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Kultur Medien
08/11/2021

Stellungskampf: Wrabetz will im ORF noch einmal kräftig umrühren

Der scheidende Generaldirektor will die Chefredaktion im Newsroom neu besetzen. Eine politisch heikle Gratwanderung

von Christoph Silber, Philipp Wilhelmer

Nach der Wahl ist vor dem Match: Alexander Wrabetz ist nach dem 31. Dezember nicht mehr ORF-Generaldirektor. Dass der Stiftungsrat ihn am Dienstag mit einer 2/3-Mehrheit für Roland Weißmann nicht mehr wiederbestellt hat, wertet er als politisch motivierte „Absetzung“. Und er kündigt an, journalistische Topjobs neu zu vergeben, bevor sein Nachfolger das Amt antritt. Das verkündete Wrabetz unmittelbar nach seiner Nicht-Verlängerung am Dienstag.

Das Weißmann-Lager im Stiftungsrat ist darüber höchst unglücklich, Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger (FPÖ) sprach gar von juristischen Konsequenzen für Wrabetz, wenn dieser Alleingänge vornehme.

Worum geht es? Auf dem Küniglberg steht der neue multimedialen Newsroom vor der Fertigstellung. Dort ziehen im kommenden Jahr die Inforedaktionen aller Sender sowie von Online zusammen. Das neue Herzstück der ORF-Information – so will es Wrabetz – soll vier Chefredakteure als journalistische Spitzenkräfte bekommen – um den Eindruck eines „zentralen Chefredakteurs“ zu vermeiden.

Wolf als Kandidat

Bei seiner Pressekonferenz nach der Wahl nannte der Noch-Generaldirektor auch schon Namen – ohne mit den Genannten überhaupt gesprochen zu haben. Darunter war etwa „ZiB2“-Moderator Armin Wolf, der als stellvertretender TV-Chefredakteur auch diverse Social Media-Projekte betreut, als Variante für den Chef des Digitalen Bereichs. „Wenn man so jemanden hat, ist es logisch, dass man ihn bestellt“, so Wrabetz.

Hat Wolf Interesse? „Ich kenne bisher keine Ausschreibung“, schreibt der auf KURIER-Anfrage. „Aber ich bin seit vielen Jahren in der ZiB-Chefredaktion für Digitalprojekte und für die erfolgreichsten Social Media-Kanäle des ORF verantwortlich. Weshalb sollte sich das im neuen Newsroom ändern?“ Als Radio-Chefredakteurin will Wrabetz Gabi Waldner, eine erfolgreiche Innenpolitikexpertin. Und im Fernsehen würde er gern Matthias Schrom verlängern, der jetzt schon „ZiB“-Chefredakteur ist.

Umfärbung

Der Grund? Der scheidende Generaldirektor will so eine politische Umfärbung unter Weißmann verhindern. Den habe schließlich die türkise Mehrheit im Stiftungsrat gemeinsam mit den Grünen gewählt. Dazu kam die Stimme Stegers und jener von unabhängigen Stiftungsräten.

Um Wrabetz zur Kooperation zu mahnen, formulierte Steger eine Protokollanmerkung , die diesen nun zur Kooperation mit dem neuen Generaldirektor zur Kooperation verpflichten soll.

Ist das rechtlich wirklich bindend? Nein, sagt Hans Peter Lehofer, Richter am Verwaltungsgerichtshof. „Wrabetz ist frei, zu tun, was er will.“ Der Stiftungsrat habe in dieser Angelegenheit keinerlei Durchgriffsrecht.

Legt Wrabetz es wirklich auf einen Konflikt mit seinem Nachfolger – Weißmann will mit den bisherigen Strukturen und Spitzenpersonal vorerst weitermachen – und dem dominierenden Teil der Stiftungsräte an?

Auch so schon wird es nicht so einfach, die „Neubesetzungen“ bis Jahresende durchzupeitschen. So fehlt eine Organisationsanweisung, die die neue Struktur begründet und eine höchst komplexe Angelegenheit ist.

Nicht einmal in Wrabetz’ Konzept zur Wiederbewerbung finden sich klare Zuweisungen dazu, wie das „Multimedialer Newsroom Management“ konkret ausgestaltet sein und zusammenarbeiten soll. Mehr als ein Punkt im Organigramm ist hierzu nicht ausgeführt.

Auch die ORF-Redakteure, die der Noch-Generaldirektor vor angeblich drohendem politischem Zugriff zu schützen vorgibt, schreien nicht laut Hurra: „Für den geplanten Multimedialen Newsroom ist noch völlig unklar, wie wir Journalistinnen und Journalisten unser Mitspracherecht ausüben können“, sagt Redakteurssprecher Dieter Bornemann zum KURIER. „Da braucht es noch Gespräche, da gibt es noch viele Fragezeichen. Denn die Redakteursvertretung war bei den allermeisten Sitzungen zum Multimedialen Newsroom meist nicht eingeladen.“

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