Will "Universum" breiter aufstellen und auf Green Producing setzen: Gernot Lercher leitet seit 1. Juli die Redaktion des Natur-Formats von ORF2. Am Bild zu sehen ist er bei Dreharbeiten in Portugal.

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Kultur Medien
07/28/2020

Neuer "Universum"-Chef: Nicht nur Naturidylle zeigen

Gernot Lercher im Gespräch über Green Producing, Dreharbeiten trotz Pandemie, Seepferdchen und wie viel bei "Universum" echt ist.

von Nina Oberbucher

Seit wenigen Wochen hat die ORF2-Natur-Reihe „Universum“ nicht nur ein neues Design, sondern auch einen neuen Chef: Gernot Lercher.

Der gebürtige Grazer, der in den vergangenen Jahren als Autor und Regisseur u. a. für „Universum“ tätig war, will das Format breiter aufstellen: „Aus den Gesprächen mit Autoren und Regisseuren habe ich herausgehört, dass viele Themen nicht in den Dokumentationen am Dienstagabend unterzubringen sind, zum Beispiel bei wissenschaftlichen oder kulturellen Aspekten, die beim Dreh in einem anderen Land aufgefangen wurden“, erzählt Lercher. Solche Inhalte sollen in Zukunft online oder fürs Radio umgesetzt werden.

Froh über Geländewagen

Forcieren will er auch umweltbewusstes Produzieren: „Gemeinsam mit den Naturfilmproduzenten wollen wir nach und nach an kleinen Schrauben drehen, denn wir verstehen uns in der Naturfilmbranche schon als Botschafter des Green Producing.“ Oft sei ohnehin nur ein Kameramann alleine unterwegs, bei Produktionen im Inland sei der CO2-Abdruck auch ein relativ kleiner. Doch selbst da könne man noch bewusster arbeiten, sich etwa mit E-Autos fortbewegen. „Wenn man im Hochgebirge arbeitet, ist man klarerweise froh über einen Geländewagen. Aber da kann man auch überlegen, wie viele Fahrzeuge man wirklich braucht.“

Ein Anruf genügt

In vielen Ländern arbeite man mit Teams vor Ort. Lerchers aktuell letzter Film über Portugal (im Herbst zu sehen, siehe Infobox am Ende des Artikels), sei zum Beispiel zur Gänze mit lokalen Crews entstanden. „Über die gesamte Dauer von eineinhalb Jahren war ich der Einzige, der aus Österreich dorthin gefahren ist.“ Wenn sich vor Ort das Wetter änderte, genügte oft ein Anruf. „Wir haben auch ausgezeichnete Teams in Amerika, Asien oder auch in Südafrika“, berichtet Lercher. „Aber es gibt noch nicht in jedem exotischen Land Crews, die über Erfahrung im Naturfilm oder auch die notwendige technische Ausrüstung verfügen. Da muss man genau schauen und verantwortungsbewusst mit den Geldern umgehen, damit am Ende ein Produkt herauskommt, das eine begeisterte ,Universum‘-Seherschaft findet und sich auch am Markt verkaufen lässt.“

Muss man angesichts des Klimawandels und entsprechender Fake News nicht weg vom schönen Tierfilm hin zu mehr Wissenschaftsjournalismus? Da renne man bei Lercher „offene Türen“ ein: „Es ist bei unseren neuen Filmen auf jeden Fall angedacht, dass auch Aspekte, die über die Darstellung der Naturidylle hinausgehen, thematisiert werden“, sagt Lercher. „Die Natur stößt immer mehr an ihre menschlichen Grenzen und läuft Gefahr, nachhaltig Schaden zu nehmen. Es ist notwendig, den Finger da auch auf Wunden zu legen.“ Man müsse dabei aber „nicht immer nur Negativbeispiele nennen, sondern kann auch zeigen, wo es Initiativen gibt, die das Steuer in die andere Richtung zu drehen versuchen.“

Lock-down für Dokus

Ein Thema ist für den neuen „Universum“-Chef auch die Pandemie – viele aktuelle Produktionen in Übersee stehen. Teams dürfen nicht in die betreffenden Länder einreisen und auch die Kameraleute vor Ort könnten sich nicht wie gewohnt bewegen: Teilweise herrscht Lock-down, Nationalparks sind geschlossen. Bis ins Frühjahr gebe es kein Problem, die Sendeleiste zu befüllen. „Wenn sich an dem aktuellen Status in einem Jahr nichts ändert, muss man sich sicherlich überlegen, wie man mit der einen oder anderen Produktion umgeht.“

Bei manchen müsse man eventuell „einen Kompromiss eingehen und sagen: Okay, wir haben eigentlich schon genug Material und machen daraus einen Film. Bei anderen Projekten muss man vielleicht eine andere Möglichkeit suchen, die letzten Meter doch noch zu drehen und möglichst bald zu finalisieren.

„Das will jeder sehen“

Und wie viel von dem, was man in „Universum“ sieht, ist eigentlich echt? „Ich traue mich zu sagen, dass 90 bis 95 Prozent echtes ,Wildlife‘ sind“, so Lercher, der ein Beispiel aus seinem Portugalfilm nennt: „Wir haben an der Algarve gedreht, wo eine der größten Seepferdchenkolonien der Welt lebt. In der Nähe gibt es ein maritimes Zentrum und da ist es uns gelungen, in einem Aquarium eine Seepferdchengeburt zu filmen. Ich denke, das will jeder sehen. Das findet in der Natur genauso statt, ist im Meer aber unfilmbar, aufgrund der Strömung und der Größe der Tiere – eines ist nicht einmal zweieinhalb Zentimeter groß“, erklärt Lercher.

Als Sendungsverantwortlicher vertraue man in der Hinsicht auf die Filmemacher. Bei den Regisseuren und Autoren, die ich kenne, ist der Ehrgeiz vorhanden, das Naturleben so darzustellen, wie es ist. Wenn es da und dort darum geht, im Interesse der dramaturgischen Erzählung etwas zu ergänzen, das in der Natur zu 100 Prozent gleich funktioniert, macht das meiner Meinung nach durchaus Sinn.“

Die Welt erkunden
Aktuell zeigt „Universum“ die Serie „Im Sommer die Welt entdecken“, heute (20.15 Uhr): „Planet Earth – Das Wunder Erde: Städte“

Vorschau
Nach dem Sommer zu sehen sind u. a.  „Portugal – Wildnis zwischen Land und Ozean“ (Oktober), „Hermann Maier – Meine Heimat: der Bregenzerwald“ (Oktober), „Auf den Spuren des Karawankenbären“ (Herbst/ Winter). „Universum“ läuft immer dienstags zur Primetime in ORF2

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