Liefern sich in der Serie "Little Fires Everywhere" bei Amazon ein packendes Duell: Mia (Kerry Washington) und Elena (Reese Witherspoon)

© Hulu/AmazonPrimeVideo

Kritik
05/22/2020

"Little Fires Everywhere": Feuriger Kampf mit Reese Witherspoon

Die Serie erzählt nach einem Roman von Celeste Ng vom Duell zweier Mütter. Zu sehen bei Amazon.

von Nina Oberbucher

Schon in der ersten Szene bekommt man einen Vorgeschmack, wie dramatisch es wird: Am Ende wird das prächtige Haus der Familie Richardson in Flammen stehen. Und es wird Brandstiftung gewesen sein.

Die Serie „Little Fires Everywhere“, ab heute (Freitag) bei Amazon Prime Video verfügbar, beruht auf einem Roman von Celeste Ng und erzählt von einem hitzigen Wettkampf zwischen zwei äußerst unterschiedlichen Frauen.

Sex nach Wochenplan

Wir befinden uns – an diversen elektronischen Geräten ablesbar –  im Jahr 1997, mehrere Wochen bevor es zum eingangs beschriebenen Flammeninferno kommt. Reese Witherspoon ("Natürlich blond!", "Big Little Lies") schlüpft in die Rolle der betuchten Elena Richardson. Sie hat vier Kinder, ein stattliches Eigenheim und den wohl organisiertesten Familienkalender am Kühlschrank hängen, den man je gesehen hat. (Man könnte ganze Seite mit ihren Eigenheiten füllen: So wird die richtige Menge des Feierabenddrinks etwa mittels Messbecher bestimmt, Sex mit dem Ehemann gibt es streng nach Plan nur mittwochs und samstags.) 

Als die (Lebens-)Künstlerin und Alleinerzieherin Mia Warren (Kerry Washington, "Django Unchained", "Scandal") mit ihrer Tochter Pearl in den beschaulichen Vorzeigeort Shaker Heights zieht, vermietet Elena ihr aus Mitleid und schlechtem Gewissen günstig eine Wohnung und bietet ihr auch gleich einen Job als Haushälterin an. Mia lässt wenig von sich durchblicken, nur sehr zaghaft nähern sich die beiden Frauen an.

Rassismus, Eifersucht, Stolz

Anders als im Buch sind Mia und Pearl in der Serie schwarz. Und während Elena gerne mit ihrer Familie über politische Korrektheit diskutiert, hat sie in Wahrheit keine Ahnung, welche Privilegien sie als weiße Frau genießt. Und wie rassistisch sie sich mitunter verhält – auch gegenüber Mia.

Spannend wird das Verhältnis zwischen den beiden vor allem durch ihre Kinder: Mias Tochter Pearl ist begeistert von dem strukturierten und behüteten Leben, das die Richardsons führen und das sie so nicht kennt. Elenas Tochter Izzy hingegen fühlt sich von dem strikten Regelkonstrukt, das ihre Mutter ihren Kindern auferlegt, erdrückt und entwickelt einen besonderen Draht zur unkonventionellen Mia. Das ruft Eifersuchtsgefühle hervor und nagt am Stolz der beiden Mütter. Als in ihrem Umfeld auch noch ein komplexer Sorgerechtsstreit ausbricht, den Mia und Elena unterschiedlich interpretieren, droht die Situation zu entgleisen.

Etwas lehrerhaft

„Little Fires Everywhere“ handelt nicht nur von den Herausforderungen, mit denen Elena und Mia als Mütter konfrontiert sind, sondern auch von Diskriminierung. Das kommt in den ersten drei Episoden, die vorab zu sehen waren, mitunter etwas lehrerhaft und plump daher. Auch die Handlung verläuft nicht immer ganz schlüssig: Warum Elena Mia unbedingt helfen will, obwohl ihr der Instinkt doch etwas anderes sagt, wirkt nicht immer logisch. 

Doch Witherspoon und Washington sorgen für ein äußerst packendes Duell. Wann immer die beiden gemeinsam in einer Szene zu sehen sind, wird es feurig. 

Erst vor wenigen Tagen ist mit Lynn Shelton eine der Regisseurinnen der Serie verstorben.

"Little Fires Everywhere" läuft bei Amazon Prime Video

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