Olivia Colman macht alleine Urlaub in Maggie Gyllenhaals Regiedebüt „The Lost Daughter“

© YANNIS DRAKOULIDIS/2021

Venedig
09/06/2021

Olivia Colman in Elena-Ferrante-Verfilmung: Mutter sein und (nicht) Mutter werden

Literaturverfilmungen in Venedig: Maggie Gyllenhaal verfilmte Elena Ferrante mit Olivia Colman, Audrey Diwan erzählt aus dem Leben von Annie Ernaux

von Alexandra Seibel

Es ist kein Zufall, dass sich auf dem Filmfestival in Venedig immer gerne und viele Vertreter und Vertreterinnen der amerikanischen Filmindustrie tummeln: Venedig gilt als der inoffizielle Start der Oscar-Saison.

Nicht selten haben Filme hier ihren Erfolgskurs gestartet und den Siegeslauf mit einem Oscargewinn beendet. Zuletzt gelang dies Chloé Zhao, die mit „Nomadland“ den Goldenen Löwen in Venedig gewann, ehe sie sich den Oscar für beste Regie und bester Film holte.

Gut möglich, dass auch „The Lost Daughter“, das eindrucksvolle Regiedebüt der US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, bei den Oscars eine Rolle spielen wird.

Maggie Gyllenhaal, Schwester von Jake Gyllenhaal und bekannt aus der Mini-Serie „The Honourable Woman“, trat an die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante heran und bat um das Recht, deren Roman „Frau im Dunkeln“ von 2006 adaptieren zu dürfen. Ferrante, deren neapolitanische Saga, beginnend mit „Meine geniale Freundin“, Weltruhm erlangt hat, gab die Erlaubnis unter einer Bedingung: Maggie Gyllenhaal müsse den Roman selbst verfilmen.

Was diese auch tat.

In Ferrantes Roman macht eine geschiedene Literaturprofessorin namens Leda Caruso, Mutter zweier erwachsener Töchter, Strandurlaub, als sie mit schmerzhaften Erinnerungen an ihre Vergangenheit und ihre Rolle als Mutter konfrontiert wird.

Allein die Besetzung von Leda mit der Oscarpreisträgerin Olivia Colman erwies sich als höchst glückliche Wahl, denn Colman spielt ihre Professorin nicht nur mit großer Sensibilität und Verletzlichkeit, sondern auch unverwüstlichem Witz .

Schauplatz ist der Strand einer griechischen Insel. Leda möchte nur geruhsam im Liegestuhl dösen, als plötzlich ein lautstarker Familienclan über die Bucht hereinbricht. Darunter befindet sich eine junge Frau (Dakota Johnson), die mit ihrer kleinen Tochter überfordert ist. Diese Situation lässt Leda an ihre eigene, schwierige Zeit als junge Mutter von zwei kleinen Mädchen denken.

In behutsamen Rückblenden verwebt Gyllenhaal die Situation von Leda, die als alleinstehende, nicht mehr junge Frau ständig auf ihr Alter angesprochen wird, mit deren Erinnerungen an die Vergangenheit. Körpernah spürt die Kamera der innigen Beziehungen zwischen Mutter und Kindern nach. Sie macht sowohl die Zärtlichkeit wie auch die Beklemmung spürbar, die mit übergroßer Intimität einhergehen kann.

„The Lost Daughter“ rührt am Tabu von der „schlechten Mutter“, die vielleicht sogar imstande ist, die Familie zu verlassen – und liefert ein vielschichtiges, aufregendes Frauenporträt.

Annie Ernaux

Nicht nur Maggie Gyllenhaal, auch die französisch-libanesische Regisseurin Audrey Diwan verfilmte die Literatur einer berühmten Autorin. In „Happening“ adaptierte sie die autobiografischen Erlebnisse der Schriftstellerin Annie Ernaux, die in den 60er-Jahren als Schülerin schwanger wurde und versuchte, abzutreiben; der Weg auf die Universität wäre ihr sonst verschlossen geblieben. Doch Abtreibung ist zu dem Zeitpunkt in Frankreich illegal: Die junge Frau muss sich einer Reihe demütigender, lebensgefährlicher Prozeduren unterziehen.

Auch Audrey Diwans nüchtern erzähltes Coming-of-Age-Drama ist ein spannendes Porträt mit klarer Botschaft: Die Entscheidung, Mutter zu werden, muss jede Frau selbst treffen können.

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