Forest (Nick Offerman) und Lily (Sonoya Mizuno) in der Science-Fiction-Serie „Devs“, zu sehen bei Fox via Sky

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Kritik
08/21/2020

Sci-Fi-Serie "Devs": Philosophiestunde im Computerraum

Gibt es einen freien Willen? Damit beschäftigt sich die beeindruckende Serie von Alex Garland (zu sehen bei Sky).

von Nina Oberbucher

Es hat ein bisschen was von einem Kirchenbesuch, jedes Mal, wenn der wichtigste Schauplatz von „Devs“ gezeigt wird: Man sieht Gold und erhabene Gesichter, hört sakrale Musik und einen Chor. Dabei handelt es sich eigentlich bloß um einen Computerraum.

„Devs“, seit dieser Woche bei Sky zu sehen, beginnt mit der Geschichte eines jungen Pärchens, Lily (Sonoya Mizuno) und Sergei (Karl Glusman). Beide arbeiten für Amaya, ein angesehenes Tech-Unternehmen im Silicon Valley, mit einem hippen Firmensitz mitten im Wald. Als Sergei befördert wird, ist die Aufregung groß: Er soll in der mysteriösen Abteilung Devs anfangen – im goldenen Computerraum.

Was genau dieses Devs sein soll, wissen nur jene wenigen Auserwählten, die dort arbeiten. Aber es muss wichtig sein, so viel ist klar. Und wohl auch gefährlich: Denn nach seinem ersten Arbeitstag dort kommt Sergei nicht nach Hause. Und Lily ist sich sicher, dass ihm etwas zugestoßen ist.

Alles wird berechnet

„Devs“ ist die erste Serie von Alex Garland. Von ihm stammen die Filme „Ex Machina“ (2015) und „Auslöschung“ (2018), er hat auch die Drehbücher für „28 Days Later“ (2002) und „Sunshine“ (2007) geschrieben. In diese Reihe passt auch sein Serienprojekt: Erneut geht es um Moral und Technologie. Auch wer mit Quantencomputern und Determinismus nicht viel anfangen kann, versteht bald, was es mit Devs auf sich hat: Hier wird alles berechnet. Auch die Vergangenheit. Und die Zukunft. Doch wenn sich alles berechnen lässt, hat man dann eigentlich noch einen freien Willen? Oder ist unser Handeln vorherbestimmt?

Beaufsichtigt wird das unheimliche Rechenprojekt von Firmenchef Forest (Nick Offerman), einem exzentrischen Typ im Holzfällerhemd, der Salatblätter mit bloßen Fingern aus einer Box jausnet und den man auf den ersten Blick vermutlich nicht unbedingt in der IT-Branche verorten würde.

Lily traut ihm nicht recht über den Weg. Sie vermutet, dass ihr Chef etwas mit dem Verschwinden von Sergei zu tun hat und stellt Nachforschungen an, die sie in gehörige Schwierigkeiten bringen. „Devs“ macht Ausflüge in Thriller-Gefilde, beschäftigt sich aber hauptsächlich mit philosophischen Fragen.

Protagonistin Lily wirkt dabei nicht immer überzeugend, und auch wenn sie als kämpferisch dargestellt werden soll, kommt sie oft eher lethargisch und leichtgläubig rüber. Auch die Dialoge klingen stellenweise weniger wie Gespräche, sondern mehr wie Erklärtexte für die Zuschauer.

Vogelperspektive

Manche US-Kritiker hätten „Devs“ lieber als Film denn als Serie gesehen. Und tatsächlich sind die acht rund einstündigen Folgen langsam erzählt – das wird aber mit wunderschönen Aufnahmen wieder wettgemacht (für die es auch eine Emmy-Nominierung gab). Man sieht das Straßennetz von San Francisco aus der Vogelperspektive, fährt mit der Kamera durch Wälder und Wiesen – und natürlich ist da noch Devs, der goldene Tech-Tempel.

Trotz gewisser Schwächen schafft es „Devs“ zu fesseln. Garland ist eine beeindruckende Serie rund um spannende Fragen gelungen, über die man länger nachdenkt. Ob aus freiem Willen oder nicht.

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