© Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Kritik
02/18/2020

"Egmont"-Uraufführung: Beethoven hätte das wohl gefallen

Die Uraufführung von Christian Josts und Christoph Klimkes „Egmont“ im Theater an der Wien als Triumph aller Beteiligten.

von Peter Jarolin

Auch das gibt es. Die Uraufführung einer Oper wird mit Ovationen bedacht, die Inszenierung zurecht gefeiert, die Sänger, das Orchester und der Dirigent ebenso. So geschehen im Theater an der Wien, wo Christian Josts und Christoph Klimkes „Egmont“ das große Ludwig-van-Beethoven-Jubeljahr (250. Geburtstag des Komponisten) furios einläutete. Denn dieser „Egmont“ verzichtet zwar gänzlich auf Beethoven, ist den Intentionen des Genies aber dennoch ganz, ganz nah.

Aber der Reihe nach: Ein eigenes Beethoven-Fest hat Intendant Roland Geyer an der Wien ausgerufen. Mit einer Ausstellung, einem Stationentheater, einer Neuproduktion des „Fidelio“ in der Regie von Oscar-Preisträger Christoph Waltz, mit Konzerten sowie zwei Uraufführungen ehrt man an der Wien seinen Hauskomponisten.

Folie

Nun die erste Uraufführung: „Egmont“ – ein Stoff, den Johann Wolfgang von Goethe einst als Trauerspiel in fünf Akten auf die Bühne brachte, zu dem Beethoven wiederum eine Schauspielmusik verfasste. Der deutsche Komponist Christian Jost (und sein Librettist Christoph Klimke) aber nehmen die Geschichte rund um den Freiheitskämpfer Egmont, der in dem brutalen Herzog von Alba in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts letztlich seinen Henker findet, nur als Folie.

Als Folie, die dazu dient, um generell über Liebe und Hass, Leben und Tod, Macht und Ohnmacht, Freiheit und Unterdrückung nachzudenken. In schlanken 95 Minuten läuft das Geschehen ab.

Auf nur sechs Personen und einen groß besetzten Chor (exzellent der Arnold Schoenberg Chor) ist dieser „Egmont“ reduziert. Es gibt Egmont, dessen stark aufgewertete Geliebte Clara, Herzog Alba, dessen Handlanger Macchiavell, seinen Sohn Ferdinand und die zwischen den Fronten stehende Margarete von Parma. Nicht nur diese wird sterben müssen . . .

Klangräume

Und das zu höchst suggestiven, zwischen lyrischen Momenten und Dramatik perfekt changierenden, sehr gut gearbeiteten Klängen. Josts Musik kommentiert, schafft oft betörende Klangräume, evoziert Stimmungen, ist hochkomplex, aber in ihrer Sogwirkung ideal hörbar. Klimke hat zu den 15 Szenen (inklusive Zwischenspielen) einen poetischen Text geliefert, der das Metaphysische betont.

Gleiches gilt für die brillante Regie von Keith Warner, der in dem höchst wandelbaren, an Überraschungen reichen Bühnenbild von Ashley Martin-Davis (toll auch die Lichtregie von Wolfgang Göbbel und die Choreografie von Ran Arthur Braun) Sequenzen zwischen Tag und Nacht, Traum und Albtraum, Realität und Fiktion kreiert.

Ebenen

Denn dieser „Egmont“ ist weit mehr als nur die brave Nacherzählung einer Handlung, er spielt mit den humanen und inhumanen Ebenen. (Todes-)Engel und Kraniche, Folter- und Bettszenen – Warner setzt all das ungemein geschmackssicher und hochgradig präzise um. Eine Freude.

Am Pult des fabelhaft einstudierten ORF Radio-Symphonieorchester Wien ist Dirigent Michael Boder der Musik Josts ein ausgezeichneter Anwalt, der alle Nuancen der Partitur zum Klingen bringt.

Und die Sänger? Maria Bengtsson ist eine auch zu höchsten Tönen fähige, intensive Clara, Bo Skovhus ein auch vokal imposant-gefährlicher Alba, Angelika Kirchschlager eine auch im Sprechgesang omnipräsente Margarete und Theresa Kronthaler ein überzeugender Ferdinand. Károly Szemerédy assistiert als Macchiavell sicher; Edgaras Montvidas agiert als Egmont solide. Empfehlung!

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