Oliver Kienle, Autor von "Bad Banks", hat mit "Isi & Ossi" eine Komödie für Netflix gemacht

© Natalie Schaaf

Interview
02/13/2020

"Bad Banks"-Autor: "In Deutschland darf man mit Besitz nicht prahlen"

Die Komödie "Isi & Ossi" ist ab 14. Februar auf Netflix zu sehen. Autor und Regisseur Oliver Kienle ("Bad Banks") im KURIER-Interview.

von Nina Oberbucher

Mit seiner preisgekrönten Serie „Bad Banks“ mit Paula Beer und Désirée Nosbusch (Staffel 2 war eben bei ZDF und Arte zu sehen) lieferte Oliver Kienle als Drehbuchautor einen packenden Finanz-Thriller. Einen Ausflug in ein gänzlich anderes Genre unternimmt der 38-Jährige mit seinem neuen Film „Isi & Ossi“, der ab Freitag (pünktlich zum Valentinstag am 14. Februar) bei Netflix zu sehen ist.

"Isi & Ossi" ist Coming-of-Age-Geschichte, Culture-Clash-Komödie und Liebesfilm zugleich. Die 20-jährige Isi (Lisa Vicari, "Dark"), die ein behütetes Leben bei ihren reichen Eltern in Heidelberg führt, trifft auf den 23-jährigen Ossi (Dennis Mojen, "Traumfabrik"), der in ärmlichen Verhältnissen in der Nachbarstadt Mannheim aufwächst. Die beiden werden so etwas wie ein Paar – allerdings aus höchst unterschiedlichen Gründen: Er will die Millionärstochter abzocken, sie versucht, ihre spießigen Eltern mit dem Neuen an ihrer Seite zu provozieren.

Im KURIER-Interview spricht Akademie-ROMY-Preisträger Oliver Kienle über die Arbeit an seinem Netflix-Film, den Mangel an Drehbuchautoren und Reichtum in Deutschland.

KURIER: Wie sind Sie denn auf die Idee für „Isi & Ossi“ gekommen?

Oliver Kienle: Ich wollte schon länger in Mannheim drehen, weil ich die Stadt sehr interessant finde. Über die Recherche an „Bad Banks“ bin ich auf Heidelberg gestoßen, weil ich mich viel mit Reichtum in Deutschland beschäftigt habe. Ich fand das total faszinierend, wie unterschiedlich diese beiden Nachbarstädte sind. Ich bin auch Fan von Culture-Clash-Komödien, da ich selbst aus zwei unterschiedlichen Milieus komme. So ist dann eine Geschichte entstanden, in der es um das Arm-Reich-Thema geht, aber auch um Chancengleichheit: Denn in welche Familie und welches soziale Umfeld du hineingeboren wirst, entscheidet quasi über deine Zukunft.

Welche Milieus sind das denn, aus denen Sie kommen?

Mein Vater war Akademiker und Geschäftsmann. In meiner Kindheit hatten wir ziemlich viel Geld und ich kann mich erinnern, dass mein Bruder und ich öfter Spielzeug versteckt haben, wenn Freunde zu Besuch kamen. Wir haben uns geschämt, dass wir so viel hatten, während unsere Kumpels eher aus dem Arbeitermilieu kamen. Die meisten meiner Freunde haben auch mit 14, 15 bereits angefangen zu arbeiten. Als ich Teenager war, ist mein Vater krank geworden und wir haben selbst viel Geld verloren, waren kurz vor dem Existenzminimum. So habe ich beides kennengelernt. Ich habe bis heute noch Kontakt mit meinen alten Freunden und halte es auch nicht zu lange im reinen Künstler-Akademiker-Umfeld von Berlin aus, sondern brauche zwischendurch die Erdung. Ich wollte mich nie für eine Welt entscheiden.

Oliver Kienle wurde 1982 in Bayern geboren und studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seine Filme wie „Bis aufs Blut“ und „Die Vierhändige“ wurden mehrfach ausgezeichnet, 2019 erhielt er die Akademie-ROMY für die Serie „Bad Banks“.

Zu sehen gibt es die erste Staffel von „Bad Banks“ bei Netflix, ab Freitag ist dort auch die Teenie-Komödie „Isi & Ossi“ verfügbar.

Wie sind Sie an diese unterschiedlichen Welten herangegangen, die im Film gezeigt werden? Mussten Sie da noch viel recherchieren?

Ich musste schon zusätzlich recherchieren, weil wir ja keine Millionäre waren. Durch „Bad Banks“ hatte ich bereits viel darüber erfahren, wie Reichtum in Deutschland funktioniert. Was ich sehr sympathisch finde, ist, dass es für die Reichen hier ein bisschen schwierig ist und man mit seinem Besitz nicht prahlen darf. In anderen Ländern wie den USA oder Russland ist es gesellschaftlich angesehen, reich zu sein, in Deutschland fühlt sich das irgendwie ordinär an. Das halte ich für ein gutes Zeichen, weil es bedeutet, dass die Gesellschaft spürt, dass es einen Grund hat, warum manche Leute so viel haben und dass es ohne die anderen Menschen gar nicht funktionieren würde, dass man so reich ist. Dieses Bewusstsein und diese Sensibilität gibt es.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit Netflix entstanden?

