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Literatur
10/17/2021

Autor Uli Brée über seinen neuen Roman: "Würde ich selber gern lesen"

Ein Gespräch mit dem "Vorstadtweiber"-Autor über schöne Sätze, innere Düsternis und Corona-Diskussionen mit Nina Proll.

von Georg Leyrer

Man kennt sie aus den „Vorstadtweibern“: Tabata Goldstaub, gespielt von Ruth Brauer-Kvam, ist in der TV-Serie (finale Folgen im Frühling im Fernsehen) fiesen Machenschaften auf der Spur.

So aber kennt man sie nicht: „Vorstadtweiber“-Drehbuchautor Uli Brée hat Tabata Goldstaub einen Roman gewidmet. Und wer schon die „Vorstadtweiber“ arg findet, muss sich hier anschnallen (und vielleicht die inneren Augen zuhalten).

Denn in „Du wirst mich töten“ (Amalthea) wird Tabata immer tiefer in eine Obsessionsgeschichte verwickelt, in der sich Mord, Manie und menschliche Macken zu einem zunehmend giftigen Gebräu zusammenmischen. Der Bodycount ist hoch; aber die Toten und auch die Ermittlungen bleiben angesichts der inneren Abgründe nur Nebendarsteller.

Tabata Goldstaub kommt in den „Vorstadtweibern“ „nicht so zur Geltung, wie ich es möchte“, sagt Brée im KURIER-Interview. Die innere Düsternis, die „ich in ihr gesehen habe, hat dort keinen Platz“. Und so „habe ich mir den Roman geschrieben, den ich selber gerne lesen würde“, sagt Brée.

Dessen erster Toter hängt kopfüber und ausgeblutet in der Wiener Unterwelt.

KURIER: Ganz schön brutal.

Uli Brée: Mir hat einmal eine Bäuerin erklärt, wie sie die Gänse schlachtet. Sie stechen hinten in den Kopf hinein und lassen sie ausbluten. Und sie hat den Begriff verwendet: „Ins Leben stechen.“ Dieser Begriff hat mich so fasziniert, dass ich auf das hinauf eine Figur entwickelt habe. Und dann haben Tabata Goldstaub und diese Figur zusammengefunden.

Und dann passiert allerlei wirklich Arges, Grenzüberschreitendes. Hatten Sie als Autor mal das Gefühl, da biege ich lieber vorher ab?

Eines der Opfer wird mit der Asche seiner Mutter erstickt. Aber erzählt habe ich das wie Schwanensee! Es kommt gar nicht vor, wie das getan wird. Das entsteht nur in den Köpfen der Leser.

Würde es Sie als Romanautor grämen, wenn ich sage, dass man sich sehr gut die filmische Umsetzung vorstellen kann?

Das kann ich nicht ablegen. Filmisch heißt ja nur, dass es im Kopf visualisiert ist. Was soll mir Schlechteres passieren?

Sie sagten, Sie schrieben sich den Roman für sich selbst als Leser. Warum ist das nötig?

Entweder begeistert mich die Sprache eines Romans, aber er nimmt mich nicht mit auf die Reise. Und ich habe dann irgendwann einen Zuckerschock vor lauter schönen Sätzen. Oder ich lese einen guten Plot, der aber sprachlich so einfach ist, dass ich ihn auch wieder weglege.

Sie schreiben ja viele erfolgreiche Drehbücher. Was ist bei einem Roman anders, was war die Motivation?

Die Lust am Schreiben. Wenn ich in Interviews von Autoren lese, dass sie sich seit Jahrzehnten in einem quälenden Schreibprozess befinden, dann denk ich mir immer: Alter, dann mach was anderes. Ich finde Schreiben grundsätzlich bereichernd: Vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen ist für mich das Paradies. Und ich konnte ausleben, was ich beim Drehbuchschreiben nicht kann.

Nämlich?

So zu formulieren. Das ist die Sprache, die ich liebe; ich lasse mir da wirklich viel Zeit, damit das entsteht. Wenn ich bei einem Drehbuch solche Regieanweisungen schreibe ...

Dann wäre das wahrscheinlich ein interessanter Dreh!

Ich gehe da ohnehin schon weiter als andere. Ich kann mich an eine deutsche Regisseurin erinnern, die sagte: So schreibt man keine Regieanweisung, das muss man alles neu schreiben!

Apropos: Sie haben nun bei der Serie „Aus die Maus“ für Servus TV erstmals selbst Regie geführt. Wie war das?

Wir hatten eigentlich eine total gute Zeit. Ich wollte eine Arbeitsatmosphäre, die auf Respekt und Wertschätzung beruht. Wir waren ein Uhrwerk mit 50 Zahnrädern, manche sind größer, manche kleiner, aber die Uhr tickt nur, wenn das kleinste Zahnrad sich auch dreht.

Eines dieser Zahnräder war Nina Proll, die sich ja mit Corona-Kritik sehr exponiert. Wie war das beim Dreh?

Wir mussten, um dem Corona-Ausfallsfonds gerecht zu werden, Auflagen erfüllen. Wir hatten 32 Drehtage und wurden 32-mal in der Früh getestet, obwohl 99 Prozent des Teams geimpft sind. Wir hatten einen Allergiker und die Nina gehabt, die nicht geimpft sind. Es war das alles problemlos, wir hatten keinen Fall.

Und keine Diskussionen?

Nina wird in dieser Radikalität fragmentarisch in den Medien dargestellt. Wenn man mit ihr redet, hat sie durchaus Argumente, die nachvollziehbar sind. Und sie lässt meine Argumente, der doppelt geimpft ist und Impfen für richtig hält, genauso gelten. In der Realität ist das alles bei Weitem nicht so plakativ, wie es rüberkommt.

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