© Radek Knapp

Kultur
04/11/2020

Radek Knapps Corona-Tagebuch: Gott ist analog

Kolumne., Teil 4: Der Autor begleitet Sie im KURIER durch die Krise.

Das Virus hat exzellentes Timing. Es legte pünktlich los zum chinesischen Neujahr, machte im europäischen Frühling weiter und jetzt nimmt es Ostern auch mit.

Hand aufs Herz. Ostern konnte nichts Besseres passieren. Es war bis jetzt nur für drei Dinge gut: Eine Woche in einem Luxusstrandhotel in Vietnam. Einen verspäteten Skiurlaub in den Dolomiten. Oder um auf dem Sofa mittels Netflix den eignen IQ zu halbieren.

Dazu ein aktueller Witz: Eine Journalistin fragt Donald Trump, ob er schon seinen IQ überprüft hat. Antwort: Alles in Ordnung. Ich bin völlig gesund. Ich habe keinen IQ.

Hierzulande ist es auch lustig. Ich will einen Kumpel treffen und höre: Das geht nicht. Wegen meiner Oma. Aber die Oma ist schon seit 10 Jahren tot, staune ich. Trotzdem. Ich will sie nicht anstecken.

Jesus reibt sich dieses Ostern die Augen. Und vielleicht sogar die Hände. Was würde er wohl am Ostersonntag zu seinem Publikum sagen? Vorausgesetzt, man gibt ihm fünf Minuten in der ZiB.

Als Erstes würde er die 10 Gebote auffrischen und das 11. zufügen: „Du sollst nicht Vater Google und Mutter Facebook ehren. Acht Stunden Bildschirmkurzsichtigkeit täglich können eine echte Watsche niemals ersetzen.“ Gott ist nun mal analog. Die Ewigkeit auch.

Als Nächstes käme sein Evergreen dran: „Sammelt euch die Schätze im Himmel und nicht auf der Mariahilfer Straße. Egal wie sehr euer Philosoph Ralph Lauren euch einredet, dass seine Klamotten euch einzigartig machen. Ihr seht darin alle gleich aus.“

Überhaupt geht unserem Heiland auf der Mariahilfer Straße das Licht auf. Noch nie hat er so viele Leute auf einem so kleinen Fleck wegen einer verbilligten Zahnbürste gesehen. Noch nie so viele, die ihrem Nächsten nicht mehr in die Augen schauen und trotzdem alles sehen. Und erst recht die peinlichen Verwechslungen, die den ehemaligen Gläubigen jetzt unterlaufen. Vorsicht mit Angst zum Beispiel. Oder Virus mit Vergänglichkeit. Kein Wunder, dass der Bogen, den man um einander macht, immer größer wird. Und was sollen die Tausenden Kameras und Ortungsapps? Da hat jemand offensichtlich die wichtigste Botschaft aus dem Evangelium vergessen:

Du kannst nicht mit einer Sicherheitskamera auf ein Bier gehen, sondern nur mit einem Kumpel.

Aber es ist Ostern. Und Jesus ist ein ewiger Optimist. Nachdem er alle bitteren Pillen heruntergeschluckt hat, sagt er zum Abschied: Heute ist das Fest des Neuanfangs. Jeder hat also die Gelegenheit zu einer kleinen, privaten Auferstehung.

Aber um aufzuerstehen muss man vorher gelebt haben. Ihr könnt jetzt oder später damit anfangen. Wenn es geht, noch in diesem Jahr. Sonst schicke ich euch etwas Prickelnderes als Corona. Bitte mir die Kirche im Dorf zu lassen.

Wir bedanken uns bei unserem Ostergast, sagt der ZiB Moderator. Es folgen jetzt die Wetternachrichten. Der Sport ist nämlich ausgefallen.

Frohe Ostern!

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