© Matthias Heschl

Kritik
05/21/2021

"Die Odyssee" im Schauspielhaus: Schweigsame Höhlenmenschen

... und ein redseliges Insekt. Die Kritik zu "Die Odyssee" von Jakob Engel und Philipp Stange im Wiener Schauspielhaus.

von Guido Tartarotti

Das Wiener Schauspielhaus eröffnet die Post-Corona-Zeit mit der Uraufführung von „Die Odyssee“ von Jakob Engel und Philipp Stange.

Der erste Blick beeindruckt: Die Bühne ist täuschend echt in eine unheimliche Höhle verwandelt worden. Man denkt an Polyphem, an Platos Höhlengleichnis, an die Unterwelt, an bedrohliche Märchen – und ist nicht auch das Theater an sich immer ein Besuch in einer Höhle?

Wahrheit

Diese Höhle ist bevölkert von einer redseligen Kakerlake und drei schweigsamen Höhlenforschern. Die Forscher (Simon Bauer, Sebastian Schindegger, Til Schindler) tun Forscherdinge, sie leuchten in jede Ecke und Ritze, sie ziehen Taucheranzüge an, sie schleppen ein Schlauchboot von A nach B, sie trinken aber auch Tee, verkosten Käse und posieren für ein Selfie. Am Ende fällt ihnen die Decke auf den Kopf.

Die Kakerlake (Judith Altmeyer) erzählt mit Piepsstimme von ihrem prekären Berufsalltag als Schauspielerin und Nebenerwerbs-Kindergärtnerin. Jacob Bussmann steuert die großartige Musik und düstere Echo-Effekte bei.

Mehr passiert nicht. Was das Ganze mit Homer und Odysseus zu tun hat, bleibt unklar bzw. muss man sich selbst zusammenassoziieren.

Es wäre leicht, diesen hochgradig merkwürdigen Abend zu verreißen. Aber das wäre unfair. Ja, er ist wirr und stellenweise sehr fad. Er hat aber auch eine große poetische Kraft, eine eigenartig gefährliche Verführungswirkung.

Einmal fällt der Satz „In diesem Raum gibt es nur Wahrheit“, und ja, genauso ist Theater.

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