Sie wollen in einem neuen Netflix-Film den Song Contest nach Island holen: Will Ferrell und Rachel McAdams als Lars und Sigrit

© Elizabeth Viggiano/NETFLIX

Kritik
06/26/2020

"Eurovision Song Contest" als Netflix-Film: Herrlich schräges Trostpflaster

Will Ferrell und Rachel McAdams spielen die isländische ESC-Befürchtung Fire Saga.

von Nina Oberbucher

Ersatz-Shows für den abgesagten ESC gab es heuer schon zuhauf. Jetzt bietet Netflix noch ein Trostpflaster für Fans des alljährlichen Wettsingens: Ab heute (Freitag) ist beim Streamingdienst die Komödie „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ zu sehen. Ursprünglich hätte der Film parallel zum ESC veröffentlicht werden sollen, wurde aber coronabedingt verschoben.

Will Ferrell, u. a. durch Filme wie „Die Eisprinzen“ erprobt in Sachen schräge Kostüme, und Rachel McAdams („Wie ein einziger Tag“, „True Detective“ ) schlüpfen in die Rollen der zwei Isländer Lars und Sigrit. Seit ihrer Kindheit ist es ihr größter Traum, eines Tages die Heimat beim ESC zu vertreten. Blöd nur, dass niemand an ihr Talent glaubt – am wenigsten Lars’ Vater (Pierce Brosnan).

Finanzielles Desaster

Als sie es mit ihrer Band Fire Saga durch eine Verkettung von Zufällen und anderen Umständen ins Halbfinale nach Edinburgh schaffen, staunen Lars und Sigrit nicht schlecht. Doch da beginnen die Probleme erst. Der schmierige russische Teilnehmer Alexander (Dan Stevens) hat ein Auge auf Sigrit geworfen. Die wiederum ist zutiefst getroffen, dass Lars ihre Gefühle nicht erwidert. Dass er ständig Änderungen am Song und an ihren Outfits vornimmt, stößt ihr ebenfalls sauer auf.

Dem berechnenden Bankenchef Viktor (viel zu kurzer Auftritt: Mikael Persbrandt, Gunvald aus der Reihe "Kommissar Beck") kommen diese Streitereien sehr gelegen – denn er will um jeden Preis verhindern, dass Island den Wettbewerb gewinnt und im Folgejahr selbst austragen muss: Laut Viktor wäre das ein finanzielles Desaster.

Ohrwurmgefahr

Dass ein US-Comedian hier ein europäisches Original angreift, hätte unter Umständen schiefgehen können. Aber Ferrell – durch seine aus Schweden stammende Frau selbst zum ESC-Fan geworden – und Drehbuchautor Andrew Steele haben den Spirit und die Ästhetik des Wettbewerbs ziemlich gut getroffen (skurrile Glitzeroutfits und Songzeilen wie „I’m a lion lover and I hunt for love“ inklusive).

Daneben wird auch mit Island-Klischees gespielt: Lars und Sigrit werden etwa ständig gefragt, ob sie Geschwister sind (die Antwort: "Vermutlich nicht!"). Und auch Elfen haben in dem Film einen kleinen, aber wichtigen Auftritt.

"Eurovision Song Contest" ist – vor allem, wenn man Ferrells Humor kennt – vorhersehbar, aber herrlich bescheuert. Und es besteht definitiv Ohrwurmgefahr. ESC-Liebhaber könnten übrigens auch das ein oder andere bekannte Gesicht entdecken.

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