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TV-Tagebuch
03/06/2021

"Starmania 21": Kaum noch "Klumpen im Kartoffelpüree"

Das Mysterium der Jury-Punktewertung wurde in der zweiten Quali-Show endlich erklärt. Das Werkel der Castingshow läuft - vielleicht etwas zu glatt.

von Peter Temel

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

„Es ist Zeit für die wichtigste Frage des Abends", sagt Arabella Kiesbauer. Nämlich: "Was trägt Arabella diesmal?“ - ihr Kostüm aus der Auftaktshow hat bei vielen im Netz bleibenden Eindruck hinterlassen und wurde mit dem grün glitzernden „Moneymaker“-Anzug verglichen.

Glitzern darf es bei Arabella noch immer, aber in elegantem und stylischem Schwarz. Und die herausgestreckte Rolling-Stones-Zunge auf dem T-Shirt signalisiert: Ich zieh mein Ding durch. Gut so.

Aber Kiesbauer rückt gleich die Relevanz dieser Frage wieder in den Hintergrund: „Nein, die wichtigste Frage ist natürlich, wer von unseren Talenten wird ins Semifinale aufsteigen?"

Und das sei keine „gmahde Wiesn“, sagt sie auf gut Österreichisch.

Ina Regen übersetzt für den Berliner Tim Bendzko: „Keine gemähte Wiese.“

Bendzko: „Ist sofort notiert."

Die dritte Jurorin, Nina „Fiva“ Sonnenberg, gibt den Gesangstalenten noch mit: „So viel Gelegenheit zum Spaß haben hat man derzeit nicht. Also haut rein.“

Das Regelwerk

Ö3-Offstimme Philipp Hansa erklärt anschließend endlich die kompletten Wertungsregeln. Die Juroren tippen jeweils eine Bewertung von 1 bis 10 ein. Und die drei Bewertungen werden addiert. Am Schluss erfährt man noch, dass man 15 Punkte erreichen muss, um grünes Licht („Weiter“) zu bekommen. Aber mit einem „Weiter“ sollte man sich nicht zu früh freuen. Denn es können nur acht von sechzehn aufsteigen. Es muss also noch einmal ausgesiebt werden.

Ebenfalls klar ist nun, wieviele Punkte man erreichen muss, um das „Star-Ticket“ zu erreichen, das zum direkten Aufstieg berechtigt. Es sind 23 von 30. Also die Wertungen 8,  8 und 7 würden beispielsweise bereits reichen, genauso ein 10, 10 und 3.

Die Regeln sind also jetzt klar, bis auf eine Frage, die weiter unten geklärt wird.

Vier "Star-Tickets"

Ein bisschen verwirrend ist für Neueinsteiger wohl noch immer, dass die Wertung „Weiter“, verbunden mit Grünlicht, erst die halbe Miete für den Aufstieg ist. Aber das Werkel läuft nun in der Show. Die Dichte an ausgeprägten Musiktalenten bleibt hoch, diesmal werden sogar vier „Star-Tickets“ vergeben.

Kandidat Marco Prinner erklärt in seinem Vorstellungsvideo, er habe schon fünfhundert Songs geschrieben. Wobei er sagt: „Das ist sauviel, aber da ist auch viel Scheiße dabei.“

Sein Auftritt mit dem Pizzera und Jaus-Song „Eine ins Lebn“ reicht aber letztlich für "Grün" und dann auch für den Aufstieg. Der Burgenländer bekommt also die Gelegenheit, im Semifinale einen seiner eigenen Songs darzubieten. Günstigenfalls einen von den besseren.

Du bist nicht einfach Tubist

Ein anderer Teilnehmer, Nico Kirschner aus Oberlösterreich, sagt bei der Videovorstellung den herausragenden Satz: „Mein Hauptziel liegt nicht im Tubist sein, sondern im Musiker sein.“

Aber alles der Reihe nach. „Zuerst fahr ma was owe“, sagt Kiesbauer, wieder im Dialekt. Was "owe fährt" ist eine Plexiglaswand auf der Bühne, die ihr eine natürlichere Sprechdistanz zu den Kandidaten ermöglichen soll. Diese Neueinführung bewährt sich und fällt nicht unangenehm auf.

