Autor Radek Knapp: Der echte Wiener muss geschützt werden wie der Orang-Utan

Autor Radek Knapp: Der echte Wiener muss geschützt werden wie der Orang-Utan
Radek Knapp erforscht Österreich – und findet Essenzielles wie Blunzengröstl, iPhone-Schnösel und Veltliner.

Frisch aus Warschau angereist, wird Radek Knapp in Wien mit den rätselhaften Worten „Geh bodn!“ begrüßt. Das steht nicht im Deutsch-Lehrbuch und ist nur der Einstieg ins viele Erstaunliche, dem Knapp in Folge begegnet. In „Von Zeitlupen-Symphonien und Marzipantragödien“ dokumentiert Knapp seine Erforschung Österreichs. Als Ein-Mann-„Universum“-Sendung erkundet er Wiener Wasser und Musikliebe und den Heurigen und Mehlspeiszuckerschock und Pragmatisierung.

KURIER: Also das, was viele Österreicher gern als Klischees abtun. Zu Unrecht?

Radek Knapp: Österreich kann auf seine Klischees stolz sein. Über den Tod redet man hier so lange, bis man sich totlacht. Der Mohr im Hemd ist die angenehmste Art, sich Diabetes zu holen. Hier kam auch der weltbeste Komponist zur Welt. Auch wenn Donald Trump glaubt, Mozart hätte kürzlich eine olympische Medaille im Riesenslalom gemacht. Und Österreich ist auch nicht klein. Würde man die Berge platt drücken, wäre Austria noch größer als Deutschland.

Gegen Schluss gibt es einen Kalenderspruch: Der Fremde sieht Dinge, an denen der Einheimische vorübergeht. Das Buch: Ein Gegenmittel zu diesem Vorübergehen. Wie könnte, sollte es auf den Leser wirken?

Dieses Buch ist der bisher gründlichste Versuch, Österreich aus dem Blick eines Fremdlings zu sehen. Der Österreicher wird staunen, in welchem Paradies er sich befindet. Und wie leicht man sich daran gewöhnt. Zugleich ist es ein Dankeschön im Namen anderer Fremdlinge, die dazu keine Möglichkeit haben. Geschleimt wird in diesem Buch aber nicht, so nach dem Motto – auch die Wahrheit kann manchmal ein Kompliment sein. Das Raunzen habe ich den echten Experten überlassen – den Österreichern selbst.

Kommentare