Jake Bugg , 19, schreibt brillante Songs und sorgt sich um die Zukunft

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Interview Jake Bugg
12/08/2013

Schuldgefühl beim Schuhekaufen

Jake Bugg über sein neues Album "Shangri La" und die Angst, alles zu verlieren.

von Brigitte Schokarth

Erst neulich wieder erlebte Jake Bugg so einen Moment: Er war in Los Angeles, um Werbung für sein zweites Album „Shangri La“ zu machen, und ging im schicken Hotel auf die große Terrasse, um zu rauchen. Es erinnerte ihn daran, wie er sich zu Hause in dem heruntergekommenen Arbeiterviertel Clifton im englischen Nottingham immer aus dem Fenster seines Zimmers mit den schäbigen Tapeten gelehnt hatte, um den winzigen Raum nicht zu verstinken.

„Mann, das ist erst 14 oder 15 Monate her“, sagt er im KURIER-Interview ungläubig. „Ich bin jetzt meilenweit von diesem Leben entfernt, aber trotzdem ist es das Leben, das ich am besten kenne. 2013 war schon ein verrücktes Jahr.“

Ende des vorigen Jahres hatte der 19-Jährige sein selbstbetiteltes Debüt-Album auf Anhieb an die Spitze der britischen Charts gesetzt. Der Siegeszug seines Retro-Sounds, der an Johnny Cash und Bob Dylan erinnert, folgte im Frühjahr mit der Veröffentlichung von „Jake Bugg“ im Rest der Welt. Denn der schmächtige Brite spielt nicht nur versiert Gitarre, sondern schreibt auch noch Songs, die sowohl in den Texten als auch der Melodieführung erstaunlich reif sind. Songs,die Bugg in eine Liga mit den Großen katapultiert hat – ins Vorprogramm und auf die Partys von Noel Gallagher und den Rolling Stones.

Angestaut

Auch das zweite Album „Shangri La“ wartet wieder mit genauso tollen Songs auf. Bugg bringt dabei härtere Klänge ein, hier rohen Blues, dort Oasis-Rock, da Punk- und Grunge-Flair. Und doch bleibt er immer er selbst.

Er musste „Shangri La“ so schnell nach dem Debüt machen, sagt er, gegen den Willen der Plattenfirma, weil er in diesem verrückten Jahr so viel angestaut hatte, was raus musste. „Ich schreibe über Dinge, über die ich nicht reden kann. Es gibt Emotionen, die kann ich nicht in Worten artikulieren. Der einzige Weg, die zu kanalisieren, ist, einen Song darüber zu schreiben.“

So singt er auf „Shangri La“ über seine Liebe und die kurze Beziehung zu Supermodel Cara Delevingne, deren Scheitern (aufgrund der Medienaufmerksamkeit) ihn hörbar erschüttert hat. Aber nach wie vor auch über Clifton, über Messerstechereien und Teenager, die in den Straßen Drogen verkaufen. Verfolgt ihn das, obwohl er schon so weit davon entfernt ist?

Privileg

„Wenn ich dorthin zurückkomme, ist es so fremd und doch so eigenartig vertraut: Die Leute dort müssen immer noch drum raufen, dass sie ihre Rechnungen zahlen können. Ich kann mir jetzt jederzeit Schuhe kaufen, wenn ich will, hingehen, wo immer ich hin will. Das ist ein unglaubliches Privileg, das die anderen dort nie haben werden. Und ich kenne das, wenn man dringend Schuhe braucht, weil alle anderen löchrig geworden sind, aber kein Geld dafür da ist. Da fühlt es sich einfach falsch an, einkaufen zu gehen. Ich fühle mich schuldig, wenn ich mir ein Paar Schuhe kaufe.“

Dazu kommen Gedanken über die Zukunft: „Man weiß nie, wie lange so etwas dauert. Ich habe Angst, all das zu verlieren. Denn ich lebe meinen Traum. Und ich habe nur die Musik. Ich kann nichts anderes oder zu einem normalen Job zurückkehren. Diese Gedanken können sich manchmal ziemlich bedrohlich in mir aufbauen. Aber ich will mich davon nicht runterziehen lassen. Das würde meiner Produktivität schaden – ich könnte ja stattdessen auch einen Song darüber schreiben.“

„Shangri La“

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