© WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Kritik
09/09/2020

"Elektra" mit Welser-Möst: Triumphale Rückkehr zum Neubeginn

Wiener Staatsoper: Bravi zu Beginn, Jubel am Schluss bei der Rückkehr des im Unfrieden geschiedenen Ex-Musikdirektors.

von Peter Jarolin

Bravo-Rufe und Applaus noch vor dem ersten Ton, frenetische Ovationen und Jubel-Geschrei am Ende: Franz Welser-Möst ist zurück an der Wiener Staatsoper, die er 2014 als Musikdirektor im Unfrieden verlassen hatte. Und wie!

Denn im Haus am Ring haben Neo-Direktor Bogdan Roščić und sein Musikdirektor Philippe Jordan zu ihrem Neustart auch den Reset-Knopf gedrückt, was dem Publikum auch einige sehr erfreuliche Wiederbegegnungen ermöglicht. Etwa jene mit der „Elektra“ in der Kult-Inszenierung des Ende 2019 verstorbenen Harry Kupfer und im beeindruckenden Bühnenbild (Stichwort: die riesige Agamemnon-Statue mit Seilen) von Hans Schavernoch. Angela Brandt hat diese Produktion aus dem Jahr 1989 ideal einstudiert.

Klangereignis

Ein perfektes Umfeld somit für ein Klangereignis der Superlative. Denn Franz Welser-Möst und das fantastische, sehr philharmonische Orchester haben „ihren“ Strauss – wie bereits im Sommer in Salzburg – wirklich intus. So dramatisch und so packend, in anderen Momenten wieder extrem innig (Erkennungsszene zwischen Elektra und Orest) kommt dieses Rachedrama äußerst selten daher. Welser-Möst und das Orchester produzieren Klangfarben, die ihresgleichen suchen, wissen aber auch, über welch großartige Besetzung sie neuerdings im Haus am Ring (wieder) verfügen können.

Zwar benötigt Ricarda Merbeth in der Titelpartie eine gewisse Anlaufzeit, ehe sie zu der bei Strauss so wichtigen Balance zwischen stimmlichen Extremen und klug gesetzten Nuancen findet. Sie steigert sich bei ihrem Wiener Rollendebüt von Minute zu Minute, zieht immer mehr in den Bann. Eine tolle Rächerin.

Gar nicht steigern muss sich hingegen Camilla Nylund als Luxusbesetzung einer Chrysothemis. Denn Nylund ist stimmlich wie darstellerisch von Beginn an überragend; ihr Rollendebüt am Ring darf als furios bezeichnet werden.

Und dann wäre da noch Doris Soffel (auch ein Wiener Debüt) als irrlichternde, an der Grenze zum Wahnsinn balancierende Klytämnestra. Selten hat man das Porträt dieser schuldbeladenen, gepeinigten Herrscherin so eindringlich präsentiert bekommen wie von der 72-jährigen Künstlerin.

Als absoluter Gewinn erweist sich auch der australische Bassbariton Derek Welton, der mit schönem Timbre einen prägnanten, intensiven Orest gibt.

Als Aegisth bewährt sich der Tenor Jörg Schneider, auch das Ensemble lässt kaum Wünsche offen. Fazit: Die Wiener Staatsoper ist kraftvoll in eine neue Ära gestartet. So darf es gerne weitergehen.

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