© Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Kritik
05/20/2021

Ein höllisches Maskenspiel als kabarettistisches Schaulaufen in der Volksoper

Franz von Suppès „Der Teufel auf Erden“ in der Wiener Volksoper

von Peter Jarolin

196 Tage lang gingen die Kulturschaffenden aller Sparten wie auch das potenzielle Publikum durch die sprichwörtliche Hölle. 196 Tage lang dominierte die teuflisch-tödliche Pandemie das öffentliche und somit auch das kulturelle Leben in Form diverser Lockdowns. Irgendwie also passend, dass sich auch die Wiener Volksoper der Thematik „Hölle“ zur Wiedereröffnung angenommen hat. Nur dass es bei Franz von Suppès (ja, der Akzent gehört nach den neuen musikwissenschaftlichen Erkenntnissen genau so) Operette „Der Teufel auf Erden“ in der Hölle doch recht fidel zugeht. Für den Satan selbst aber nicht fidel genug.

Doch der Reihe nach. Am 5. Dezember 2020 hätte dieses (nicht ganz zu Unrecht) selten gespielte und 1878 uraufgeführte Werk Premiere haben sollen. Die Proben waren weit gediehen. Dann das Aus, das auch einen Abbruch der Proben nach sich zog. Die Hölle blieb künstlerisch über Monate zugefroren. Und so ein Auftauen einer auf Eis gelegten Produktion geht nicht immer einfach vonstatten. Abstriche (nein, nicht die bekannten Corona-Rachenabstriche) sind unvermeidlich.

Höllenritt

Quasi der künstlerisch sprichwörtliche „Ritt über den Bodensee“ – oder besser gesagt Höllenritt – ihn hat das Haus am Gürtel ganz gut bewältigt. Vor einem dankbaren, sehr disziplinierten Publikum, mit Masken im Zuschauerraum, Masken im Orchestergraben und Masken auf der Bühne, da der Chor noch nicht gänzlich durchgeimpft ist. Sicherheit geht immer noch vor.

Womit wir beim Stück wären. Hier muss auch einer vorgehen: Höllenknecht Ruprecht wird beauftragt, Satan zu suchen. Denn dieser hat genug von den lästigen Höllengästen der Marke Adolf Hitler, Josef Stalin, Osama bin Laden, Napoleon oder der um Eintritt bettelnden Elfriede Jelinek (zwecks Studien!) und Donald Trump. Wobei, so heißt es in der von Alexander Kuchinka neuen, auf die kabarettistische Seite und teils auf billige Kalauer schielenden Textfassung: „Politiker, das sind so Grenzfälle“.

Grenzfall

Und auch Suppès Stück ist so ein Grenzfall. Ja, es gibt sie, die herrlichen Walzer, Märsche, Duette, Terzette. Ohrwürmer aber finden sich keine. Dabei hat Dirigent Alfred Eschwé am Pult des guten Orchesters alles im Griff, doch der sichere Chor klingt maskenbedingt stumpf. Denn bei diesem „Teufel auf Erden“ dominieren die Dialoge und die schöne Grundidee von Regisseur und Ausstatter Hinrich Horstkotte. Dieser jagt den armen Ruprecht – samt dem arbeitslosen Engel Rupert – durch die Jahrhunderte. Vom Nonnenkloster des 17. über eine Kaserne im 19. bis hin zur Tanzschule Höllmayer im 21. Jahrhundert. Stets mit dabei die reale Möpsin Bärbel als Höllenhund Zerberl, die manchmal auch das Spieltempo vorgibt. Süß! Die Erkenntnis? In der Gegenwart gibt es kein Gut und Böse mehr, der Teufel steckt in allen von uns. Wie auch Gott, der sich übrigens ebenfalls aus dem Staub gemacht hat.

Vollblutkomödianten wie Robert Meyer (Ruprecht) und Christian Graf (Rupert) kosten das wunderbar aus. Theresa Dax, Johanna Arrouas, David Sitka und Carsten Süß geben die wechselnden Liebespaare sicher. Marco di Sapia zeichnet als Satan mehrere Facetten des Drollig-Bösen; Michael Havlicek und Verena Scheitz dürfen schöne Parodien zeigen. Das ist vielleicht nicht teuflisch gut, macht jedoch durchaus Spaß.

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