© Michaela C. Theurl

Reinhart Kaiser-Mühlecker
12/06/2012

Geheimnis und Schweigen

Der oberösterreichische Holzbauer war ein alter Nazi. Man schwieg darüber.

von Barbara Mader

Holzbauer Ferdinand Goldberger glaubt an das große Reich der Deutschen. Als Partei-Ortsgruppenführer ist er Teil dieses Reichs. Über Nacht muss der überzeugte Nazi seinen Hof im Innviertel verlassen. Warum, das sagt er nicht. Wahrscheinlich: Er hat Menschen aus dem Dorf denunziert.

„Roter Flieder“ setzt ein, als Goldberger und seine Tochter Martha Anfang der Vierzigerjahre nach Rosental kommen. Auch dort übernimmt Goldberger das Amt des Dorf-Obernazis. Und legt den Grundstein zum Generationen übergreifenden Fluch, der auf der Familie liegt. Martha wird verstummen, ebenso wie zuvor ihre Mutter, die ihre letzten Lebensjahre schweigend in einem Ohrensessel sitzend verbrachte. Sein Sohn Ferdinand wird nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft den bäuerlichen Betrieb übernehmen. Den Vater wird er erbittert hassen.

Brutale Provinz

Vier Jahre nach seinem vielbeachteten Debüt „Der lange Gang über die Stationen“ legt Reinhard Kaiser-Mühlecker nun „Roter Flieder“ vor. Der Autor, geboren 1982 im oberösterreichischen Kirchdorf,entwirft darin eine bäuerliche Familiensaga des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum: Geheimnis und Schweigen – wortkarg wie die Provinz.

Kaiser-Mühlecker schreibt dicht, langsam, sich oft wiederholend. Symbolbeladen. Man kann das gespreizt oder mühsam finden. Freundliche Kritiker fühlen sich an Stifter erinnert.
 

KURIER-Wertung: **** von *****

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