Jennifer Connelly als Zugchefin, Daveed Diggs als Ex-Polizist in der Netflix-Serie "Snowpiercer"

© Justina Mintz/TNT/Netflix

Kritik
05/29/2020

"Snowpiercer" auf Netflix: Menschenfleisch in der Nudelsuppe

Bong Joon-hos Film-Hit über einen Zug, der durch die Eiszeit rast, wurde zur Serie verdünnt: Mördersuche statt Klassenkampf.

von Alexandra Seibel

Spätestens mit seinem Oscargewinn für „Parasite“ machte sich Regisseur Bong Joon-ho einen breitenwirksamen Star-Namen. Doch schon seine Vorgängerwerke zeigten längst jene inszenatorische Treffsicherheit, mit der sich der Südkoreaner in die erste Liga des sozialkritischen Unterhaltungskinos katapultiert hatte. Sein postapokalyptischer Thriller „Snowpiercer“ von 2013 ist ein gutes Beispiel. Basierend auf einer französischen Graphic Novel erzählte Bong vom Kampf zwischen den Gesellschaftsschichten innerhalb eines Zuges, der in rasendem Tempo den Erdball umkreist. Aussteigen kann niemand, denn draußen herrscht aufgrund der Klimakatastrophe eine neue Eiszeit. Die vorderen Luxus-Waggons sind den Reichen und Privilegierten vorbehalten, in den hinteren Waggons hausen die niederen Schichten.

Bongs dunkel-versponnener, postapokalyptischer Klasssenkampf-Thriller wurde nun zu einer zehnteiligen Fernseh-Serie (zu sehen auf Netflix) mit Aussicht auf eine zweite Staffel ausgebügelt. Anstelle von überbordenden Bildern, die zwischen halluzinatorischen Schlachtszenen und bizarr-bunten Komik-Einlagen oszillieren (Tilda Swinton mit falschen Zähen!), verdünnt sich der Serien-Plot zu einer simplen Murder-Mystery-Story. Insofern ist „Snowpiercer“ weniger ein Remake des Films, als vielmehr ein Reboot.

Während bei Bong noch die beißende Wut auf die Superreichen, die noch dazu das Weltklima ruiniert haben, den treibenden Motor der Erzählung darstellt, steht jetzt eine Mördersuche im Mittelpunkt: Im vorderen Teil des Zuges wurde ein übel verstümmelte Leiche gefunden. Nun soll ein ehemaliger Polizist namens Layton, der in den Elendsquartieren des hinteren Zugteiles haust, zurate gezogen werden. Für seine Ermittlungen bekommt er Zugang zu allen anderen Waggons, versucht aber gleichzeitig, einen Aufstand gegen seine Unterdrücker zu organisieren.

Undurchsichtig

Eine besonders undurchsichtige Rolle spielt Jennifer Connelly („Alita: Battle Angel“) als unterkühlte Zugchefin Melanie. Mit hochhackigen Pumps und scharf geschnittener Schaffneruniform stolziert sie durch die Abteile und sorgt für Ordnung. Wer sich verdächtig macht, wird ins Koma geschickt und in einer Lade – wie im Leichenschauhaus – verstaut. Gleichzeitig herrscht reger Schwarzmarkt zwischen den Zugsabteilen: Drogen werden ebenso gehandelt wie Menschenfleisch.

Der Unterhaltungswert der Serie ist trotzdem erheblich: Er ergibt sich weniger aufgrund von sophisticated Klassenkritik oder exzentrischer Regieführung, sondern aus der Lust an der Mördersuche und Jennifer Connellys Absätzen.

Info: "Snowpiercer" läuft bei Netflix

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