Kiesbauer moderiert die Show ohnehin traumwandlerisch gut. Aber es war nie ein Geheimnis: Du könntest sie jederzeit in der Nacht aufwecken und sie würde dir einen ganzen Song Contest wegmoderieren.

Wer ist "Bad Cop"?

Ina Regen hat ähnlich großes Redebedürfnis. Wenngleich sie nicht immer der „Bad Cop“ sein möchte, der das Ausscheiden eines Kandidaten erklären muss. Diese Bürde wird diesmal etwas gleichmäßiger verteilt.

Bendzko erklärt dem ersten "Rot"-Kandidaten - der mit der Tuba -, er habe sich mit dem „Timing-Monster“ Ed Sheeran angelegt. "Castle on the Hill" sei noch ein zu großer Song für ihn, meint Bendzko.

Die Jury zeigt aber keinerlei Meinungsverschiedenheiten. Das wirkt teilweise fast zu harmonisch.

Nur Spurenelemente von "Bad Cop" kommen von Nina Sonnenberg. Kandidatin Anna Schach sei auf der Bühne gestanden, als ob sie „gekidnappt worden wäre“, sagt sie. Das richtet sich aber an eine „Grün“-Kandidatin, der Sonnenberg zu weniger Schüchternheit rät. Es sollte am Ende tatsächlich nicht reichen.

Die Sache mit dem Püree

"Einfach auf der Bühne zuhause" ist Allegra Tinnefeld. Sie ist mit ihren 15 Jahren „die jüngste Kandidatin aller Zeiten“, wie Off-Stimme Hansa sagt. Mit diesem zarten Alter hat sie schon Talentshowauftritte hinter sich, geht als Geigerin mit Wiener Symphonikern auf Tour und hat in internationalen Fernsehproduktionen mitgespielt. Noch Fragen? Singen kann sie auch. Und wie. Zu hören ist das bei „Hurt“ von Christina Aguilera.

Was sie eigentlich nicht kann, will Kiesbauer wissen.

„Pulver-Kartoffelpüree verrühren, ohne dass Klumpen übrig bleiben.“ - das Wundertalent musste offenbar vor der Show lange nachdenken, um einen Haken an sich zu finden.

"Fiva" Sonnenberg bietet gleich ein Lockdown-Kochtutorial an: „Kartoffelpüree aus Pulver, mein Ding!“

„Na Hawidere“, sagt Arabella (für Bendzko: Alter Schwede). Es gibt ein „Star-Ticket“.

Ina Regen findet doch noch eine Anregung: „Zwischentöne würd i no geil finden.“

Also gehören doch ein paar Knubbel in das Castingshow-Püree? Teilweise kommt das schon sehr glatt rüber, besonders von der Jury.

Good Cop

Wie in der ersten Show versucht sich wieder ein Polizist als Sänger. Diesmal gibt es für die Exekutive aber kein Ticket für das Semifinale. Emotionale Hintergrundstorys - und eine solche hat Daniel Neuhold aus Lieboch (Stmk) anzubieten - würden hier nicht bewertet, meint Bendzko.

Nur "Good Cop" zu sein reicht auf der Bühne also nicht.

Besser läuft es fürs Coiffeursgewerbe. In der ersten Show war ein Steirer aufgetreten, der gern beim Frisör singt. Jetzt kommt ein steirischer Frisör, der das Singen lieber selbst in die Hand nimmt. Thomas Glantschnig gibt den Entertainer mit Tom Jones’„It’s Not Unusual“ und kommt bei der Jury damit bestens an. Regen will "ein bisschen Peter Alexander" gesehen haben. Na ja.

Neuer Gradmesser

Anna Buchegger will jeden Tag einen anderen Künstlernamen haben und auch jeden Tag andere Musik machen. Nach den ersten Tönen ist bereits klar: Diese Reise geht weiter - auch mit nur einem Namen. „I’ll never love again“ von Lady Gaga, traumwandlerisch gut gesungen, brachte der in Wien lebenden Salzburgerin das "Star-Ticket." Da wäre die anschließende Jodeleinlage der Abtenauerin gar nicht notwendig gewesen.

