Müssen nur noch kurz die Welt retten (von links hinten nach rechts vorne): Allison (Emmy Raver-Lampman), Klaus (Robert Sheehan), Diego (David Castañeda), Five (Aidan Gallagher), Luther (Tom Hopper) und Vanya (Ellen Page) in der zweiten Staffel der Netflix-Serie "The Umbrella Academy". 

© Netflix

Kritik
08/01/2020

"The Umbrella Academy" Staffel 2: Von der Apokalypse verfolgt

Vanya, Klaus & Co reisen in der Fortsetzung der schrägen Netflix-Serie in die 60er.

von Nina Oberbucher

Es ist schon lästig. Da ist man gerade erst einer Apokalypse entgangen, da steht auch schon der nächste Weltuntergang ins Haus. Damit müssen sich zumindest die Mitglieder der „Umbrella Academy“ herumschlagen, die nun bei Netflix in die zweite Staffel gestartet ist.

Die etwas andere Familien-Serie basiert auf den gleichnamigen Comic-Büchern von Gerard Way (wer in den Nullerjahren Teenager war, dem dürfte er als Sänger von My Chemical Romance ein Begriff sein) und Gabriel Bá. Darin adoptiert ein exzentrischer Millionär mehrere Kinder, die er mit fragwürdigen Methoden zu Superhelden ausbildet.

Und die sollen in den neuen Folgen wieder mal die Welt retten. Dabei haben Allison (Emmy Raver-Lampman), Klaus (Robert Sheehan), Diego (David Castañeda), Five (Aidan Gallagher), Luther (Tom Hopper) und Vanya (Ellen Page) wirklich gerade andere Sorgen.

Wegen Kennedy im Irrenhaus

Am Ende von Staffel 1 sind die Hargreeves'-Geschwister dem Weltuntergang durch einen Zeitsprung knapp entgangen. Nun sind sie im Dallas der 60er gelandet – blöderweise getrennt voneinander in verschiedenen Jahren.

Aus Mangel an Alternativen hat sich jeder eine neue Existenz aufgebaut. Die unter Gedächtnisverlust leidende Vanya hat es sich auf einer Farm gemütlich gemacht. Allison kämpft für die Rechte der schwarzen Bevölkerung. Klaus wurde aus Versehen zum Sektengründer (Lyrics aus 90er-Popsongs ziehen bei seinen Anhängern total). Luther verdient sich seinen Lebensunterhalt durch Boxkämpfe. Und Diego will, wenn er schon mal in den 60ern ist, die Gelegenheit nutzen und die Ermordung von John F. Kennedy verhindern – weswegen er, wenig verwunderlich, schnurstracks ins Irrenhaus verfrachtet wird.

Schießwütige Schweden

Doch der Weltuntergang nähert sich unaufhaltsam. Nur Five weiß davon und der hat so seine Mühe, bis er seine Geschwister zusammengetrommelt hat. 

Dann wären da auch noch drei schießwütige schwedische Killer – auch „IKEA-Mafia“ genannt –, die in ihrer Freizeit gern Fisch braten, Messer werfen oder Jagd auf die Umbrella Academy machen. Und natürlich gibt es auch noch die berüchtigte Kommission, die über die Einhaltung der Zeitenfolge im Universum wacht.

Gelungene Party

Viele Baustellen also, die in der zweiten Staffel von „Umbrella Academy“ bearbeitet werden müssen, was manchmal Tempo rausnimmt. Wie immer bei Zeitreisen stellen sich auch so einige Logik-Fragen.

Aber insgesamt stimmt die Mischung aus Tiefgang, wenn einzelne Charaktere und deren Backstory im Fokus stehen, und Unterhaltung, wenn etwa zu „I Was Made For Lovin’ You“ von Kiss gekämpft wird. Und wie schon in Staffel 1 kommt die Serie dankenswerterweise erneut ohne abgekaute Superhelden-Klischees aus. Es dauert ein wenig, bis sie zueinander finden, aber auch das zweite Familientreffen der Hargreeves' ist ein absolut gelungenes. 

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