© Jojo Whilden/AMC

Streaming-Kritik
08/27/2021

"Kevin Can F**k Himself" bei Amazon: Sendepause für den TV-Ehemann

Die neuen Serie (zu sehen ab heute bei Amazon Prime Video) will mit dem Stereotyp der braven Sitcom-Ehefrau brechen.

von Nina Oberbucher

Die Konstellation ist aus zig TV-Sitcoms bekannt: Da wäre der ebenso von sich selbst überzeugte wie alleine überlebensunfähige Ehemann, ein Kind im Körper eines Erwachsenen, der von seinen Sprüche klopfenden Freunden umgeben auf der Couch in seinem Wohnzimmer thront. Stets an seiner Seite: seine Ehefrau, die sämtliche seiner Spinnereien ausbadet, den Haushalt schupft, immer top gestylt ist und wahlweise bei den mittelmäßigen Gags ihres Angetrauten mitlacht oder als Spaßbremse in Erscheinung tritt. Während er in TV-Serien meist im Mittelpunkt steht, gerät sie in den Hintergrund.

Anders bei „Kevin Can F**k Himself“ (ab heute, Freitag, bei Amazon Prime Video zu sehen). Die Serie ist eine Abrechnung mit der Darstellung der TV-Kevins und ihrer Ehefrauen, der Titel ein Seitenhieb auf „Kevin Can Wait“.

Zwei Staffeln lang lief die nach oben beschriebenem Muster gestrickte Sitcom bei Amazon. Nach Season 1 wurde kurzerhand die Ehefrau Donna (Erinn Hayes) umgebracht, um stattdessen Schauspielerin Leah Remini, mit der Kevin James bereits in „King of Queens“ zu sehen war, in der Serie zu platzieren. So austauschbar waren die Frauen offenbar für die Serienmacher.

Düstere Stimmung

Bei „Kevin Can F**k Himself“ steht nun Allison im Fokus (gespielt von Annie Murphy, für ihre Rolle in der Comedy-Serie „Schitt’s Creek“ mit einem Emmy ausgezeichnet), die mit ihrem Kevin (Eric Peterson) in einem heruntergekommenen Haus in der Kleinstadt Worcester, Massachusetts lebt. Ist Kevin anwesend, präsentiert sich die Serie als seichte Sitcom in bunten Farben mit Lachern aus der Dose. Sobald Allison alleine im Raum ist, wird die Stimmung düsterer und Allisons Lächeln verschwindet. Glücklich ist sie schon lange nicht mehr. Dennoch träumt sie von einer besseren gemeinsamen Zukunft mit Kevin in einem schmucken Eigenheim, das sie sich wohl eines Tages leisten werden können, wenn sie nur genug sparen.

Als ihr die Nachbarin Patty (Mary Hollis Inboden) eines Tages in einem seltenen Gespräch erzählt, dass Kevin das mühsam zusammengekratzte Geld auf den Kopf gehaut hat, legt sich bei Allison ein Schalter um. So will sie nicht mehr weitermachen – und sie kommt zu einem folgenreichen Schluss: Sie will Kevin umbringen. Dafür begibt sie sich mit Patty auf einen gefährlichen Trip.

Vielversprechend

Der Wechsel zwischen überdrehter Sitcom und grimmigem Drama ergibt eine spannende Kombination, die Ausgangslage ist vielversprechend. Nach der fesselnden Auftaktepisode – der KURIER konnte vier Folgen vorab sehen – machen sich leider einige Längen bemerkbar. Auch, warum Allison es überhaupt so lange mit einem Menschen ausgehalten hat, der sich offenbar keine Spur für ihre Gefühle interessiert und seine Frau als persönliche Babysitterin wahrnimmt, wird nicht schlüssig erklärt.

Ob die Serie diese Schwächen in den verbleibenden vier Folgen wettmachen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass es höchste Zeit ist, die Kevins dieser TV-Welt aus dem Mittelpunkt zu drängen und andere in die erste Reihe zu rücken.

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