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Corona
04/20/2020

Küss mich nicht, Kate: Kultur grübelt über Zukunft mit Corona-Einschränkungen

Wie es bei Bühnen, Kinos, Museen, Pop weitergehen kann.

von Michael Huber, Alexandra Seibel, Georg Leyrer

Es war ein intensives Wochenende für viele Kulturschaffende. Nicht (nur) wegen der Onlineaktivitäten, mit denen sich viele Künstler derzeit an ihre Fans wenden.

Sondern auch wegen der Möglichkeiten und Einschränkungen, die die Regierung im Bereich Kultur am Freitag bekannt gegeben hat. Wie mit Probenbeschränkungen (keine Liebesszenen), den Anforderungen des Festspielsommers (kein Gedränge beim Einlass) oder auch mit den für viele zu erwartenden Einnahmeeinbußen umgegangen werden kann, darüber herrschen in der Branche durchaus geteilte Meinungen.

Kann angesichts der Einschränkungen sinnvoll (finanziell, künstlerisch) aufgesperrt werden? Oder lieber gar nicht aufmachen? Und was passiert dann – mit Mitarbeitern, mit dem kulturellen Auftrag? Wie lange kann man als Künstler oder Veranstalter durchhalten? Und inwieweit wird sich im September die Situation geändert haben können, sodass mit großflächigen Erleichterungen zu rechnen sein kann?

Es gab, natürlich, auch Witze (mit bitterem Beigeschmack). Alle Häuser zeigen ab Herbst „Der Kontrabass“ (ein Ein-Personen-Erfolgsstück), witzelte man online.

Oder: Man könnte ja Werke aktuell umtiteln. „Küss mich nicht, Kate“ statt „Kiss me Kate“, etwa.

„Unrealistisch“

Und es gab Kritik an den Aussagen der Politik. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger bezeichnete die avisierten Regelungen für Veranstalter (u. a. 20 Quadratmeter Platz pro Besucher) als „unrealistisch“. „Das ist ja alles absurd und künstlerisch weltfremd“, sagte Föttinger in „Wien heute“. Auch der Kinoverband richtete Staatssekretärin Ulrike Lunacek aus, dass ihre Aussagen bezüglich der Sommeröffnung der Kinos „völlig absurd“ seien.

„Vernünftig“

Aber Einigkeit herrscht hier keine. „Es war absolut überflüssig, gleich so über Lunacek herzufallen“, sagte etwa der Chef des Österreichischen Filminstituts, Roland Teichmann, zum KURIER. „Sie hat für den Moment, in dem wir uns befinden, einen vernünftigen Vorschlag gemacht.“

Kinos stehen vor dem Dilemma, die starke Sommer-Saison zu verlieren – weil die internationalen Blockbuster nicht anlaufen. Das könnte zwar „theoretisch eine Lücke für den österreichischen Film sein“, sagt Teichmann. „Aber wir haben als kleines Filmproduktionsland bei Weitem nicht so viele Filme, die fertiggestellt und bereit fürs Kino wären. Und selbst wenn: Wer will mit Schutzmaske und im Abstand von zumindest einem Meter im Sommer indoor im Kino sitzen?“

„Dilemma“

Die Ansage, dass Museen schon ab Mitte Mai wieder öffnen könnten, löste vielerorts Überraschung aus – man ging von der Wiederaufnahme des Betriebs mit 1. Juli aus. Die Bundesmuseen halten daran weiter fest. „Dass der Bund sagt: Aufsperren ist möglich, aber meine eigenen Museen sperre ich nicht auf, ist ein Widerspruch in sich“, sagt Wolfgang Muchitsch, Direktor des Universalmuseums Joanneum Graz und Präsident des Österreichischen Museumsbunds, der ca. 700 Museen jeder Größe vertritt.

Der Hintergrund ist wirtschaftlicher Natur: Die Kurzarbeit, für die viele Mitarbeiter bis Ende Juni angemeldet sind, helfe, einen Teil des Einnahmenentgangs zu kompensieren. „Es ist ein Dilemma, vor dem gerade die Großen stehen“, sagt Muchitsch, der mit der Joanneums-Öffnung mit Ausnahme von Parkanlagen ebenso bis Juli wartet: „Man will Arbeitsplätze absichern, aber auch Signale setzen und sagen, wir sind als kulturelle Nahversorger wieder da.“ Kleine Museen könnten Nahversorger sein – allerdings können viele der oft ehrenamtlich betriebenen Häuser die Hygiene-Auflagen nicht ohne Weiteres stemmen.

Für Bettina Leidl, Präsidentin wird des Museumsverbands ICOM in Österreich, wird durch die Krise offensichtlich, dass die Aufgaben von Museen nicht nur aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus argumentiert werden dürfen. Die Häuser seien auch „Werteproduzenten“ mit zentraler Bedeutung für Demokratie und Gesellschaft.

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