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ORF-Chef Pig kippt Direktoren-Wahl und stellt sie neu auf

Professionelles Bewertungsverfahren, mehr Transparenz und Zeit und externe Berater. Bestellung durch den Stiftungsrat wohl erst Anfang/Mitte August.
Mann mit Bart im dunklen Anzug blickt in die Kamera, links unscharf eine Filmkamera im Büro.

Clemens Pig kommt nicht aus dem ORF und das merken nun alle schon vor seinem Antritt. Nach KURIER-Informationen kippt der langjährige APA-CEO die für 21. Juli geplante Wahl von vier zentralen ORF-Direktionen sowie jener für die 9 Landesstudios. Sie soll nun erst Anfang/Mitte August stattfinden. 

Die Bewerbungsfrist für die Direktionsjobs läuft, wie offiziell veröffentlicht, am 14. Juli ab.

 

Transparentes Vorgehen

Dann folgen aber nicht wie früher Mauscheleien im Morgengrauen oder Personal-Wünsche auf Servietten, sondern ein professionelles Bewertungsverfahren, das einem Milliarden-Unternehmen würdig ist, so der dem KURIER zugetragene Plan. 

Pig will offenkundig ein Vorgehen, das in jeder Weise den strengeren Vorgaben des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) entspricht. Dafür muss er den Zeitdruck herunterfahren und diese Freiheit nimmt sich der gebürtige Tiroler jetzt.

Profis für die Direktoren-Auswahl

Das Auswahlverfahren für die höchsten ORF-Jobs soll nun von zwei Profis in Sachen Human Resources begleitet werden, die aus der Schweiz bzw. Deutschland kommen. Das soll jeden Anschein von vorab getätigten Absprachen vermeiden. Diese sollen insbesondere die, für die ORF-Zukunft wichtigen Bereiche Public Value und Digital auf Basis der Bewerbungen und eventuell nachfolgender Gespräche bewerten. 

Am Ende des Prozesses wird Pig eine Shortlist an potenziellen qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten vorliegen haben. Daraus wird er dann sein Team bilden, auf das jedenfalls harte Zeiten zukommen.

Komplette Abkehr von der „Servietten-Zeit“

„Es ist das die komplette Abkehr von der früheren Praxis der Sideletter, die es ja zuletzt angeblich ohnehin nicht gab und ein wichtiger Emanzipationsschritt des ORF von der Politik“, heißt es dazu aus dem Pig-Umfeld. Das neue Auswahlverfahren kann auch als Signal an kompetente Menschen interpretiert werden, sich doch noch bis 14. Juli zu bewerben.

Der neu gewählte ORF-Chef nimmt damit jedenfalls auch Kritikpunkte am zuvor vom Stiftungsrat festgelegten Zeitplan auf. Sowohl NEOS- als auch FPÖ-nahe Mitglieder des obersten ORF-Aufsichtsgremiums hatten die Eile bei der Direktorenbestellung kritisiert. Pig hätte nach bisheriger Planung zwischen dem Abschluss der Bewerbungsfrist und der Abstimmung über die Direktoren nur eine Woche gehabt. 

Was vorab kolportiert wurde, scheint nun Schall und Rauch zu sein. Schon in seiner Bewerbung war Pig von der in informellen Sidelettern festgeschriebenen, traditionellen Direktionsstruktur abgegangen. Gesucht werden derzeit vielmehr Chefs für Programm und Brands, Audience und Plattformen, Finanzen und Verwaltung  sowie Technologie und Innovation.

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