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Streaming-Kritik
08/27/2021

"Die Professorin" auf Netflix: Tickende Zeitbombe für Sandra Oh

Sandra Oh übernimmt in „Die Professorin“ einen Top-Job. Oder doch nicht?

von Nina Oberbucher

Endlich hat sie es geschafft. Stolz bezieht Dr. Ji-Yoon Kim (Sandra Oh, "Grey's Anatomy", "Killing Eve") ihr neues Büro: Sie ist nun die erste Frau auf dem Lehrstuhl der Englisch-Fakultät an der Pembroke University. Und die erste Woman of Color in dieser Position. Doch die Freude darüber hält nicht lange an: Denn Ji-Yoon Kim muss erkennen, dass sie gegen die festgefahrenen Strukturen wenig ausrichten kann.

Die Netflix-Serie „Die Professorin“ (auf Englisch „The Chair“) erzählt in sechs flotten und unterhaltsamen Episoden von den komplizierten Zuständen an einer fiktiven US-amerikanischen Universität. Hinter der Serie stehen Amanda Peet und Annie Julia Wyman, unter den ausführenden Produzenten sind die „Game Of Thrones“-Macher David Benioff und D. B. Weiss. (Keine Sorge, es gibt keine Drachen, dafür andere Herausforderungen.)

Etwa den bei Studierenden beliebten Bill Dobson (Jay Duplass), der Ji-Yoon Kim sehr am Herzen liegt und ihr schon bald große Sorgen bereitet: Als er als Teil seines Unterrichts den Hitler-Gruß vorzeigt, wird dies gefilmt und ohne Kontext ins Netz gestellt. Der Skandal ist perfekt – und die neue Leiterin in Erklärungsnot.

Dabei würde sie sich viel lieber darum kümmern, die junge Kollegin Yaz McKay (Nana Mensah) zu befördern und so einer talentierten Schwarzen Nachwuchswissenschaftlerin zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Stattdessen wird ihr ein weißer Mann aufs Auge gedrückt, der in den vergangenen Jahren nicht gerade mit seiner wertvollen Forschungsarbeit aufgefallen ist: Schauspieler, Musiker und Autor David Duchovny (er spielt sich selbst).

„Ich habe das Gefühl, mir wurde da eine tickende Zeitbombe übergeben. Die wollten sichergehen, dass eine Frau sie hält, wenn sie explodiert“, vermutet Ji-Yoon Kim. Wirkliche Veränderung wollte man mit ihrer Bestellung anscheinend nicht.

"Die Professorin" zeigt am Beispiel von Pembroke schön, dass es nicht reicht, irgendwo eine Woman of Color hinzusetzen und zu glauben, damit sei in Sachen Diversität alles getan. Die Serie ist aber auch eine Liebesgeschichte, es geht um Trauer, Träume und schlimme Kinder. Es sind vollgepackte, aber nie überladene drei Stunden, die einen mit einem wohligen Gefühl zurücklassen. Auch, wenn für die Protagonistin nicht alles nach Plan läuft.

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