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Kultur

Fall Teichtmeister: "Corsage"-Regisseurin "nicht bereit", den Film zurückzuziehen

Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Dieser schreckliche Fall wird immer mit dem Film in Verbindung stehen".

von Georg Leyrer

01/22/2023, 12:38 PM

Die Regisseurin des Sisi-Films "Corsage", Marie Kreutzer, hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zum Fall Florian Teichtmeister und zu den #MeToo-Vorwürfen gegen einen weiteren Darsteller des Films Stellung genommen. "Dieser schreckliche Fall wird immer mit dem Film in Verbindung stehen", sagt Kreutzer bezüglich Teichtmeister, der wegen des Besitzes von Missbrauchsabbildungen Minderjähriger angeklagt ist. "Das ist die Realität." Bezüglich der Oscar-Chancen, die dem Film zugeschrieben worden waren, sagt sie: "Bis vor ein paar Tagen haben wir natürlich auf eine Nominierung gehofft. Jetzt weiß ich nicht, was ich mir wünschen soll."

Sie habe nicht daran gedacht, "Corsage" ganz zurückzuziehen: "Wir müssen uns als Branche und als Gesellschaft grundsätzlich der Frage stellen, wie und ob wir Werk und Kunst von Macher und Macherin trennen", sagt Kreutzer. Teichtmeister sei "nicht der Produzent des Films, nicht der Hauptdarsteller, nicht der Regisseur; Teichtmeister ist einer von mehreren 100 Mitarbeitern. Wir würden ihm eine ungeheure Macht geben, wenn wir sagen, man kann diesen Film nicht mehr sehen. Dazu bin ich nicht bereit." Es gebe "Vertragspartner auf der ganzen Welt. Es liegt nicht allein in unserer Macht zu sagen, wir zeigen diesen Film nicht mehr."

Sie habe Teichtmeister nach Bekanntwerden der Vorwürfe "per E-Mail gefragt, was an dem dran sei, was ich gehört habe. Daraufhin hat er mir zurückgeschrieben und klar dementiert. Wenn man sich menschlich besser kennt, fragt man vielleicht nach, aber das war nicht der Fall. Einige Zeit später gab es in der Wiener Branche dann das Gerücht, die Anzeige sei fallen gelassen worden."

Sie sei dagegen, dass Kevin Spacey, der mit Übergriffsvorwürfen konfrontiert ist, einen Lebenswerk-Preis bekommt, da hier die Person ausgezeichnet werde und nicht ein Werk. Und bei den Vorwürfen gegen Filmemacher Ulrich Seidl wegen des Umgangs mit Minderjährigen am "Sparta"-Set findet sie es "vollkommen klar, dass es hier Aufklärung braucht".

"Mehrere Versuche, Genaueres zu erfahren"

Bezüglich der weiteren Vorwürfe gegen einen anderen Darsteller, die jedoch nicht mit dem Fall Teichtmeister vergleichbar sind, meinte Kreutzer: "Es gab mehrere Versuche, Genaueres zu erfahren. Aber es blieb bis zuletzt bei Gerüchten, die sich für mich nie konkretisiert haben. Es gab mehrere Gespräche mit dem Schauspieler und den Versuch, Kontakt zu den Betroffenen herzustellen, aber das ist mir nicht gelungen."

Kreutzer arbeitet - übrigens unter dem Titel "Johnny Maccaroni" - "seit September 2020 an einem Stoff über ein Paar, bei dem der Verdacht aufkommt, dass der Ehemann Darstellungen von Kindesmissbrauch konsumiert", wie sie nun auch der SZ sagt. "Ich wollte das tun, was ich kann: nämlich eine Geschichte zu erzählen, um die Wahrnehmung zu schärfen oder eine Sensibilisierung für die Thematik zu schaffen. Aber die Recherche ist hart und schmerzhaft, und immer wieder bin ich auch unsicher, ob ich es schaffe, daraus einen Film zu machen."

Sie selbst sei "in einem andauernden Panikzustand, und es geht mir furchtbar schlecht. Es ist, wie in einem Albtraum gefangen zu sein", sagte die Regisseurin - "Wie es mir geht, ist natürlich unwichtig in Relation zu den Opfern von Kindesmissbrauch, von denen bestimmt viele, die jetzt erwachsen sind, diesen Fall verfolgen und retraumatisiert werden."

 

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