© Vereinigte Bühnen/Monika Rittershaus

Kultur
02/16/2020

Regisseur Warner über "Egmont": "Freiheit darf nie eine Utopie sein“

Theater an der Wien. Top-Regisseur Keith Warner inszeniert „Egmont“ von Christian Jost. Premiere ist am Montag.

von Peter Jarolin

Wenn morgen, Montag, die Uraufführung der Oper „Egmont“ des deutschen Komponisten Christian Jost und des Librettisten Christoph Klimke im Theater an der Wien über die Bühne geht, wird Regisseur Keith Warner erleichtert sein. Denn, so Warner im KURIER-Gespräch: „Ich habe an die 40 Uraufführungen gemacht, aber es fühlt sich jedes Mal wie eine neue Schwangerschaft an.“ Und: „Als Regisseur bin ich diesem wirklich tollen Werk als Geburtshelfer verpflichtet und muss darauf achten, dass sich auch die Eltern wohlfühlen.“

Die „Eltern“ – das sind hier Jost und Klimke, die im Auftrag des Theater an der Wien im Rahmen des Beethoven-Jahres mit „Egmont“ eine Oper in 15 Szenen geschaffen haben, die auf den ursprünglichen Text von Johann Wolfgang von Goethe und die dazugehörige Schauspielmusik Beethovens Bezug nimmt, jedoch ohne einen der beiden nur im Ansatz zu zitieren.

Zukunftsweisend

Keith Warner, der an der Wien szenisch schon oft für Furore sorgte: „Dieser ,Egmont ist moderner, zukunftsweisender und heutiger. Goethes Frauenbild anhand von Egmonts geliebter Clara wird in die Gegenwart gerückt. In Wahrheit ist sie die einzige, die erkennt, dass Freiheit an sich schön und gut ist, aber der Preis dafür auch extrem hoch sein kann.“

Soll heißen: Der Freiheitskämpfer Egmont setzt sich in Josts Werk (wie bei Goethes Trauerspiel) für die Unabhängigkeit der von Spanien besetzten Niederlande ein, findet aber in dem despotischen Herzog Alba seinen erfolgreichen (?) Widerpart. Letale Konsequenzen inklusive. Und die Freiheit? Eine Utopie?

„Nein“, sagt Keith Warner. „Freiheit darf nie eine Utopie sein, und wir müssen heute mehr denn je für sie kämpfen. Denn Freiheit bedeutet im Geiste Beethovens, dass wir einander als Brüder, als Menschen begegnen, unabhängig davon, woher wir kommen“, so der gebürtige Brite.

Reaktionär

Stichwort England. Wie sieht Warner eigentlich den Brexit? „Das ist nur eine erbärmlich schlechte Show, die ich nie inszenieren würde. Boris Johnson, Nigel Farage und Konsorten spielen mit einem ganzen Land, spielen mit Europa, nur um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Da geht es ja nicht um irgendwelche Fischerei-Rechte, da geht es nur um das übergroße Ego der Beteiligten. Ich finde das zutiefst reaktionär und antidemokratisch“, sagt der längst auch als Buchautor erfolgreiche 63-Jährige.

Und mit dann Understatement: „Wahrscheinlich sollte ich wegen des Brexit nach Schottland oder Wien übersiedeln. Hier lebt man sehr gut, und ich bin bekennender Europäer. Außerdem hat der britische Premier Boris Johnson ein Haus direkt neben meinem erworben. Auch wenn er jetzt in der Downing Street wohnt, ist das nicht die beste Nachbarschaft“, so der deklarierte Wagnerianer.

Wagners „Meistersinger“ wird Warner übrigens demnächst in Prag inszenieren. Und auch für das Theater an der Wien ist nach dem „Egmont“ ein größeres Opernprojekt in Planung.

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