Oper
06/04/2013

Salzburg-Intendant wechselt an die Mailänder Scala

Alexander Pereira wird 2015 Intendant des Mailänder Opernhauses. Unklar ist, ob er bis 2016 die Salzburger Festspiele leiten kann.

Lange wurde spekuliert, nun ist es fix: Der Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, ist der Nachfolger des Franzosen Stéphane Lissner an der Spitze der Mailänder Scala. Pereira wurde am Dienstag einstimmig vom Aufsichtsrat der Scala am Ende einer zweieinhalbstündigen Sitzung ernannt. Der Musikmanager wird sein Amt in dem berühmten Opernhaus 2015 antreten.

Der Wiener Pereira zeigte sich im Interview mit dem Fernsehsender RAI 3 „absolut glücklich" über seine Ernennung. "Ich bin sehr dankbar, ich werde mein Bestes leisten." Pereira zeigte sich zuversichtlich, dass die Scala die Finanzierungen auftreiben wird, um die Qualität ihrer Aufführungen zu garantieren. „Wenn ich Ideen habe, die ich verwirklichen will, suche ich Sponsoren, denen ich meine Projekte mit Enthusiasmus vorstelle und bitte sie, diese zu unterstützen“, sagte Pereira.

Doppelfunktion in Saison 2016?

Pereira hat allerdings noch einen bis 2016 laufenden Vertrag mit den Salzburger Festspielen. Das Kuratorium hatte bis zuletzt betont, dass dieser Vertrag keine Nebentätigkeit erlaube. „Ich kann definitiv ausschließen, dass die Intendanz in Mailand und in Salzburg parallel gemacht werden können. In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele.“ So kommentierte Heinz Schaden (S), Salzburger Bürgermeister und Mitglied des Festspiel-Kuratoriums, Pereiras Wechsel.

Pereira selbst hingegen wiederholte gegenüber den SN, dass er seinen Vertrag auf jeden Fall erfüllen wolle: Eine Doppelfunktion für Salzburg und Mailand „geht ganz sicher“, bekräftigte er. Er werde das Kuratorium bitten, jenen Passus in seinem Vertrag zu ändern, der ihm eine Mehrfachfunktion untersagt. Aus seinem Interesse für die Mailänder Scala habe er nie ein Geheimnis gemacht, so Pereira.

Ihn in Salzburg vorzeitig hinauszuwerfen, "dazu besteht überhaupt kein Grund. Ich bitte alle Beteiligten, sich die Lage in aller Ruhe anzuschauen. Dann sollten wir uns zusammensetzen und uns gemeinsam überlegen, wie wir die kommenden Jahre gut über die Bühne bringen. Ich bin dazu bereit," so Pereira gegenüber den SN.

Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer (V), vom Fremdenverkehrsamt ins Kuratorium entsandt, geht jedoch auch von einer Vertragsauflösung aus: „Wir müssen und werden jetzt leidenschaftslos ein neues Kapitel aufschlagen.“

Schaden: Festspiel-Budget für 2014 fixiert

Im lange schwelenden Budgetstreit mit den Festspielen für die nächste Saison war am 22. Mai ein Kompromiss gefunden worden. Pereira darf für den Festspielsommer 2014 nicht mehr als 61 Millionen Euro budgetieren. Er selbst hatte ursprünglich 63 Millionen gefordert.

Wie Bürgermeister Schaden am Dienstag der APA mitteilte , soll das Budget jetzt den Vorgaben des Kuratoriums entsprechen und nicht mehr als 61 Mio. Euro betragen. "Die Präsidentin (Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Anm.) hat mir mitgeteilt, dass das Budget von ihr und Pereira unterschrieben ist und im vorgegebenen Rahmen bleibt. Damit sind wir einen großen Schritt weiter, jetzt gilt es, die Personalfrage zu lösen", erklärte Schaden (siehe Reaktionen).

Gehalt in Mailand um 25 Prozent reduziert

Der Mailänder Bürgermeister und Scala-Präsident Giuliano Pisapia hat die Wahl Alexander Pereiras zum neuen Intendanten des Opernhauses begrüßt: "Er ist die Person, die unserer Ansicht nach am geeignetsten ist, unser Juwel zu verwerten." Pereiras internationale Erfahrung und seine Fähigkeit im Umgang mit Sponsoren seien Elemente, die für den Wiener gesprochen haben, erklärte Pisapia.

Pereiras fixer Gehaltsanteil wird um 25 Prozent geringer als die 350.000 Euro ausfallen, die der jetzige Intendant Stéphane Lissner erhält. Außerdem soll Pereira in Mailand keine Wohnung bezahlt werden, teilte Pisapia mit.

