Ringier will Frauen in den eigenen Medientiteln sichtbarer machen. Bei der Handelszeitung war etwa Greta Thunberg Anfang Jänner am Cover.

© Ringier

Kultur Medien
03/08/2020

Wie ein Algorithmus Frauen in Medien sichtbarer machen soll

Frauen kommen seltener in der Berichterstattung vor als Männer. Der Medienkonzern Ringier setzt nun auf Künstliche Intelligenz.

von Nina Oberbucher

Man kennt das Bild aus Diskussionssendungen, aber auch wenn Expertenmeinungen eingeholt werden: Männer sind in der Berichterstattung präsenter.

Der Schweizer Medienkonzern Ringier (dazu gehören u. a. die Boulevardzeitung Blick und die Handelszeitung) hat nun ein Projekt lanciert, mit dem die Sichtbarkeit von Frauen erhöht werden soll: Seit November ist dort eine Software im Einsatz, die misst, wie hoch der Anteil der Geschlechter in Medienberichten ist.

Mittels Künstlicher Intelligenz werden Vornamen, Pronomen, aber auch Bilder in Artikeln ausgewertet. Das Daten-Tool dafür war bereits im Haus vorhanden, wurde für die Initiative lediglich angepasst und musste etwa Vornamen „lernen“.

„EqualVoice“ nennt sich das Projekt, die Idee dazu stammt von Ringier-Finanzchefin Annabella Bassler. „Ich habe selbst anhand persönlicher Erfahrung gemerkt, wie wichtig Rollenmodelle sind“, erzählt sie dem KURIER. „Es muss Teil der Normalität werden, dass eine Finanzchefin auch Mutter eines sechsjährigen Sohnes sein kann. Hier spielen Medien eine wichtige Rolle.“

"Die Sensibilität für das Thema ist hoch"

Dass sich die Finanzchefin eines solchen Vorhabens annimmt, habe zunächst durchaus für Verwunderung gesorgt. „Aber mittlerweile hat sich der Begriff ,EqualVoice‘ fest in den Redaktionsalltag etabliert – die Sensibilität für das Thema ist sehr hoch. Wir machen auch regelmäßige Workshops und gehen in eine Diskussion mit den Mitarbeitern“, berichtet Bassler.

Die Chefredaktionen der einzelnen Medien legen den sogenannten „EqualVoice-Faktor“, den sie erreichen wollen, selbst fest. Die Blick-Gruppe ist etwa mit einem Anteil von 25 Prozent an Frauen in der Berichterstattung gestartet. „Wir wollen bis Ende Juni 35 Prozent erzielen, aktuell liegen wir bei 32“, so Bassler.

Weitere Zahlen werden im Spätsommer veröffentlicht, dann müssen die Redaktionen auch bereits ihre nächsten Ziele für Dezember festlegen. Die aktuellen Werte können die Ringier-Journalisten auch selbst jederzeit abrufen. „Aber es geht nicht nur um mathematisch messbare Ziele, sondern auch um qualitative Maßnahmen“, erklärt Bassler und verweist etwa auf das Erstellen einer Expertinnenliste, auf die Journalisten für Interviews zurückgreifen können.

Schwierige Bildersuche

Bei Bildern stoße die Künstliche Intelligenz mitunter an ihre Grenzen: „Nicht immer, wenn eine Frau dargestellt wird, ist das auch automatisch im Sinne von ,EqualVoice‘. Dort brauchen wir dann die Journalistinnen und Journalisten und die Diskussionen in den Redaktionssitzungen.“

Gerade in Wirtschaftsressorts sind fehlende Sujets von Frauen ein Thema. Um das zu ändern, will man bei Ringier demnächst in einer Foto-Challenge selbst passendes Bildmaterial produzieren.

Ein ähnliches Projekt wie „EqualVoice“ hat die britische BBC unter dem Titel „50:50“ gestartet. Damit will man erreichen, dass Frauen und Männer zu gleichen Teilen in Beiträgen zu Wort kommen. „Das ist ein anderer Ansatz. Uns ist es wichtig, dass zumindest die Realität, die wir haben, abgebildet ist, dass man etwa sieht, wie viele Frauen in der Geschäftsleitung sind“, sagt Bassler.

Wie viel die Software kostet, die Ringier verwendet, will die Finanzchefin nicht verraten. Es werde aber derzeit überlegt, das Programm an andere Medienhäuser weiterzuverkaufen. „Wir sind schon angefragt worden und prüfen das aktuell mit unserem Data-Team.“

 

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