Edgar Weinzettl

Edgar Weinzettl in seiner neuen, alten Wirkungsstätte: dem Wiener Funkhaus

© Kurier / Jeff Mangione

Kultur
03/28/2022

Edgar Weinzettl: „Wir können regional – und wir können live“

Der Radiojournalist leitet nun das Wiener ORF-Landesstudio. Der Sender werde raus „aus der Bobo-Blase und in die Bezirke gehen“

von Philipp Wilhelmer

Man kennt vor allem seine Stimme: Als Innenpolitikchef der Radio-Information begleitete sie in den vergangenen Jahren die Hörerinnen und Hörer mit Analysen durch die zahlreichen politischen Krisen. Er galt dabei als roter Wunschkandidat, hatte aber über die SPÖ genauso kritische Dinge zu sagen wie freundliche zur türkisen ÖVP. Zumindest den Segen des Wiener Bürgermeisters kann man ihm nicht absprechen, schließlich ist Edgar Weinzettl im Rahmen der letzten ORF-Wahl zum Wiener Landesdirektor berufen worden.

 

KURIER: Sie sind seit 1. Jänner Direktor des Landesstudios Wien. Braucht es eigentlich wirklich eine eigene Wiener Direktion? Der ORF hat in der Bundeshauptstadt ja ohnehin seine Zentrale.

Edgar Weinzettl: Ich mag es mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn das Landesstudio Wien im Gesamtkonzern aufgehen würde, weil das geht ja bis zur Binnenpluralität bei der Berichterstattung hinunter. Wir sind der multimediale Nahversorger. Dazu zählen die linearen Kanäle TV und Radio natürlich, aber immer stärker auch online News und Social Media.

Wie kritisch darf man in einem Landesstudio über die Landesregierung berichten? Für große Aufdeckerstories ist keines der neun Studios bekannt. Wir sind die vierte Kraft im Lande. Das gilt für den Bund genauso wie für die Länder. Und wir müssen äquidistant kritisch die Politik kontrollieren. Das ist unsere DNA. Dazu sind wir da, dafür bekommen wir GIS-Gebühren. Und das ist auch der Markenkern. Unterhaltung ist wichtig, aber äquidistant objektive Informationen zu liefern, ist das, wofür es uns gibt.

 

Wie kriegt man es hin, dass man den Bobo aus Neubau genauso bedient und abholt wie den Liesinger Reihenhausbewohner, der ganz andere Sorgen und eine ganz andere Lebensrealität hat?

Die hohe Kunst im Unterhaltungsbereich ist es, dem Publikum möglichst nahe zu kommen mit Themen, die die Leute tangieren. Da werden wir den Weg konsequenter weitergehen, dass wir als Landesstudio rausgehen aus der Bobo-Blase und in die Bezirke gehen, wo wir auch tatsächlich die meisten Hörer haben.

Die Realität ist oft so: Man diskutiert wochenlang über einen Swimmingpool an einer einzigen Gürtelkreuzung. Darüber, was in den Flächenbezirken los ist, erfährt man wenig.

Journalistinnen und Journalisten neigen sehr mitunter zum Bubble-tum. Das sieht man auch in den sozialen Netzwerken. Also wenn es Themen gibt, die den Wienerinnen und Wienern unter den Nägeln brennen, dann ist es ja der Verkehr, dann das Wohnen. Wir werden versuchen, die Lebensrealität der Menschen noch stärker anzusprechen.

Apropos unter den Nägeln brennen: Soll der Lobautunnel gebaut werden?

Man beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema und es kommen so unterschiedliche Ergebnisse heraus, wie wir sie jetzt haben. Ich würde mir da ein Urteil nicht anmaßen.

Das Landesstudio Wien ist ein großer Veranstalter. Was erwartet denn das Publikum nach der Corona-Krise im Live-Sektor?

Wir werden mit Diskussionsforen nach draußen gehen und natürlich in Sachen Veranstaltungen, wo wir jetzt auf einen sehr kleinen Rahmen beschränkt wurden, wieder mit größeren Acts aufwarten, sofern das die Situation erlaubt. Das Landesstudio zeichnet sich ja durch eines aus: Wir können regional – und wir können live: zwei Dinge, die Netflix, Google und Amazon nicht bieten.

Hier im Funkhaus in der Argentinierstraße sind Sie aktuell auf einer Baustelle zu Hause. Große Teile werden vom neuen Eigentümer in ein Hotel umgebaut. Welche Rolle spielt das Hauptstadtstudio? Wie ist das dann in das Gebäude eingebettet?

Wir möchten natürlich das Publikum darauf aufmerksam machen, dass es hier das Studio gibt. Und die Gespräche mit der Rhomberg-Gruppe laufen bisher sehr gut, dass es eine Sichtbarkeit des Landesstudios geben wird. Das wäre einer der Pläne, dass man ein Popup-Studio im sichtbaren Bereich des Hauses macht.

Die Vita: Geboren und aufgewachsen ist Edgar Weinzettl in St. Pölten. Er sammelte nach der Matura erste Medienerfahrungen bei diversen Zeitungen, Kultur- und Medienprojekten in Niederösterreich. Daneben studierte er Rechts- und Politikwissenschaften in Wien

Radio Wien-Erfahrung: Nach dem Zivildienst kam er ins Landesstudio Wien. 2002 wurde Weinzettl Leiter der Radio-Wien-Wortredaktion. 2012 wechselte er in die ORF-Hörfunkinformation als Ressortleiter der ORF Radio-Innenpolitik-Redaktion. Als Landesdirektor löst er in Wien Brigitte Wolf ab

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