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Kultur Medien
12/06/2021

Maria Furtwängler: "Verhärtete Fronten machen mir Kopfzerbrechen"

"Tatort"-Star Maria Furtwängler ist in der ersten Folge der neuen Nina-Proll-Serie "Aus die Maus" zu Gast. Ein Gespräch über ihre komödiantische Seite und das Thema Impfen in der Coronakrise.

von Sandra Keplinger

Nina Proll spielt in ihrer neuen Dramedy-Serie „Aus die Maus“ die Schauspielerin Bianca M. Patzelsberger, die nach ihrem Rausschmiss aus einer Soap namens „Klinik am See“ auf Tierbestattung umsattelt. In jeder von acht Folgen (jeweils dienstags um 21.05 auf ServusTV) besucht sie einen oder eine Kundin, deren Haustier verblichen ist. Der Aggregatzustand der lieben Tierchen ist nur ein Grund, warum die trauernden Herrchen und Frauchen und deren Probleme mit einer guten Portion schwarzem Humor im Zentrum stehen.

„Tatort“-Star Maria Furtwängler zögerte nicht lange, für die Gastrolle zuzusagen. Im KURIER-Interview sagt sie: „Diese Susi steht ja kurz vor der Einweisung. Ich bekomme solche überdrehten Rollen selten angeboten.“

KURIER: In „Aus die Maus“ geht es um eine Frau in der Lebenskrise. Sie wechselt das Metier, wird zur Therapeutin wider Willen. Es gibt kammerspielartige Episoden und es geht jedes Mal um eine andere Person. Es kommen viele Gaststars vor. Das kommt einem nach Ihrer Serie „Ausgebremst" bekannt vor.

Maria Furtwängler: Das stimmt, es ist im Kern nicht so weit weg. Nina Proll hat als als Bianca quasi einen therapeutischen Auftrag. Das liegt wahrscheinlich im Trend bei Drehbüchern: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Frauen in der Krise. (lacht) Wobei Ninas Figur das im Grunde souverän meistert, während meine Figur in „Ausgebremst“ ja doch ganz schön durchgedreht war.

Das stimmt. Sie hat das relativ bald im Griff.

Meine Figur in "Aus die Maus", diese Susi, steht hingegen ja quasi kurz vor der Einweisung. Ich bekomme solche überdrehten Rollen selten angeboten. Deshalb hatte ich  auch  zusammen mit der Autorin Annette Hess diese Figur in „Ausgebremst“ entwickelt. Wenn man eher aus dem ernsten Fach kommt wie ich, eben mit Lindholm im "Tatort" oder mit historischen Filmen, die eine gewisse Schwere haben, dann macht es einfach unglaublich Spaß, auch einmal diese durchgeknatterte Seite lebendig werden zu lassen. Da war das Angebot von Uli Brée, mit diesem Stoff und dieser Rolle, natürlich super verlockend.

Sie haben ja auch für den neuen „Tatort“ mit Uli Brée zusammengearbeitet. Hat er Ihnen diese Gastrolle auf den Leib geschrieben?

Er hat mich sehr früh gefragt, ob ich Lust hätte, das zu spielen und dass er auch eine Idee für mich hätte. Es kann schon sein, dass er mich von Anfang an dafür im Kopf hatte.

Haben Sie sich auch über „Ausgebremst“ ausgetauscht? Es gibt doch ein paar Parallelen …

Wir haben uns schon früh ausgetauscht. Er kannte das Projekt auch schon in der Entwicklungsphase. Ich hätte ihn sehr gerne auch als einen der Autoren gewonnen. Aber Uli ist es, glaube ich, gewohnt selber sein Ding durchzuziehen. Er ist einfach ein großer Könner der keinen Writer`s Room braucht!

Ich nehme an, „Aus die Maus“ ist ziemlich durchgeschrieben, aber war da auch Platz für Improvisation beim Spielen? Wie waren diese Drehtage für Sie?

Es hat großen Spaß gemacht, diese sehr spezielle Frau zu spielen. Es ist ja immer ein schmaler Grat, ab wann man chargiert oder übertreibt. Wo ist man verbunden mit einem wahren Kern und mit einer echten Not dieser Figur, einer echten Verzweiflung? Eben ins Extreme zu gehen und trotzdem diesen Kern zu erhalten, darum geht es. Aber die Texte von Uli sind so gut geschrieben, dass ich mich sehr wohl damit gefühlt habe. Und er hat gar kein Problem damit, dass man auch mal sagt: Ach, weißt du was, den Satz lass ich weg. Er ist wunderbar uneitel als Autor und vertraut auf den Instinkt seiner Schauspielerinnen.

Sehen Sie in solchen kammerspielartigen Sachen mit geringen Produktionskosten und einem kleinen Team auch allgemein ein Format mit Zukunft?

Ich glaube, dass, durchaus durch die Coronakrise ausgelöst, vielfältigere Formate entstanden sind. Das Spektrum wird breiter. Es ist möglich, mit weniger Aufwand und weniger Geld sehr gute Unterhaltung herzustellen. Und wenn man international und optisch mithalten will, dann muss man am anderen Ende der Skala eben bisweilen noch aufwändiger werden, als wir es bisher sind.

