Ein stets lässiger Typ: Der französische Leinwandstar Jean-Paul Belmondo  während des Filmfestivals  in  Cannes im Mai 1974.

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Nachruf
09/06/2021

Jean-Paul Belmondo: Charmanter Draufgänger mit breitem Grinsen

Belmondo hat das französische Kino für Jahrzehnte geprägt. Am Montag ist er mit 88 Jahren in Paris gestorben.

von Werner Rosenberger

Herzensbrecher, Draufgänger, Rebell: Damit begann Belmondos Filmkarriere. 1959 gab Jean-Luc Godard dem damals 26-Jährigen die Hauptrolle in „Außer Atem“. Der Film ist ein Klassiker der Nouvelle Vague, und Belmondo wurde auf einen Schlag zum Leinwandstar.

Der Film erzählt, wie der Autodieb Michel einen Polizisten erschießt, nach Paris flieht und sich mit einer Studentin (Jean Seberg) einlässt, die ihn an die Polizei verrät. Belmondo spielt diesen Michel als modernen Antihelden, illusionslos und zynisch.

„Oje, Godard“, so Belmondo später im Interview. „Erst hat er mich nur genervt. Redete so langsam. Dazu diese dunkle Brille, die hätte ich am liebsten weggeworfen. Aber kaum begann der Dreh, fühlte ich mich frei.“

Frauenfreund

Ob Claudia Cardinale, Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot oder Jeanne Moreau: Im Film bezauberte, umarmte und küsste er die schönsten Frauen. Doch ein sieben Jahre langes, intensives Verhältnis im wahren Leben habe er nur mit Ursula Andress, dem ersten Bond-Girl, gehabt, die er bei Dreharbeiten zu „Die tollen Abenteuer des Monsieur L.“ (1965) von Philippe de Broca kennengelernt hatte.

Kaum ein Schauspieler ist in seinen Filmen so viel gerannt wie Belmondo, dem nichts so zuwider war wie der Stillstand. Als lässiger Typ mit einem gaunerhaften Lächeln auf den Lippen wurde er zum Markenzeichen und spielte sich in die Liga der beliebtesten Darsteller.

Regisseure wie Jean-Pierre Melville, François Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet rissen sich um den jugendlichen, unerschrockenen Typ in engen Jeans und knapper Jacke mit hochgestelltem Kragen. Immer gut für einen trockenen Spruch. Neben dem klassisch schönen Alain Delon profilierte sich „Bébel“, wie er liebevoll genannt wird, zu einem der wandlungsfähigsten Darsteller aller Genres.

Geboren 1933 in Neuilly-sur-Seine nahe Paris, war er als Schüler aufmüpfig, liebäugelte mit einer Profi-Boxer-Karriere und wurde dann doch lieber Schauspieler. Keine Schönheit, aber unverwechselbar, tough und witzig, sinnlich, bisweilen anrührend naiv.

Wer an Belmondo denkt, sieht erst einmal den Film „Der Greifer“ (1975), außerdem „Der Profi“ (1981) oder „Das Ass der Asse“ (1982).

Er brachte es auf insgesamt knapp 100 Kinofilme und mehr als 40 Theaterrollen. Durch Filme wie „Und dennoch leben sie“ mit Sophia Loren, „Eine Frau ist eine Frau“, „Die Millionen eines Gehetzten“ und „Angst über der Stadt“ wurde er zur Kultfigur des französischen Kinos.

Belmondo trat in Abenteuerfilmen wie „Cartouche“ (1962) oder „Abenteuer in Rio“ (1964) ebenso überzeugend auf wie in Actionfilmen, wobei er bei den meisten auch ohne Double auskam.

Denn waghalsig war er schon immer. So erzählte er gerne, dass er bereits als 15-Jähriger auf Dächer geklettert und im fünften Stock vom Balkon heruntergehangen sei.

In den 80er-Jahren kehrte er wieder zu seinen Anfängen zurück, dem Theater. 1991 erwarb er in Paris das Théâtre des Variétés am Boulevard Montmartre, erfüllte sich damit einen Jugendtraum und trat in mehr als 40 Rollen auf.

Privatleben

Belmondo war zweimal verheiratet und hinterlässt vier Kinder aus den Beziehungen mit der Tänzerin Elodie Constantin und Nathalie Tardivel. Seine Liaison mit der rund 40 Jahre jüngeren Barbara Gandolfi endete 2012 nach vier Jahren.

Im November 1999 erlitt er in Brest auf der Bühne einen Herzanfall und 2001 auf Korsika einen Schlaganfall, nach dem er sich erst wieder ins Leben zurückkämpfen musste: „Ich habe Jahre gebraucht, um wieder sprechen zu können. Wer hätte damals gedacht oder gehofft, dass ich eines Tages wieder das Wort ,Action‘ hören sollte.“

Die Hoffnung erfüllte sich 2008: In „Ein Mann und sein Hund“ spielte er einen einsamen Greis, der obdachlos mit seinem Hund herumzieht. Weiße Haare, mächtige Augenbrauen, unbekümmertes Lächeln: ein wenig wehmütig, aber unverkennbar: Belmondo.

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