© Radek Knapp

Kultur
05/03/2020

Corona-Tagebuch von Radek Knapp: Wo sind die Reichen?

Der Autor begleitet Sie durch die Krise.

 Mein Installateur ist heute verdächtig guter Laune. Die Wirtschaftskrise macht ihm nichts aus. „Ich habe mir für die schwarze Stunde etwas zurückgelegt. Wird schon werden“, verrät er.

Soviel Optimismus wünscht man der ganzen Wirtschaft. Es ist schon verblüffend. 6 Corona Wochen haben die gesamte Weltwirtschaft flachgelegt. Hat die nichts für die schwarze Stunde zurückgelegt? Oder ist sie doch ein verwöhntes Kind, dem man den Geldregen-Taschenrechner weggenommen hat und das jetzt weint?

Am lautesten weinen natürlich die Reichsten. Man nehme zum Beispiel den VW-Konzern, der letztes Jahr 10 Millionen Autos verkaufte. Dieses Jahr werden es laut Prognose nur 5 Millionen sein. In Wolfsburg hat man ein Wort dafür: Katastrophe biblischen Ausmaßes. Etwas hat man dabei vergessen: Vor 10 Jahren wären diese Zahlen noch ein Grund für eine Party.

Das erinnert mich an den Milliardär, dessen Vermögen eines Tages von 10 Milliarden auf 100 Millionen schrumpfte. Am nächsten Tag warf er sich unter einen Zug. Sollen wir uns jetzt auch vor den Zug werfen? Sollen wir Krokodilstränen vergießen?

Grund gäbe es wirklich: 20 Personen auf diesem Planeten besitzen so viel wie die Hälfte der Menschheit. Und diese 20 hätten nichts dagegen, noch die zweite Hälfte zu bekommen. Das ist das große Mysterium des menschlichen Appetits.

Gegenvorschlag: Warum helfen sich die Konzerne nicht gegenseitig? Allein Google und Amazon haben so viel Extrageld verdient, dass manche schon glauben, sie hätten Corona in die Welt gebracht. Bei Amazon war es eine Milliarde extra in zwei Wochen, bei Google kann man es nur erahnen. Warum nicht mal dem kleinen User helfen, der sie mit seinem Taschengeld groß gemacht hat? Sie müssten nicht einmal was spenden. Es reicht, wenn sie Steuern entrichten. „Ich zahle weniger Steuern als meine Sekretärin“, sagte mal Warren Buffett und der muss es wissen. Vielleicht könnte Amazon sich zumindest um ein paar Künstler kümmern?

Der Konzern von Jeff Bezos verdient schwere Millionen mit Buchverkauf und ruiniert laufend den stationären Buchhandel. Gleichzeitig kenne ich keinen Autor, den Amazon jemals zu einer Lesung eingeladen hätte. Das sind immer nur die kleinen Buchhandlungen, die aus dem letzten Loch pfeifen.

Nobel

Der Facebook-Chef könnte ruhig auch sozialer sein. Sein soziales Netzwerk hat ihn schließlich zum Krösus gemacht. Natürlich wird nichts davon eintreten. Da müsste schon ein Wunder passieren, wie seinerzeit bei Alfred Nobel. Der Erfinder des Dynamits, damals ähnlich vermögend wie Bezos heute, war nicht gerade für Spendabilität und Menschenliebe bekannt. Eines Tages ging das Gerücht um, Nobel wäre gestorben. So kam der Magnat in den Genuss, die eigene Todesanzeige zu lesen. Sie war nicht gerade schmeichelhaft. Vom Händler des Todes war die Rede und einem menschlichen Monster. Den noch quicklebendigen Nobel traf das, was man nach seinem Tode über ihn sagte, mehr, als die faulen Eier, mit denen man ihn zu Lebzeiten bewarf. Der Rest ist Geschichte. Und heute? Reicht eine irrtümliche Todesanzeige, um unsere Konzernchefs wachzurütteln? Unwahrscheinlich. Viele Konzernbosse sind heute nicht so nobel. Und das ist wirklich zum Weinen.

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