Wie war es mit Nina Proll zusammenzuarbeiten? Es gab hier eine Zweier-Konstellation. Wie bereitet man das vor, spielt man sich aufeinander ein? Oder geht das gleich auf die Zwölf?

Es gab vorab eine Leseprobe, bei der man natürlich neugierig ist: Was macht die Kollegin und wie macht sie das? Und wo man sich aufeinander einstellen kann. Dann ist man beim Drehen darauf angewiesen, dass die Regie, in diesem Fall Uli, sagt: Mach ein bissl mehr, ein bisschen weniger. Schauspielen ist immer Interkation. Nina unterspielt eher. Da musste ich dann mit meiner Figur umso dringlicher versuchen, ihr meine Verzweiflung nahe zu bringen. Und das wird dann sozusagen zur Not meiner Figur.

Ihre Figur ist in einer gewissen Realitätsverweigerung gefangen auch von einem Mann sehr abhängig. Sie sind ja als sehr eigenständige Frau bekannt. Wie ging es Ihnen mit dieser Rolle?

Ich überlege mir grundsätzlich, ob ich,  neben dem Spaß an einem Dreh, auch mit der Aussage eines Films leben kann. Und Meine Susi ist definitiv keine emanzipierte Frau, die zudem auch noch vollkommen zusammenbricht, als ihr Mann sie wegen eines anderen Mannes verlässt. Also eher ein stereotypes Frauenbild, wenn auch bei Uli herrlich überhöht. Am Ende hat mich aber gerade ein Gefühl von Solidarität mit diesen Frauen, denen ja am Ende vorgeworfen wird, dass sie trotz Trennung weiter Unterhalt von ihren Männern fordern, motiviert. Denn es war den Herren ja lange recht, dass sie der Mittelpunkt im Leben ihrer Frauen waren. Sie wollten ja genau das, eine Frau die sich ganz und gar auf sie konzentriert, die ganz von ihnen abhängig ist, die nur darauf wartet, dass ihr Schnurzipurzi nach Hause kommt Und irgendwann tauschen sie sie dann für das gleiche Modell in jünger aus und wundern sich, dass die Ex so unselbstständig ist und sich den Lebensunterhalt nicht selbst verdient. Sie fanden die unselbstständige Frau ja lange ganz toll und jetzt? Das finde ich extrem selbstgerecht.  

Frage: Wenn Sie hier Ihre komödiantische Seite zeigen, sind das dann nur künstlerische Seitensprünge oder arbeiten Sie auch an einer größeren Comedy-Serie mit Maria Furtwängler?

Ich würde liebend gerne, aber ich muss da mehr Beharrlichkeit entwickeln, ich höre immer noch zu oft: 'Ach, ich wusste gar nicht, dass du auch komisch sein kannst.'...

Lockdown-Angst und Impfthematik

Ich habe gerade gehört, dass in Deutschland eine gewisse Lockdown-Angst herrscht, dass jetzt so viel wie möglich gedreht werden soll. Wie beobachten Sie das?

Es geht natürlich nicht, dass man innerhalb von vier Wochen sagt: Aha, jetzt drehen wir noch schnell. Die Gefahr eines erneuten Lockdowns besteht ja erst seit wenigen Wochen. Also so schnell können Produktionen nicht reagieren. Aber die Lockdown-Angst ist da und die Impfpflicht ist ja jetzt in Österreich durchgesetzt. Ich bin gespannt, was in Deutschland passiert.

Offenbar bleibt uns die Pandemie noch länger erhalten. In Österreich gab es die Diskussion um eine ungeimpfte Schauspielerin, die nicht mehr weiterbeschäftigt wurde und aus einer Serie rausgeschrieben wurde. Wie sehen Sie als Produzentin diese Thematik im Sinne der Produktionssicherheit?

Wenn ein Team über Wochen jeden Tag zusammen ist, ist das ist ein großes Risiko. Da sind sie als Arbeitgeber verpflichtet für die größtmögliche Produktionssicherheit zu sorgen.

Nina Proll geht mit dem Thema sehr offen um. Sie ist genesen, aber man weiß auch nicht, wie es weitergeht mit den Antikörpern. Es gibt neben ihr aber noch einige andere Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich immer wieder zu Wort melden und das Impfen zum Teil in infrage stellen. Wie stehen Sie dazu?

Ich frage mich generell, warum so viele Menschen das Vertrauen in Institutionen und auch in die Wissenschaft verloren haben, dass sie es große Desinformationskampagnen für möglich halten, und dass das alles irgendwie ein großer Lug und Trug ist. Ich weiß, dass nicht alle, die sich nicht impfen lassen wollen, Verschwörungstheoretiker sind. Aber wie sehr die Fronten sich verhärtet haben, das macht mir echt Kopfzerbrechen. Jetzt gilt es, Gespräch und Vertrauen wieder möglich zu machen.

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