"ZiB2"-Anchor Armin Wolf.

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Kultur | Medien
04/29/2019

Armin Wolf erklärt, wie es zum "Stürmer"-Vergleich kam

Der "ZiB2"-Anchor schrieb einen langen Blogpost zu dem Thema und schließt: "Ich werde übrigens keine Auszeit nehmen."

"ZiB2"-Moderator Armin Wolf verteidigt einmal mehr seine Interviewführung beim Gespräch mit FPÖ-Generalsekretär und EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky. In einem längeren Blogpost beschreibt er, wie es zu dem "Stürmer"-Vergleich kam und was er an dem Interview eventuell anders gemacht hätte.

Keine Themenvorgabe

Zunächst einmal räumt Wolf mit der Behauptung auf, Vilimsky sei zu konkreten Themenstellungen wie der EU-Wahl eingeladen worden. "Spezielle Themen waren – wie bei allen Kandidat*innen – nicht vereinbart", betont Wolf. Sowohl Vilimsky als auch der blaue ORF-Stiftungsratsvorsitzende Norbert Steger hatten das behauptet.

Wie es zum Stürmer-Vergleich kam

Wie wurde das "Stürmer"-Sujet vorbereitet? Wolf verweist darauf, dass die Zeichnung am Interviewtag kursierte. "Damit die Zeichnung im Fernsehen besser erkennbar wird, hat unsere Grafik in der Vorbereitung die schwarz-weißen Fratzen auf dem Sujet hervorgehoben. Und wir haben eine Titelseite der NS-Zeitschrift "Stürmer" herausgesucht, die durch ihre rassistischen Darstellungen (damals von Juden) bis heute berüchtigt ist."

Einzelfälle thematisieren

Mit dem Sendungsverantwortlichen abgesprochen war Wolf zufolge folgende Idee: "Ich würde Harald Vilimsky mit der 'Karikatur' konfrontieren und ihn fragen, was er davon hält. Würde er sich davon distanzieren – wovon ich nach der Braunau-Debatte eigentlich ausging -, frage ich nach, warum in der FPÖ immer wieder solche 'Einzelfälle' passieren. Damit wäre das Thema erledigt. Sollte Vilimsky jedoch das RFJ-Sujet verteidigen, würden wir die 'Stürmer'-Seite dazublenden und ich ihn fragen, was die beiden Darstellungen seiner Meinung nach unterscheidet." Dazu kam es dann bekanntermaßen auch: Vilimsky schäumte und verlangte on air "Folgen" für die Frage.

Kein Antisemitismus-Vorwurf

Wenig überraschend ging es Wolf dabei nicht darum, der FPÖ bei dem RFJ-Sujet Antisemitismus anzudichten. "Kein Mensch würde annehmen, dass die FPÖ auf einem Plakat über „Asylantenströme“ Juden abbildet. Es ist ziemlich offensichtlich, dass damit muslimische Zuwanderer gemeint sind. Deshalb habe ich auch zu Herrn Vilimsky im Interview gesagt: „Ich sehe hier eine Darstellung von offenbar ausländisch gedachten Menschen, die sehr ähnlich aussieht wie die optische Darstellung im „Stürmer“ damals von Juden.“"

Es gehe darum, dass in der „Karikatur“ Menschen einer bestimmten ethnischen Herkunft pauschal als bösartige, hinterhältige, offensichtlich bedrohliche und stereotype Fratzen abgewertet würden: „Das Sujet ist in jedem Fall schwer rassistisch“. Wolf verweist an dieser Stelle an Experten, die im KURIER diese Einschätzung getroffen hatten.

Was würde Wolf anders machen?

Der "ZiB2"-Anchor ist nicht ohne Selbstkritik, wie er schreibt: "Würde ich im Nachhinein etwas anders machen? Ja, ich würde ganz am Ende die zweite Nachfrage nach Frau Kneissl nicht mehr stellen, der Erkenntnisgewinn war bescheiden. Vielleicht würde ich die Passage zu den Verkehrsmaßnahmen kürzen und mich dafür nach der geplanten Rechtsaußen-Fraktion erkundigen." Den "Stürmer"-Vergleich zieht er nicht zurück: "Die Frage, worin sich die rassistische RFJ-'Karikatur' von rassistischen Bildern im 'Stürmer' unterscheidet, würde ich jedenfalls wieder stellen. Eine konkrete Antwort darauf habe ich bis heute nicht gehört."

"Glasklare Judikatur"

Wolf rät der FPÖ übrigens, den Rechtsweg zu beschreiten: "Es gäbe übrigens eine sehr einfache – und korrekte – Reaktion, sollte die FPÖ tatsächlich der Meinung sein, ich hätte mit meiner Frage das ORF-Gesetz verletzt: Eine Beschwerde bei der dafür zuständigen Medienbehörde, der KommAustria." Diese sei aber weder eingebracht noch angekündigt worden. Aus gutem Grund, glaubt der Journalist: "Sie wäre chancenlos. Meine Frage war rechtlich einwandfrei, die Judikatur des Verfassungsgerichtshofs zu Live-Interviews im ORF ist seit Jahrzehnten glasklar."

Kein Sabbatical

Stiftungsratsvorsitzender Steger hatte ihm öffentlich zu einer Art Sabbatical geraten, um sich "neu zu erfinden". Wolf steigt darauf nicht ein: "Ich werde übrigens keine Auszeit nehmen", lautet der letzte Satz seines Blogposts.