Ella, gespielt von Lili Epply, wird von Hans (Juergen Maurer) in einer Kurzschlusshandlung als Geisel genommen   

 

© ORF/Petro Domenigg

ORF2
12/07/2019

TV-Tipp: Lili Epply und Juergen Maurer sind im „Südpol“ gefangen

Kammerspielartiges Drama mit Juergen Maurer und Lili Epply am Sonntag (20.15/ORF2).

von Marco Weise

Hans (Juergen Maurer) hat nichts mehr zu sagen, will nichts mehr von seinem bisherigen Leben. Seinen Job im mittleren Management, scheinbar seine einzige Existenzgrundlage, hat man ihm kürzlich genommen. Seiner Frau Sandra (Caroline Peters) verschweigt er diesen für ihn tragischen Umstand aber mit viel Aufwand.

Das Unvermeidliche tritt trotzdem bald ein: Hans’ Frau enttarnt das Lügenkonstrukt und stellt ihren Mann zur Rede. Hans will aber nicht reden und schweigt seine Frau beharrlich an, packt seine Koffer und zieht ins Hotel. Am nächsten Tag macht er sich auf den Weg zum Anwalt, um die Scheidung einzureichen: Dabei will er auf alles verzichten – das gemeinsame Haus am Wiener Speckgürtel, die Ersparnisse, das Auto und das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn.

Reden hilft

Das ist die Ausgangslage des ORF/BR-Dramas „Südpol“, in dem der Regisseur und Drehbuchautor Nikolaus Leytner die Geschichte des Mittvierzigers Hans erzählt, der in einer schweren Lebenskrise steckt. Auf der Suche nach einem Ausweg trifft er im titelgebenden Lokal „Südpol“ die Kellnerin Ella, gespielt von Lili Epply. Mit ihrer Unbekümmertheit und ihrem Charme weckt sie bei Hans neue Lebensgeister – sie öffnet ihm die Augen, überrascht und verzaubert ihn.

Täglich unterhalten sich die beiden im Lokal – Hans ist freiwillig dort, Ella arbeitsbedingt. Aus diesen von Hans erzwungenen Begegnungen ergeben sich zwischenmenschliche, teils intime Gespräch. Täglich kommt er zu Besuch, täglich sucht er die Nähe und das Gespräch mit Ella. Als diese dafür einmal keine Zeit und aus persönlichen Gründen auch keine Lust hat, bedroht er sie mit der Waffe, nimmt sie als Geisel und verschanzt sich mit ihr im „Südpol“.

Die langsam erzählte Geschichte hat für den Zuseher so einige Botschaften parat: Achte stets auf deine Bedürfnisse. Nimm dich selbst nicht zu ernst. Und: Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit.

Darüber hinaus ist es ein Plädoyer für zwischenmenschliche Beziehungen, persönlichen Austausch und intensive Gespräche. Miteinander reden hilft.

„Es ändert das eigene Weltbild. Durch die Gespräche mit einer anderen Person lernt man sich selber besser kennen. Oftmals relativiert und korrigiert es die eigene Meinung. Man muss sich dazu aber auf andere Menschen und fremde Begegnungen einlassen. Das passiert leider immer weniger“, sagt Epply im KURIER-Interview.

Bei den Dreharbeiten war das aber nicht der Fall, sagt die 24-jährige Schauspielerin, die heuer für eine ROMY in der Kategorie „Beste Nachwuchsschauspielerin nominiert war. Sie schwärmt von der guten Stimmung beim Dreh und den tollen Dialogen, die sich am Set noch einmal verdichtet hätten. „Wenn sich zwei Menschen wahrhaftig in die Augen schauen, passiert immer etwas“, sagt Epply.

Entscheiden

Bei Ella und Hans prallen die Welten zweier Generationen aufeinander. Da ist auf der einen Seite eine junge Studentin, die kurz vor ihrem Abschluss steht, ein erstes Job-Angebot hat und nun so richtig mit der Karriere beginnen möchte.

Und auf der anderen Seite ist da ein Mann, Mitte 40, der an einem ganz anderen Punkt im Leben angelangt ist. „Er fragt sich, ob er so weiterleben möchte wie bisher? Welcher Mensch will er sein, welche Träume verfolgen? In Ella sieht Hans etwas, das ihm Antworten auf seine Fragen gibt. Und umgekehrt. Denn auch Ella ist an einer Gabelung in ihrem Leben angekommen, an der sie sich entscheiden muss“, sagt Lili Epply.

Von dieser entscheidenden Phase im Leben zweier Personen ausgehend, entwickeln sich kammerspielartige Szenen, in denen sich Hans und Ella, zwei Suchende, aneinander abarbeiten.