Til Schweiger und Bastian Schweinsteiger beim Kochen

© 2020 Amazon.com Inc., or its affiliates: Barefoot Films

Kritik
06/12/2020

"SCHW31NS7EIGER": Ein Lobgesang auf Bastian Schweinsteiger

Til Schweiger hat für Amazon einen Doku-Film über den deutschen Fußballer gemacht. Und ein bisschen über sich selbst.

von Nina Oberbucher

Es dauert rund zwanzig Minuten, bis Til Schweiger das erste Mal auftaucht und in die Kamera spricht. Als Deutschland damals gegen Italien bei der WM ausgeschieden ist, sei er am nächsten Morgen weinend aufgewacht, gesteht er. Das hätte theoretisch auch jeder andere erzählen können. Aber Schweiger ist zufällig auch der Produzent von „SCHWE31NS7EIGER“, dem neuen Doku-Film bei Amazon Prime Video über den deutschen Fußballer Bastian Schweinsteiger. Und ein bisschen über Til Schweiger.

Ein Brei aus Matches

Halbwegs chronologisch werden da die wichtigsten Stationen von „Schweini“, wie er auch genannt wird, gezeigt: von den ersten sportlichen Gehversuchen über diverse Frisurunfälle bis zu den zentralen Spielen seiner Karriere. Wer die nicht aktiv verfolgt hat, für den verschwimmen die einzelnen Matches im Schnelldurchlauf jedoch irgendwann miteinander, zu einem Brei aus Toren, Siegen und Niederlagen.

Dazwischen kommen Schweinsteiger selbst, aber auch (sehr viele) Wegbegleiter zu Wort. Nicht alle haben viel beizutragen, aber man wollte offenbar zeigen, wie viele Prominente man zusammentrommeln konnte: Michael Ballack, Oliver Kahn, Manuel Neuer, Lukas Podolski, Felix Neureuther, David Alaba, ... und – richtig! – Til Schweiger. Dabei fällt keine einzige kritische Bemerkung, und obwohl man am Ende fast zwei Stunden Schweinsteiger gesehen hat, konnte man doch so wenig über ihn erfahren.

Wir brauchen mehr Soundeffekte!

"SCHWE31NS7EIGER" wirkt ein wenig, als würde man ein Fotoalbum des Fußballers durchblättern. Man sieht lauter freundliche Gesichter, Erinnerungen an nette Erlebnisse – und das alles perfekt in Szene gesetzt. Was nicht so schön ist, wurde auch nicht festgehalten. Die vermeintlich authentischen Szenen machen es nicht besser: Als Schweiger und Schweinsteiger wie zum Beweis ihrer Freundschaft für die Kamera miteinander kochen, wirkt das selten unangenehm und gekünstelt.  

Besondere Freude an diesem Lobgesang gewordenen Projekt dürften die Music Supervisor gehabt haben (darunter auch Schweiger): Von der ersten Minute an wähnt man sich ob der zahlreichen Soundeffekte entweder im Endkampf eines Superheldenfilms oder einer versöhnlichen Schlussszene einer Schweiger-Komödie wie „Kokowääh“. Für eine Doku ist das – wie so vieles an "SCHWE31NS7EIGER" – viel zu dick aufgetragen. Und zu viel Schweiger.

Noch mehr Streaming-Tipps und Serien-Reviews gibt's hier