Wir hatten schon seit 1, 2 Jahren immer wieder Kontakt. Netflix hatte damals meinen Film „Die Vierhändige“ gesehen und wollte eine Serie mit mir machen. Da habe ich schon (mit dem ZDF) an „Bad Banks“ gearbeitet. Parallel dazu schrieb ich am Drehbuch zu „Isi & Ossi“, dass ich als klassische deutsche Kinokomödie machen wollte. Da die Finanzierung über die üblichen Wege schleppend voranging, wollte ich sehen, wie Netflix darauf reagiert. Ich habe ihnen also das Drehbuch geschickt und innerhalb von drei Tagen hatte ich die Zusage, eine Woche später war das Projekt finanziert.

Ist die Arbeit anders als mit den Öffentlich-Rechtlichen?

Ich muss sagen, dass ich sowohl mit „Bad Banks“ bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch mit „Isi & Ossi“ bei Netflix zwei sehr positive Erfahrungen hatte. Die Branche verändert sich und für mich als Filmemacher ist das natürlich toll. Bei „Bad Banks“ wurde ich wirklich ermutigt, das so zu machen, wie ich wollte. Ich glaube, es wäre bis vor ein paar Jahren im Öffentlich-Rechtlichen noch gar nicht denkbar gewesen, so einen Stoff zu machen. Aber das Erstarken der Streamingdienste und der Serienboom haben einiges ausgelöst. Und mit Netflix hatte ich auch eine sehr freie, sehr gute Zusammenarbeit, wo ich den Film so machen konnte, wie ich ihn mir vorgestellt habe, vor allem hinsichtlich Besetzung, Musik, Stil und Länge, was im Kino sicher schwieriger geworden wäre.

Bei „Isi & Ossi“ haben Sie auch Regie geführt. Bekommt man da mehr Anerkennung als wenn man nur das Drehbuch schreibt?

Ich bin ja eigentlich Regisseur und habe auch Regie studiert. „Isi & Ossi“ ist mein vierter Film, bei dem ich Regie geführt habe, und „Bad Banks“ meine erste Arbeit, bei der ich nur das Drehbuch gemacht habe. Deshalb sehe ich das entspannter. Wenn man nur Autor ist, muss man aber schon ein bisschen was aushalten. Ich habe letztens mitbekommen, wie wenig Leute sich an der Filmhochschule für ein Drehbuchstudium bewerben und das ist krass, wenn man dagegenhält, wie sehr Drehbuchautoren in Deutschland gebraucht werden, wie viel wichtiger sie für unsere Branche sind und auch, wie viel sie verdienen können. Es wird händeringend nach guten Autoren gesucht, aber keiner will den Job machen.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man sich noch immer einbildet, sich nur als Regisseur wirklich ausleben zu können und Ruhm und Geld zu bekommen – oder welchen Anreiz man auch immer hat. Auf der anderen Seite weiß jeder, wie viel anstrengender es ist, ein gutes Drehbuch zu schreiben, im Vergleich dazu, was für ein Traum es ist, als Regisseur ein gutes Drehbuch umzusetzen. Um ein gutes Drehbuch zu verbocken, muss man sich als Regisseur ganz schön Mühe geben. Ich finde es eine Katastrophe, dass die Leistung in den Medien genau gegenteilig honoriert wird. Natürlich muss man zwischen einer Serienproduktion und einem Kinofilm eines sehr eigenwilligen Regisseurs unterscheiden, aber insgesamt hat sich der Stellenwert des Autors extrem verändert. Dass man da in Deutschland noch total hinten nach ist, finde ich schade.

Vor kurzem ist Staffel 2 von „Bad Banks“ gestartet. War die Arbeit anders als bei der ersten Staffel?

Es war ehrlich gesagt noch anstrengender (lacht). Nach der ersten Staffel, die eher das klassische Investmentbanking beleuchtet hat, hatte ich das Bedürfnis, ein bisschen in die Zukunft zu blicken und die aktuellen Herausforderungen durch die Digitalisierung zu thematisieren. Das hat noch mehr Recherche eingefordert. Es nach einer sehr erfolgreichen ersten Staffel hinzubekommen, die Serie fortzusetzen, aber gleichzeitig weiterzuführen und neu zu erfinden, war schon ziemlich viel Arbeit. Es wollten auch mehrere, dass ich in der zweiten Staffel die Regie übernehme, aber ich hätte das als ungesund empfunden.

Wieso?

Es ist wahnsinnig viel Arbeit an den Büchern, die auch noch weit in den Dreh hineingeht. Ich wusste, es hätte nicht funktioniert, dass ich beides mache. Dann wäre ich weder hundertprozentig Autor noch hundertprozentig Regisseur gewesen. Bei der ersten Staffel waren wir fünf Wochen vor Dreh plötzlich eine Million über Budget. Da musste ich auf einmal 45 Szenen streichen und natürlich streichst du nicht einfach ganze Szenen, sondern du musst wieder alles komplett umschreiben.

Gibt es schon nächste Projekte?

Nein, mit dem Release der beiden Projekte parallel war jetzt unglaublich viel los. Ich will erst mal schauen, wie die zweite Staffel von „Bad Banks“ läuft und den Start von „Isi & Ossi“ “ hinter mich bringen, vielleicht mal zwei Wochen durchatmen und dann entscheiden, wie es weitergeht.

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