Johannes Zeiler und Brigitta Kanyaro in der neuen Serie "Letzter Wille", ab Montag in ORF1: Wie ein Krimi, aber ohne Mord

© ORF/ORF/MR Film/Petro Domenigg

Kultur Medien
11/08/2020

Neue ORF-Serie "Letzter Wille": Krimi, auf links gedreht

Johannes Zeiler und Brigitta Kanyaro ermitteln – nicht nach Mördern, sondern Erben (Montag, ORF1).

von Nina Oberbucher

Am Beginn steht ein Todesfall. Dann beginnt ein ungleiches Duo zu ermitteln. So weit, so bekannt ist dieses Schema aus diversen TV-Krimis. Doch in der neuen ORF-Serie „Letzter Wille“ wird kein Mörder gejagt. Stattdessen machen sich die beiden Protagonisten Paul Schwartz (Johannes Zeiler) und Julia Marquard (Brigitta Kanyaro) auf eine humorvolle, schräge, mitunter auch traurige Suche nach dem oder den rechtmäßigen Erben – nämlich dann, wenn keine Angehörigen bekannt sind und es kein Testament gibt.

Wie das vonstattengeht, ist ab morgen (Montag), 20.15 Uhr, auf ORF1 zu sehen. Die Idee zu „Letzter Wille“ stammt von Markus Engel, der auch für sechs der Drehbücher und die Regie in vier der insgesamt acht Episoden verantwortlich zeichnet. Vom Beruf des Erbenermittlers hat er vor Jahren in einem Zeitungsartikel gelesen, erzählt er in einem Videotelefonat. „Das hat mich irgendwie fasziniert, weil das wie ein Krimi ist, ohne dass jemand fragen muss: Wo waren Sie gestern um halb 4?“, erzählt Engel. „Es ist keine Suche nach Leuten, die den Toten gehasst haben, sondern nach Menschen, die sich geliebt haben.“

Muffeliger Dr. House

Mit auf diese Suche begibt sich Schauspieler Johannes Zeiler, der bereits Ermittlungserfahrung aus der ORF-Serie „CopStories“ hat und an der Seite von Anke Engelke in der Netflix-Serie „Das letzte Wort“ mit dem Thema Tod zu tun hatte. Er schlüpft für „Letzter Wille“ in die Rolle des Paul Schwartz – ein „muffeliger Typ“, der etwas von Dr. House hat, wie Zeiler findet. „Ich habe es sehr genossen, mir diesen Charakter anzueignen, der am Anfang ganz schön sperrig war. Er hat sich gebogen und ist ausgewichen, bis ich ihn dann gefangen habe.“

Aber das passt auch zur Figur des Paul Schwartz, der „sich immer in einem anderen Mäntelchen versteckt, eloquent und trickreich ist, schwindelt und lügt und sich dabei wie ein Fisch im Wasser fühlt.“ Denn um einen rechtmäßigen Erben ausfindig zu machen, greift Paul Schwartz tief in die Trickkiste, stellt sich mal als ORF-Mitarbeiter, dann als Beamter einer fiktiven Behörde oder Organisator einer Maturafeier vor.

Lebensfroher Gegenpart

Ganz anders geht da seine Kollegin Julia Marquard vor, die lebensfroh ist und ihr Herz auf der Zunge trägt. Gespielt wird sie von Brigitta Kanyaro. Es ist ihre erste Serien-Hauptrolle, davor war sie u. a. in „Walking on Sunshine“ zu sehen und zuletzt vor allem hinter der Kamera aktiv. „Letzter Wille“ habe ihr neue Projekte ermöglicht. „Mich zieht die Leichtigkeit dieser Serie an – die Leichtigkeit in den schweren Dingen. Dieser Kontrast war sehr interessant für mich.“

Ebenso spannend sei für sie die Kombination mit historischen Begebenheiten – denn in jeder Folge spielt auch ein Stück der jüngeren österreichischen Geschichte eine Rolle.

Von Au-Besetzung bis Zwentendorf

Im Auftaktfall ermitteln Schwartz und Marquard, die ihr Büro übrigens in einem hippen Co-Working-Space haben, nach dem Suizid einer jungen Frau. Die hatte scheinbar keine Verwandten – dafür eine große leer stehende Wohnung. Unter den wenigen Habseligkeiten, die bei ihr gefunden wurden, erweist sich ein altes Zeitungsfoto von der Au-Besetzung als wichtiger Hinweis. Eine andere Episode dreht sich um ein Unfallopfer, das als Baby ausgesetzt wurde, und dessen Geschichte eine Verbindung zum Atomkraftwerk Zwentendorf hat.

Der historische Hintergrund ist bekannt, aber wie viel Wahrheit steckt sonst in der Serie? „Ich habe einen echten Erbenermittler kontaktiert und ausgefragt“, erzählt Engel. „Er hat auch jedes Drehbuch gegengelesen. Das ist alles stimmig. Manches würde vielleicht in echt zwei Jahre dauern und braucht bei uns halt nur zwei Tage.“

Noch viele Ideen

Auch die Fälle selbst beruhen – in abgewandelter Form – auf wahren Begebenheiten. „Wenn ein Mensch stirbt, stirbt ein ganzer Kosmos und diesen gilt es zu erkunden – mit Kindheitserinnerungen, Alltagsgeschichten und Verwerfungen“, so Engel, der als Inspiration für die Ästhetik der Serie u. a. „True Detective“ nennt.

Überlegungen über eine zweite Staffel wurden schon angestellt. Kanyaro und Zeiler zeigen sich zuversichtlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. „Wir haben noch viele Ideen“, versichert Engel.

Auftakt im TV
Die neue Serie „Letzter Wille“  startet  morgen (Montag), um 20.15 Uhr, in ORF1. Regie führten Markus Engel und Gerald Liegel. Neben Johannes Zeiler und Brigitta Kanyaro sind u. a. Ruth Brauer-Kvam, Julian Loidl, Alexander Pschill und Wolfgang Hübsch in weiteren Rollen zu sehen

Die Serie zum Streamen
Alle acht Folgen von „Letzter Wille“ sind bereits jetzt auf flimmit.at zum Streamen abrufbar

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