© Theater in der Josefstadt/Philine Hofmann

Kritik
09/25/2020

Glattauer-Uraufführung: Herrlich-komische, bitterböse Bankengroteske

Daniel Glattauers Komödie „Die Liebe Geld“ in den Kammerspielen der Josefstadt.

von Peter Jarolin

Wenn es einen Spezialisten für sogenannte Well-Made Plays in positivster Hinsicht gibt, dann ist das wohl Daniel Glattauer. Denn der Wiener Schriftsteller hat schon mit vielen seiner Stücke (und Romane) das Publikum begeistert. Vor allem in den Kammerspielen der Josefstadt, die quasi ein Abo auf Glattauer-Uraufführungen haben. Denn Glattauers Komödie „Die Liebe Geld“ ist bereits das fünfte Stück, das hier aus der Taufe gehoben wurde. Und wie die Vorgänger dürfte auch diese herrlich-komische, dabei bitterböse Bankengroteske ein absoluter Hit werden.

Geschäftsreise

Worum es geht? Um eine Situation, die wohl vielen Menschen bekannt vorkommt. Da will man am Bankomat einfach Geld von seinem gedeckten Konto beheben, doch es ist nicht möglich. Liegt es (wie sonst im realen Leben) am Gerät oder am Magnetstreifen? Nicht im Fall von Alfred Henrich, der Hauptfigur in Glattauers Stück. Denn in einem letztlich erzwungenen Gespräch mit seiner persönlichen Beraterin Frau Drobesch erfährt Henrich, dass sein Geld zwar da sei, sich im Moment aber auf „Geschäftsreise“ befinde. Denn der Bank – hier heißt sie die „Die Liebe Bank“ – gehört schließlich alles, wie Henrich bald danach auch von Bankdirektor Cerny erfahren muss. Und nur weil Henrich eher dringend ein Geschenk für seine Frau zum zehnten Hochzeitstag benötigt, könne man das Geld doch nicht vom Arbeiten abhalten. Denn Geld kennt eben keine Freizeit und kann diese daher auch nicht mit Henrich verbringen – so die Bank.

Was sich aus dieser Konstellation ableitet, ist ein wunderbar irrwitziger, grotesker Spießrutenlauf eines „kleinen Mannes“ im Kampf um sein Geld und seine Rechte, den Regisseur Folke Braband im schicken Glas-und Neon-Bühnenbild (Video-Projektionen inklusive) von Stephan Dietrich sehr flott und sicher inszeniert hat. Da sitzen die Pointen, da stimmen Tempo und Timing, da ist auch dank der geschliffenen Dialoge Gelächter stets garantiert.

Umso mehr, da die Josefstadt exzellente Darsteller zur Verfügung hat. Hinreißend etwa, wie Roman Schmelzer seinen Henrich als Biedermann am Rande des Nervenzusammenbruchs gibt, der durch einen kafkaesken Albtraum zu irren scheint. Großartig auch Michael Dangl als schwuler Bankdirektor Cerny, der nicht über Geld, sondern lieber über die schönen Künste sprechen und sein lyrisches Talent ausleben möchte. Allein das zwischen Aufbegehren und Unterwerfung changierende Duell dieser beiden ist zum Brüllen komisch.

Spielfreude

Dazu kommen noch Martina Stilp als freundlich lächelnde, eiskalte Bankberaterin sowie Silvia Meisterle als Henrichs naive, aber umwerfend witzige Ehefrau Ulli. Dieses Quartett agiert so spielfreudig, dass es ein großes Vergnügen ist.

Die allerletzte Pointe aber kommt im Abspann. Da wird nämlich dem Institut „Die Liebe Bank“ bestehend aus dem Konsortium aus Hypo Bank, Wirecard und Commerzialbank Burgenland herzlich für die Unterstützung der Produktion gedankt. Und man erkennt, wie nahe Glattauer an der Realität ist.

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