Bendzko über die Sängerin: „Diejenige, an der sich alle anderen messen müssen.“

Als sie realisiert, dass sie bereits durch ist, sagt sie trocken: „Dann schau ich mir das Konzert weiter an.“

Leonardo Abdon, ein Brasilianer in Wien, will lieber in einer Boyband mit anderen Jungs auftreten, „da bin ich nicht so nervös.“ Er liefert einen tadellosen Auftritt mit "Wake Me Up" (Avicii), es reicht zwar fürs vorläufige Grün, aber nicht für einen Platz unter den ersten Acht.

Gefahr

Danger ist ihr Nachname. Tatsächlich. Karen Dangers Auftritt mit „Besame mucho“ ist der Jury aber offenbar zu folkloristisch. Das rote „Stopp“-Licht passt aber immerhin zur Latinoshow.

Tobias Hirsch aus Birkfeld beeindruckt mit einem hyperemotionalen „Anyone“ von Demi Lovato. Der sensible Bursche aus der Steiermark singt sich gern in eine eigene Welt hinein. Zum Glück ist er zwei Minuten vor Einsendeschluss aufgewacht und hat sich doch für „Starmania 21“ beworben. Sonst hätten wir seinen Auftritt, sein "Star-Ticket"und auch seine lila Socken mit blauen Elefanten nie gesehen.

Bendzko ist „gespannt" darauf, zu sehen, wie das ist, wenn sich der Steirer „nicht in einen Song vergraben“ kann.

Es folgt ein Tiroler Wackeldackel, gemeint sind die Kopfbewegungen von Max Rieser zum Song „Happy“ von Pharrell Williams. Es kommt vordergründig gut an, aber reicht am Schluss nicht für den Durchmarsch.

Charlène Bousseau, eine Halbfranzösin aus Klagenfurt, schafft hingegen mit „When We Were Young“ von Adele den indirekten Aufstieg. Es ist immer wieder verblüffend, dass 16-Jährige schon so viel Glanz versprühen können.

Disco

Discofeeling versprüht der Bayer Damion Lee: Der in Wien lebende 34-jährige Rapper singt „Sie kann nicht tanzen“ von Jan Delay, kann aber tanzen. Er kann auch singen, wenngleich es „eine andere Art von Singen“ ist, wie Bendzko sagt. Aber weil das positiv gemeint ist, reicht es für das „Star-Ticket“, was Lee euphorisch, aber sympathisch feiert.

"Da legst di nieder“, sagt Kiesbauer.

„Da leg ich mich nieder“, sagt Lee, „Gruß nach Bayern.“

Nastja Isabella Zahour holt alle wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und spricht über die existenzielle Bedrohung von Künstlern in der Pandemie. Die 26-Jährige Purkersdorferin (NÖ) wagt sich an „I’m Every Woman“ von Whitney Houston heran - und erringt damit Grün und dann auch den Aufstieg in die nächste Runde.

Die Songauswahl erklärt sie so: „Ich liebe alle Frauen …, wir sollten einander nicht im Weg stehen, sondern Vorbild sein.“

Aber nicht alle Frauen können den Aufstieg schaffen. Die 20-jährige Studentin Daniela Tuscher aus Niederösterreich nimmt sich mit einer Neuinterpretation von „Imagine“ von John Lennon zu viel vor. Eh interessant, aber es hakt ein bisschen.

Anna Schiebel, ebenfalls 20, ebenfalls aus Niederösterreich, verbringt viel Zeit in Griechenland. Sie singt „Ham kummst“ (Seiler und Speer) - und das gar nicht schlecht, vielleicht zu cool -, letztlich weist das Abschlussergebnis eher auf „Irgendwann bleib I dann dort“ hin. Der Aufstieg gelingt nämlich trotz Grün-Wertung nicht.

Noch ein bisschen Regelwerk

Zum Schluss wird auch noch enthüllt, auf welche Weise die acht Aufsteiger komplettiert werden. Die Jury berät sich für die Entscheidung noch einmal und kann zwei der „Grünen“ ohne Ansehen der Wertungspunkte weiterschicken. Der Rest orientiert sich an der Reihung aus den Punktewertungen. Was bei Punktgleichstand passiert, bleibt offen.

Aber um die Regeln wirklich erschöpfend zu erklären, bleibt ja noch acht Shows lang Zeit.

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