für Artikel auf kurier.at angeboten. Der Startschuss dazu wurde von den Verantwortlichen mit viel Bauchweh beobachtet. Die Angst, bei den Zugriffen auf KURIER-Inhalte deswegen abzustürzen war groß. Immerhin gab es zu diesem Zeitpunkt noch einige Medienhäuser in Österreich, die weiterhin all ihre Inhalte digital frei ins Haus lieferten. Die Übung ist aber gelungen, die Zugriffe auf die Startseite von kurier.at und auf KURIER-Artikel ist nicht zurückgegangen. Gleichzeitig konnten Abonnenten gewonnen werden, denen regionale, nationale und auch internationale Berichte aus der Sicht des KURIER wichtig waren und sind. Es war und ist die Expertise aus den Ressorts Innenpolitik, Außenpolitik, Wirtschaft, Chronik, Sport, Kultur, Freizeit und Gesundheit , die gefragt ist. Ein zusätzlicher Schub ist dem KURIER dann im Jahr 2025 gelungen, als die regionale Berichterstattung aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland ausgeweitet worden ist.
Die Antwort auf Fake-News
Es würde den KURIER-Inhalten auf kurier.at nicht gerecht, wenn die Paywall nur als Möglichkeit gesehen wird, im Netz Abo-Erlöse zu erzielen. In gewisser Weise setzen wir damit auch ein Zeichen gegen die vielen Fake-News, die im Netz und vor allem auf den vielen Sozialen Plattformen herumschwirren. Der KURIER stellt nur solche Inhalte hinter eine Bezahlschranke, die auch von der Redaktion recherchiert worden sind. Also keine reinen Agenturberichte und auch keine Texte, die aus anderen Medien übernommen worden sind. Es muss sich lohnen, ein Abo des KURIER auf kurier.at zu nehmen. Und das tut es auch, weil damit die Gewissheit mitgeliefert wird, dass Inhalte recherchiert und nicht ungeprüft platziert werden.
Im Online-Journalismus lauern ja viel mehr Gefahren als im Print-Journalismus, wo man etwa angesichts der Druck- und Auslieferungszeiten nicht dem Wettlauf um die Erstmeldung ausgesetzt ist. Online ist das anders. Da kämpfen die Redaktionen darum, dass ihre Meldung zuerst auf den Bildschirmen oder den Handys aufscheint. Das hat schon dazu geführt, dass etwa der Tod von berühmten Persönlichkeiten verkündet bzw. von anderen Medien übernommen wurde, obwohl es eine Falschmeldung war. Da hat sich der KURIER nun selbst auferlegt, dass ohne Überprüfung nichts online geht – auch wenn man dadurch manche Nachrichten erst später vermelden kann und so vielleicht weniger Zugriffe hat.
Die neue Welt auf kurier.at
Vor 30 Jahren hat alles begonnen, in wenigen Tagen folgt der nächste große Schritt: eine neue KURIER-App, auf der man alles findet, was der KURIER auf kurier.at bietet: Nachrichten, Podcasts, Videos, futurezone.at, die ePaper-Ausgaben, freizeit.at. Die komplette Online-Welt des KURIER mit einem Klick. Ein schönes Geburtstagsgeschenk zum 30er, das sicherlich auch Sie begeistern wird.
30 Jahre kurier.at
Richtig gute Nachrichten, seit 30 Jahren. Hier finden Sie weitere Artikel zum Jubiläum.
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