Jake Bugg bei einem seiner 300 Konzerte in den vergangenen 14 Monaten: In der Brixton Academy in London.

© Reuters/DYLAN MARTINEZ

Jake Bugg im Gasometer: Selbstbewusst und souverän
12/06/2013

Jake Bugg im Gasometer: Selbstbewusst und souverän

Der Brite zeigte sich bei seinem Auftritt in Wien wandelbar. Mit einem Flair von Punk, Grunge, Blues oder Oasis-Rock.

von Brigitte Schokarth

An die 300 Konzerte hat Jake Bugg in den vergangenen 14 Monaten gespielt. Mit dem Auftritt Donnerstagabend in Wien - vier davon in Österreich.

Vielleicht war das der Grund, dass nur 1600 Besucher in den Gasometer gekommen waren. Denn an einem Mangel an Bekanntheit kann es nicht liegen. Mittlerweile weiß man, dass der Brite 19 Jahre jung ist, Songs schreibt wie ein Alter, als Wunderkind gilt, auf Grund seines Stils wahlweise als „der neue Bob Dylan“ oder der „neue Johnny Cash“ bezeichnet wird.

Obwohl diese Labels mit dem Erscheinen von Buggs neuem Album „Shangri La “ schon wieder überholt sind. Da zeigt sich das Talent variantenreicher, fügt zum Country-Folk-Stil des Debüts Tempo und laute Gitarren hinzu, packt in nicht wenige Songs das Flair von Punk, Grunge, Blues oder Oasis-Rock.

Diesen Wandel macht er auch im Gasometer deutlich: „There’s A Beast And We All Feed It“ ist ein forsch vorwärtsdrängender Opener – selbstbewusst und souverän präsentiert. So lässig steht Bugg da, so cool, dass man sich fragt, wo der Schüchti hin ist, der noch im März im Flex auf der Bühne stand, zwar versiert spielte, aber in sich gekehrt wirkte. So als würde er lieber im Wohnzimmer nur für sich selbst singen.

Im Gasometer ist dieser Eindruck wie weggeblasen. Zwar spricht Bugg zwischen den Songs nach wie vor wenig, aber er schmettert die rockigeren Songs ins Publikum, als hätte er nie etwas anderes getan, als würde er jeden einzelnen der 1600 persönlich ansprechen wollen.

„Two Fingers“ ist ein erster Höhepunkt, der stille „Country Song“ der nächste. Bugg wechselt zwischen Akustik und E-Gitarre, spielt Soli, Riffs, rockige Rhythmen, folkiges Fingerpicking und sachte Akkord-Begleitung. Er ist in jedem Stil zu Hause, in jedem Stil besser als manch doppelt so alter Gitarrist. Weil er deshalb mit vielen Varianten spielen kann, hat das Set nie Längen - obwohl Bugg nur von einem Drummer und einem Bassisten begleitet wird, Null Show bietet und zumeist stoisch vorm Mikro angewurzelt bleibt.

Aber anders als im Flex bringt er jetzt die Botschaft rüber. Er singt über die Tristesse in dem Arbeiterviertel Clifton in Nottingham, aus dem er stammt - über Überlebenswillen, Messerstechereien und die Freude, da rausgekommen zu sein. Und über die Pein einer zerbrochenen Beziehung. „Broken“ singen zwar erst noch nur die Teenies vorne mit.

Doch als Bugg dann „My My, Hey Hey (Out Of The Blue)“ von Neil Young und seinen eigenen Hit „Lightning Bolt“ auspackt, johlen, klatschen und tanzen die aus Neugier gekommenen älteren Dylan-Fans hinten genauso wie die schmachtenden Schülerinnen vorne – die einen überrascht vom Talent des 19-Jährigen, die anderen einmal mehr entzückt davon.

KURIER-Wertung:

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