"Tiger King" Staffel 2 – das Review zur Netflix-Serie

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Streaming-Kritik
11/18/2021

"Tiger King 2": Zwischen Wahnsinn und Wahrheit

Die Saga um die exzentrischen Großkatzenbesitzer geht auf Netflix in die zweite Runde.

von Nina Oberbucher

Als die Welt im Frühjahr 2020 das erste Mal wegen Corona zu Hause bleiben musste, brachte Netflix verstörend Faszinierendes in unsere dunklen Wohnzimmer: „Tiger King“. Die Doku-Serie rund um eine Gruppe von Großkatzenbesitzern aus den USA wurde zum Riesenerfolg, nicht zuletzt wegen ihrer außergewöhnlichen Protagonisten. Allen voran Joe Exotic, der Aufmerksamkeit suchende Zoobesitzer. Seine Erzfeindin, die Tierschützerin Carole Baskin. Und Jeff Lowe, der stets Bandana tragende und von Frauen umringte Nachfolger von Joe Exotic.

Seit Mittwoch ist die zweite Staffel von "Tiger King" abrufbar – und das Timing ist jetzt, während hierzulande wieder über Lockdowns und Ausgangssperren diskutiert werden muss, auf traurige Weise passend.

Autogramme im Knast

Mehr als eineinhalb Jahre sind seit Veröffentlichung der ersten Staffel vergangen. Den Trubel, den die Serie ausgelöst hat, kann Joe Exotic bisher nur aus der Ferne beobachten: Er sitzt im Gefängnis, weil er einen Killer auf Baskin angesetzt haben soll. Der Versuch, von Donald Trump begnadigt zu werden, war trotz groß angelegter Werbekampagnen erfolglos. In den neuen Episoden ist Exotic daher nur in Ausschnitten aus Telefongesprächen zu sehen. Immerhin darf er den Wachen Autogramme geben, erzählt er.

Im Mittelpunkt stehen in der Fortsetzung aber ohnehin andere. Etwa Carole Baskin. Sie soll in das mysteriöse Verschwinden ihres Ehemanns Don Lewis vor mehr als 20 Jahren involviert gewesen sein, streitet das jedoch ab. Die Macher der Doku, Eric Goode und Rebecca Chaiklin, bitten unzählige Personen vor die Kamera, die alle etwas gehört oder gesehen haben wollen – aber für die Sendezeit wenig Substanz liefern. Ein Privatdetektiv mit hellseherischen Fähigkeiten will auf Basis seines Würgereizes den vermeintlichen Todesort von Lewis bestimmt haben. 

Ans Eingemachte geht es dann in den letzten beiden von insgesamt fünf Folgen, die sich hauptsächlich um Jeff Lowe und Tim Stark drehen. Die beiden hatten Joe Exotics Zoo übernommen, sind mittlerweile aber zerstritten. Während Stark sich in einen aussichtslosen Konflikt mit dem Gesetz bugsiert hat, kam es bei Lowe zu einem plötzlichen Sinneswandel: Er will auf einmal helfen, seinen bisherigen Widersacher Joe Exotic aus dem Gefängnis zu holen.

Das Ganze wird umso interessanter, als herauskommt, was Lowe gegen Exotic geplant haben soll. 

Internet-Detektive und Elvis-Imitatoren

Die Geschichte dieser exzentrischen Menschen hat scheinbar ebensolche angezogen: Internet-Detektive, selbsternannte übernatürliche Ermittler und Anwälte, die in ihrer Freizeit als Elvis-Imitatoren auftreten. In Facebook-Gruppen versucht zudem eine ganze Community – einem aktuellen Trend folgend – auf eigene Faust, die Wahrheit aufzudecken.

Ganz so aufregend wie in der ersten Staffel ist "Tiger King" in der Verlängerung nicht mehr. Das Material wirkt recht dünn ausgewalkt, oft wird dasselbe mehrmals von unterschiedlichen Personen erzählt und zunehmend fragt man sich, ob man das alles wirklich wissen will. (Ja, Joe Exotics Ex-Mann bietet wirklich Fanartikel fürs Anal-Bleaching an!) Der Wahnsinn, der die Serie ausmacht, scheint noch nicht ausgeschöpft. Und die Suche nach der Wahrheit dürfte ebenfalls noch nicht abgeschlossen sein, wie das Ende vermuten lässt.

Dass es hier ja nicht nur um Zweibeiner geht, ist den Machern der Doku am Schluss offenbar noch eingefallen: Die letzten Minuten sind tatsächlich den Großkatzen gewidmet.

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