"Endabrechnung" mit Commissario Höllbacher (Robert Palfrader).

© ORF/Oliver Oppitz

TV-Tipp
12/22/2016

"Endabrechnung": Rotwein, Freundschaft und ein Rachefeldzug

Im Südtiroler Landkrimi werden Rechnungen mit dem Gewehr beglichen.

von Marco Weise

Neun Bundesländer sind dem ORF zu wenig. Und so bekommt auch Südtirol seinen eigenen Landkrimi. Die Hauptrolle in "Endabrechnung" (ORFeins, 20.15 Uhr) übernimmt Publikumsliebling Robert Palfrader. Der Schauspieler, "Staatskünstler" und "Kaiser" verkörpert unter der Regie von Umut Dağ den kauzigen und depressiven Commissario Höllbacher, der sich nach einem traumatischen Erlebnis von der Polizeiarbeit zurückziehen möchte. Aus diesem Vorhaben wird aber nichts, denn mitten in Meran wird gemordet und die zuständige Kommissariatsleiterin Thaler (Kristina Sprenger) ist mit diesem Fall überfordert.

"Der Höllbacher hat eine tiefe, noch unverheilte Narbe in seiner Seele", beschreibt Palfrader seine Rolle im KURIER-Interview. "Der Typ ist nach zahlreichen Misserfolgen fertig mit den Nerven. Ein ausgebrannter Kommissar, der keine Lust mehr hat – am Leben – an der Arbeit." Verantwortlich für seine Depressionen ist vor allem der eitle und schmierige Oberstaatsanwalt Nicoletti (Tobias Moretti), der dem Höllbacher immer wieder das sprichwörtliche Hackl ins Kreuz haut. Seinen angestauten Frust versucht er im Rotwein zu ertränken. Ein geeigneter Trinkpartner ist auch schnell gefunden: Sein alter Freund Severin Verginer (Harald Windisch), mittlerweile ein gescheiterter Hotelier ohne Perspektiven, leert mit ihm Flasche um Flasche.

"Wir haben eine ganz eigene, untypische Dramaturgie für einen Krimi gewählt. Der Fall baut auf der zwischenmenschlichen Beziehung, auf der langjährigen und engen Freundschaft der beiden auf", sagt Regisseur Umut Dağ im KURIER-Interview.

Während Höllbacher versucht, den Täter der brutalen Morde – den Opfern wird ins Gesicht geschossen – zu finden, weiß der TV-Zuseher recht bald, wer für diese Gräueltaten in Meran zuständig ist: Von Rache getrieben, erschießt der ausgebrannte Severin Verginer den Vorstandsvorsitzenden einer fiktiven österreichischen Bank und kurz darauf seine Geschäftspartnerin. Weitere Tote werden folgen.

Bankrott

In "Endabrechnung" nach einem Drehbuch des Krimiautors Peter Probst kommen vor allem die Banken nicht gut weg. Sie verkörpern das Böse, seien Verbrecher, die Gelder veruntreuen, den kleinen Mann abzocken und sich dann vom Staat retten lassen, verurteilt der bankrotte Severin Verginer pauschal das Finanzwesen und fordert endlich Gerechtigkeit.

Die Ermittler rund um Kommissar Höllbacher tappen aber lange im Dunklen, weil sie von Staatsanwalt Nicoletti auf die falsche Spur gebracht werden. Ohne jegliche Beweise bringt er einen terroristischen Hintergrund der Morde ins Spiel, was dazu führt, dass lokale Muslime unter Generalverdacht gestellt werden. Ein Ablenkungsmanöver, das zwar eine aktuelle Note in den Landkrimi bringt, aber phasenweise zu konstruiert wirkt.

Um Muslime oder Asylsuchende geht es Verginer nicht. Es sind die Banken, denen er Schuld an seinem Absturz gibt – vom Hotelbesitzer zum armen Spinner. Sie gilt es zu bekämpfen. Und so begleicht er seine offenen Rechnungen mit dem abgesägten Jagdgewehr.

Der zehnte und letzte Teil der ersten Landkrimi-Staffel endet mit "Höhenstraße" am 29. Dezember.

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