© Theater in der Josefstadt/Moritz Schell

Kritik
10/16/2020

"Das Konzert" in der Josefstadt: Aus der Zeit gefallene Komödie

Das Theater in der Josefstadt zeigt eine geschmeidige, aber in Wahrheit weitgehend mut- und gedankenlose Version.

von Guido Tartarotti

2015 zeigte das Akademietheater Hermann Bahrs „Das Konzert“ – und schon damals wurde diskutiert, ob man dieses Stück überhaupt noch zeigen kann. Das gilt fünf Jahre und eine „MeToo“-Debatte später umso mehr. In der Akademie wurde damals wenigstens versucht, die schon sehr streng riechende Komödie ironisch zu brechen. Das Theater in der Josefstadt zeigt jetzt eine geschmeidige, aber in Wahrheit weitgehend mut- und gedankenlose Version.

In „Das Konzert“ – jetzt auch schon 111 Jahre alt – sind Frauen entweder kreischende, sich willig zu Boden werfende Gänschen oder „weise“ duldende Ehefrauen – jedenfalls dem Hormonspiegel des Mannes hilflos ausgeliefertes Beutegut, mit dem man, je nach Alter, entweder gerne das Bett oder den Gugelhupf teilt.

Der hauptberufliche Mann wiederum muss sexuelle Feldzüge veranstalten, bis den Armen endlich das Alter von diesem Zwang erlöst.

Das Theater in der Josefstadt bzw. sein Hausregisseur Janusz Kica lässt das tatsächlich so spielen, ohne den geringsten Versuch, diese heute lächerlich wirkenden Behauptungen in irgendeiner Form als lächerlich zu entlarven. In der Josefstadt dauern die Fünfziger-Jahre auch schon 70 Jahre.

Im Mittelpunkt von „Das Konzert“ steht eine paradoxe Intervention: Der berühmte Pianist Gustav Heink ersteigt mit seiner neuesten Eroberung Delfine Jura eine Berghütte, um dort auch die Dame zu erklimmen. Die betrogenen Partner reisen ihnen hinterher, um ihnen zum Schein einen Ehepartnertausch anzubieten, was die Seitenspringer rasch zur Räson bringt: Aus dem Ausnahmezustand Alltag zu machen, fühlt sich nicht sehr verlockend an.

Noch einmal sei betont: Es gibt keinen guten Grund, dieses aus der Zeit gefallene Stück noch zu spielen – es sei denn, man lässt es auf die Realität von heute prallen.

Tolle Schauspieler

Dass hier einiges möglich gewesen wäre, beweisen hervorragende Schauspielleistungen: Herbert Föttinger und Sandra Cervik als Ehepaar Haink quält die tiefe Angst vor dem Altwerden – wäre das nicht ein hoch aktuelles Thema?

Sehr spannend auch die Darstellung von Martin Vischer als betrogener Franz Jura: Er stellt sich blöd, hat aber als einziger etwas Durchblick und interessiert sich am Ende mehr für die Freundschaft als für die Liebe, deren oft geringe Halbwertszeit ihm suspekt ist.

Alma Hasoun als Juras untreue Ehefrau Delfine ist nicht viel mehr als spätpubertär, rauft sich die Haare und trägt sehr hübsche türkise Dessous durch die Gegend. Michaela Klamminger als intrigante Eva Gerndl hat schwarze Dessous und ist notgeil, Siegfried Walther und Susanna Wiegand als Löwingerbühne-Paar sammeln kompetent Lacher ein.

Regisseur Janusz Kica begnügt sich damit, die Komödienmaschine am Schnurren zu halten und am Ende zwei alternative Schlüsse anzubieten, was besonders mutlos wirkt: Sucht euch halt was aus! In einer Version läuft der Starpianist reumütig seiner fliehenden Ehefrau hinterher. In der anderen („Ich kann nicht anders“, raunt er verschwörerisch ins Publikum) folgt er den schwarzen Dessous Richtung Bett.

Die Zuschauer der Premiere nahmen dieses Zurückdrehen der Uhren um mehr als ein halbes Jahrhundert vergnügt zur Kenntnis.

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