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Kultur Medien
06/28/2020

Wie die "Liebesg'schichten"-Macherin Horowitz Menschen öffnet

Nina Horowitz folgte der 2019 verstorbenen Elizabeth T. Spira nach. Sie drehte nur an kleinen Schrauben, wie sie sagt.

von Philipp Wilhelmer

KURIER: Wie geht es Ihnen damit, in die Fußstapfen von Elizabeth T. Spira zu treten?

Nina Horowitz: Ich wurde ausgewählt, das zu machen, und bin sehr stolz, dass ich das darf. Ich fühle mich sehr wohl. Die Tätigkeit als Interviewerin ist keine neue, aber das Format hat natürlich eine große Strahlkraft. Jede und jeder in Österreich kennt die „Liebesg’schichten und Heiratssachen“.

Die Sendung wirkt gleich, aber fühlt sich anders an.

Wir haben uns gemeinsam dazu entschieden, dass wir an kleinen Schräubchen drehen, aber nicht das Grundprinzip völlig verändern – so wurde etwa die Musik zu Beginn verändert, die ist jetzt von Roy Black. Auch die Grafik ist neu: Die Torten sind weg – wir haben jetzt Herzballons, die in die Luft steigen. Es fühlt sich vertraut an, wird aber flott wirken.

Die Musik wirkt kräftiger und sehr auf die Personen zugeschnitten: Wie funktioniert die Auswahl?

Ich wähle die Lieder fast immer selbst aus. Ich denke über die Menschen nach – und dazu poppt bei mir im Kopf ein Lied auf. Musik ist mein Hobby. Der Schnitt dazu ist aber die eigentliche Kunst. Das macht Bettina Mazakarini wirklich hervorragend.

Wie wählt man die Kandidatinnen und Kandidaten aus?

Mit Gespür. Bevor ich die Menschen interviewe, mache ich mir auch selbst ein Bild von ihnen. Da hilft mir die Erfahrung vom „Schauplatz“, wo ich vor allem Porträts gemacht habe. Da waren die Protagonistinnen und Protagonisten besonders wichtig. Wichtig ist auch die Mischung – wir haben ja 54 Personen für die ganze Staffel, wobei die Männer und Frauen gleich vertreten sind.

Wie viel geben Sie den Menschen vor und wie viel kommt von ihnen selbst?

Wenn die Ideen nicht von den Menschen selbst kommen, merkt man das. Manche sind beim Dreh ein bisschen nervös, weil sie ja auch etwas über sich erzählen müssen. Man kommt ja nicht in die Sendung, indem man einfach sagt: „Ich bin Single. Nehmt mich“, ohne etwas von sich preiszugeben. Ich versuche, sie dann aufzulockern, was mir ganz gut gelingt.

Verstehen Sie, dass die Menschen im Fernsehen so offenherzig über ihr Privates reden? Man steht dort im Guten wie im Schlechten auf der Bühne.

Das ist ein wichtiger Satz. Die Sendung gehört den Singles. Wir bieten ihnen die Bühne und jeder nimmt das anders wahr. Wenn man immer nur daran denkt, was die Nachbarn sagen, wird es schwer. So kommt man im Leben nicht weiter. Aber natürlich finde ich es mutig, dass sie es tun.

Muss man sie manchmal vor sich selbst schützen?

Manchmal muss man schon schauen, wie jemand rüberkommt. Wenn ein Single schräg oder schrullig ist, dann darf man das ja zeigen. Man darf nur einen Menschen nicht verkürzt anders zeigen, als er in der Realität ist.

In der ersten Folge scheint es bei den Männern immer wieder Thema zu sein, wieviele Frauen wohl schreiben werden. Sind Frauen da weniger sportlich?

Mehr als bei Frauen, das stimmt. Es ist allerdings für mich zu früh, dazu Bilanz zu ziehen, weil ja noch nichts ausgestrahlt wurde. Viele reden auch gar nicht darüber, wieviele Antworten sie bekommen könnten.

Als Elizabeth T. Spira die „Liebesg’schichten“ begonnen hat, sind die Kandidatinnen und Kandidaten zumeist im fortgeschrittenen Alter gewesen. Das hat sich geändert, oder?

Der jüngste ist 30 und die älteste ist 82. Die Spanne ist also groß. Es ist aber so, dass die Gelassenheit oft erst im Alter kommt. Ältere Leute haben auch mehr zu erzählen. Wir freuen uns natürlich über 20-jährige spannende Menschen, die sich bewerben. Sie sollen sich nur nicht zwei Tage später wieder verlieben (lacht).

Wie wirkt sich Corona auf die Sendung aus? Es gibt Leute, die sagen, dass Corona sie einsam gemacht hat. Zum Beispiel eine Frau aus der Steiermark, die vorher ein selbstbestimmtes Leben gehabt hat, viel unternommen hat und von heute auf morgen ihre Freundinnen und Freunde nicht sehen konnte. Da hat sie das erste Mal darüber nachgedacht, wie das wohl im Alter ist mit dem Alleinsein. Und sich beworben.

Die Menschen müssen einander näher kommen. Das ist nicht einfach mit Mund-Nasen-Schutz.

Das wird sicher auch Thema sein in der Bilanzsendung im Oktober. Wir haben den Kandidatinnen und Kandidaten aber keine Verhaltensregeln gegeben (lacht).

Wer ist Nina Horowitz privat?

Zu Soul tanzend in der Disco bin ich glücklich. Sonst lese ich gerne, und wenn im Wirtshaus drei Tische weiter ein Mensch sitzt, den ich spannend finde, würde ich immer gern aufstehen und hingehen. Ich liebe Geschichten. Da bin ich privat und beruflich nicht so verschieden.

Zur Person: Nina Horowitz (43)  kommt wie die 2019 verstorbene Elizabeth T. Spira  aus der Reportage. Für „Am Schauplatz“ drehte sie vor allem preisgekrönte Porträts interessanter Menschen. Sie selbst ist glücklich verheiratet mit der Medienmanagerin Stefanie Groiss-Horowitz. Die neue Staffel der "Liebesg'schichten" ist ab 6. Juli wöchtentlich auf ORF2 zu sehen.