Medien-Aktion: Romy Schneider will österreichischen Film abschaffen

Romy Schneider Fotoausstellung
Produzenten-Verbände starteten provokante Inseraten-Aktion, um auf Probleme der Filmbranche hinzuweisen.

Es sind gewichtige Namen der Filmgeschichte und sie fordern heute posthum Ungeheuerliches: die Abschaffung des österreichischen Films. Im KURIER tut das Film-Star Romy Schneider (siehe unten), in anderen Medien sind es Publikumsliebling Hans Moser oder Hollywood-Legende Billy Wilder. Adressat ist da wie dort Bundeskanzler Karl Nehammer. Der Grund: „Das heimische Filmförderungssystem ist obsolet, nicht mehr handlungsfähig und zögert das Unvermeidliche lediglich hinaus: Das schrittweise Aussterben des qualitativen österreichischen Film- und Fernsehschaffens“, heißt es in dem provokanten Text.

Die heimischen Produzentenverbände aafp und Film Austria, die heute zum mehrfach verschobenen „Produzent*innentag“ in Wien bitten, wollen mit der Inseraten-Aktion auf die problembehaftete Situation der Filmbranche hinweisen, mit der Forderung: „Es gibt da aber so etwas, das sich ,Filminvestitionsprämie´ nennt. Und viele erfolgreiche ROMY-Preisträgerinnen und Preisträger setzen sich seit langer Zeit stark dafür ein. Ich bin mir sicher, diese werden Ihnen gerne mehr darüber erzählen“, meint Schutzpatronin „Romy“ in dem Inserat weiter.

Medien-Aktion: Romy Schneider will österreichischen Film abschaffen

Auch wenn diese Zeilen fiktiv sind, die damit verbundenen Probleme sind es nicht. Auch der KURIER berichtete zuletzt immer wieder über die Forderungen nach Steuererleichterungen internationalen Zuschnitts (hier „Filminvestitionsprämie“), um im immer härteren Wettbewerb in Zeiten eines Streamingbooms zu bestehen. Vergangene Woche war dies bei der Pressekonferenz für den Österreichischen Filmpreis spürbar. Dort nahm die Politik Bezug auf die drängenden Probleme, die da lauten: Der von Produzentenseite als überlebensnotwendig erachtete Corona-Ausfallsfonds läuft Ende Juni aus; der wesentliche Förder-Baustein FISA hat für dieses Jahr seit Ende März kein Geld mehr; heimische Produktionen wandern zum Teil ins benachbarte Ausland ab, weil sie dort ein günstigeres Steuersystem vorfinden.

Finanzministerium gefragt

Teile dieser Themen (etwa FISA) betreffen das Wirtschaftsministerium, hier wanderte die Zuständigkeit durch die Regierungsumbildung gerade erst zu Martin Kocher. Viele Fäden laufen aber beim Finanzministerium zusammen. Aus diesem hieß es zuletzt zum Thema Steueranreize auf KURIER-Anfrage lediglich: „Derzeit werden verschiedene Modelle fachlich geprüft und es finden auf unterschiedlichen Ebenen Gespräche statt.“

Was man von der Politik tatsächlich noch erwarten kann, wird man beim „Produzent*innentag“ vielleicht von Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) und Kulturstaatsekretärin Andrea Mayer (Grüne) hören können. Betafilm-Chef Jan Mojto spricht darüber, wie Österreich als Filmstandort weiterhin mitspielen kann. Die Zukunft der audiovisuellen Industrie skizziert Gerhard Zeiler, Ex-ORF-Chef und neuerdings President International beim neuen US-Branchenriesen Warner Bros. Discovery.

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