Tom Wlaschiha in der zweiten Staffel von "Tom Clancy's Jack Ryan" (zu sehen bei Amazon Prime Video)

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Interview
11/01/2019

Tom Wlaschiha: "Zu viel Selbstsicherheit wäre langweilig"

Der deutsche Schauspieler war u. a. bei "Game of Thrones" und "Das Boot" zu sehen, jetzt jagt er "Tom Clancy's Jack Ryan".

von Nina Oberbucher

Mit seiner Rolle als gesichtsloser Jaqen H’ghar in der HBO-Serie „Game of Thrones“ gelang dem deutschen Schauspieler der internationale Durchbruch. Mittlerweile wirkt Tom Wlaschiha in hochkarätigen Produktionen wie „Das Boot“ mit, er dreht gerade für Netflix in Italien und ist ab heute (Freitag) in der Action-Serie „Tom Clancy’s Jack Ryan“ bei Amazon Prime Video zu sehen.

In Staffel 2 geht es für den CIA-Agenten Jack Ryan (John Krasinski) nach Venezuela, nachdem ihm eine mysteriöse Schiffslieferung Kopfzerbrechen bereitet hat. Dort trifft er auf seinen Antagonisten Max Schenkel (Wlaschiha), mit dem er sich ein grenzüberschreitendes Katz-und-Maus-Spiel liefert.

Im Interview mit dem KURIER spricht Wlaschiha (46) über seine Rolle im – wie er sagt – „besseren Bond“, seine Karriere und High Heels.

KURIER: Sie haben bei „Jack Ryan“ zugesagt, ohne die erste Staffel gesehen zu haben. War das nicht ein ziemliches Risiko?

Tom Wlaschiha: Ein gewisses Risiko ist immer dabei, weil man vorher nie weiß, wie etwas im Endeffekt aussehen wird. Man verlässt sich ja auf ein Drehbuch und einen Regisseur. Wir hatten tolle Regisseure in der zweiten Staffel, und in meiner Rolle steckte schon einiges an Potenzial drinnen. Max Schenkel ist ein bisschen wie ein Chamäleon. Ich fand das cool, dass er in so unterschiedlichen Verkleidungen auftritt, um Jack Ryan zur Strecke zu bringen. Und ich wollte schon immer mal in High Heels rumlaufen (lacht).

Und wie ist es Ihnen dabei gegangen?

Also gestolpert bin ich nur im Off (schmunzelt).

Ist Action Ihr Genre?

Ich habe keine Wunschrolle und lasse mich immer überraschen, was so an Angeboten kommt. Das Einzige, auf das ich versuche zu achten, ist, dass ich verschiedene Genres ausprobiere. Action hatte ich in der Form noch nicht gemacht und deswegen hatte ich da auch große Lust drauf. Ich musste dann leider realisieren, dass man viele Dinge, die man als Schauspieler gerne tun würde, dann am Set gar nicht tun darf, weil es eine Verletzungsgefahr gibt.

Zum Beispiel?

Also von einem Haus zum anderen springen mit 50 Metern Abgrund ist nicht drinnen (lacht). Da muss dann der Stuntman ran. Aber es hat trotzdem großen Spaß gemacht. Mir war von Anfang an klar, dass die Rolle Einiges mit Fitness zu tun hat. Gerade die Szenen, in denen ich in Kolumbien (hier wurden die Venezuela-Szenen gedreht, Anm.) durch die Straßen oder in London über die Dächer renne, haben wir tagelang gedreht. Ich hatte hinterher ein besseres Fitnesslevel als vorher (lacht).

Sie spielen öfter sogenannte Bösewichte. Ist das ein Faible – oder hat sich das gerade einfach so ergeben?

Es wird eine Mischung von beidem sein. Gut und Böse sind ja sehr simple Kategorien, die es auch im richtigen Leben nicht gibt. Ich glaube, die negativen Figuren oder die Antagonisten sind meist die, die spannender sind, weil sie unterschiedliche Facetten und Seiten an sich haben und auch in sich widersprüchlich sind. Das gibt einem als Schauspieler sehr viel Material, sich auszuleben.

Seit „Game Of Thrones“ werden Sie in Deutschland als großer Star gehandelt.

Ich habe, glaube ich, eine relativ klassische Laufbahn als Schauspieler. Am Anfang habe ich nur Theater gespielt, das war das Einzige, was mich interessiert hat. Nach einer Zeit wollte ich aber auch Film ausprobieren und dann ist es natürlich normal, dass du nicht sofort Rollenangebote bekommst. Wenn du noch nichts gemacht hast, kennt dich niemand – das ist ein Kreislauf. Es hat sehr lange gedauert, bis ich bessere Rollen angeboten bekommen habe, aber das war unter anderem auch ein Grund dafür, dass ich mir irgendwann ein zweites Standbein in London geschaffen habe, um mich breiter aufzustellen. „Game of Thrones“ war natürlich ein Geschenk.

Ist es nicht manchmal komisch, wenn jetzt Leute auf Sie zukommen, die zuerst nichts von Ihnen wissen wollten?

Naja, ich bin Realist. Ich weiß, wie das Business funktioniert und dass das auch ein Geschäft ist. Da geht es nicht nur um Kunst. Es bekommt nicht immer der Schauspieler die Rolle, der am besten dafür geeignet ist. Aber das funktioniert in jeder Sparte so, und es gehört auch Glück dazu. Natürlich bin ich bei jedem neuen Projekt und bei jeder neuen Rolle aufgeregt und weiß vorher nicht, ob es mir gelingen wird, das gut oder überzeugend zu spielen. Da ist immer ein bisschen Adrenalin dabei, aber das macht’s auch schön.

Also sind Sie ein Zweifler?

Ja. Ich finde Zweifel auch ganz wichtig, als Grundqualität eines Schauspielers. In dem Moment, wo ich nicht mehr an mir zweifle, gibt das zu viel Selbstsicherheit und das wäre ziemlich schnell langweilig. Man würde das dann auch sehen. Ich finde es wichtig, dass man sich ständig hinterfragt und überlegt, ob’s auch anders oder besser geht.

Gab’s bei „Jack Ryan“ auch so viel Geheimniskrämerei wie bei „Game of Thrones“?

Jein. Es ist bei jeder Produktion dieser Größe so, dass es sich von selbst versteht und natürlich auch irgendwo im Vertrag steht, dass man keine Details der Handlung verrät. Aber das würde ich sonst auch nicht machen, weil das den Zusehern ja den Spaß nehmen würde.

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