Pereira hatte sich beworben

Pisapia schloss nicht aus, dass es in der letzten Phase von Lissners Amtszeit, bevor dieser an die Opera de Paris wechseln wird, zu einer Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger Pereira bei der Planung der Saison 2015-2016 kommen werde. Der Bürgermeister erklärte, dass der Wiener zu den 25 Kandidaten zählte, die sich an der öffentlichen Ausschreibung der Scala zur Suche eines neuen Scala-Intendanten beteiligt hatten.

Pereira setzte sich gegen hochkarätige Kandidaten durch. Neben ihm galten der Intendant des Piccolo Teatro in Mailand, Sergio Escobar, sowie der Intendant der Amsterdamer Oper, Pierre Audi, als Mitfavoriten im Rennen um Lissners Nachfolge.

Pisapia erklärte weiters, dass der neue Intendant frei entscheiden werde, ob er eine Musikdirektor und einen künstlerischen Direktor einsetzen wolle. Musikdirektor der Scala ist derzeit der Dirigent Daniel Barenboim.

Ein Neustart für Pereira – und Salzburg

Es ist unterm Strich das G’scheiteste – für beide Seiten. Für den Protagonisten. Und für die Salzburger Festspiele. Auch wenn nun dort wieder ein mühsamer Übergangsprozess mit einer garantiert schwierigen Intendantensuche bevorsteht.

Alexander Pereira (65), der amtierende Salzburger Festspielchef, wird ab 2015 Intendant der Mailänder Scala. Darauf einigte sich der Aufsichtsrat des berühmtesten Opernhauses der Welt in einer zweieinhalbstündigen Sitzung. Der Kulturmanager aus Wien hatte sich als einer von 25 beworben. Pereiras Vertrag in Salzburg läuft bis nach dem Sommer 2016.

Warum das in der momentan so verfahrenen Situation wohl das Beste ist? Weil sich Pereira mit seinem Festspiel-Kuratorium seit Monaten im Streit befindet, dessen Ende nicht absehbar war. Nun kann sich Pereira mit der Gewissheit, anderswo gefragter zu sein, aus Salzburg verabschieden. Und die Festspiele können sofort offiziell einen Neuen suchen.

Dauerkonflikt

Der Konflikt war eskaliert, weil Pereira immer wieder eine Erhöhung des vom Aufsichtsrat genehmigten Budgets (zuletzt 61,5 Millionen Euro) gefordert hatte. Er hatte zugesagt, den Mehraufwand mit Sponsoren zu finanzieren. Salzburg sah sich aber am Zenit angelangt – sowohl was die budgetäre Situation, als auch was das umfangreiche Programm betrifft. Pereira wird jedenfalls als der Intendant in Erinnerung bleiben, der größten Wert auf Masse legte. Nach seinem ersten Festspielsommer war in vielen Kommentaren die Rede davon, dass dafür die Qualität teilweise auf der Strecke geblieben sei.

In Mailand, wo er dem Franzosen Stéphane Lissner nachfolgt, wird er es auch nötig haben, das Theater mit Hilfe von Sponsoren besser abzusichern. Lissner war übrigens, als Pereira zum Salzburg-Chef gewählt wurde, auch im Rennen für die Intendanz des weltgrößten Festivals, unterlag aber Pereira und auch Pierre Audi, der nun wiederum mit Pereira im Rennen für Mailand war. Was dieses Karussell zeigt: Wie klein die Intendantenszene ist. Und wie wichtigen manchen die eigene Karriere ist.

Pereira hat in Mailand schon einen Wohnsitz nahe der Scala. Den hatte er für seine Freundin Daniela gemietet, die dort Mode studiert.

Salzburg-Kenner rechnen bis zu Pereiras Abgang mit einen weiteren Konflikten. Der Intendant hatte zwar gemeint, einen Sommer lang problemlos Salzburg parallel zu Mailand leiten zu können. Das wird das Kuratorium aber nie akzeptieren. Mögliche Szenarien: Man wirft Pereira Vertragsbruch vor und ihn bald raus, womit Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf interimistisch übernehmen könnte. Oder Pereira bleibt noch zwei, drei Jahre. An der Dringlichkeit einer Suche nach einer langfristigen Lösung ändert das wenig: Die Zeit für eine seriöse Planung ist extrem knapp.

Schaden erwartet Vertragsauflösung mit Salzburg

In einem ersten Kommentar sagte Heinz Schaden (S), Bürgermeister von Salzburg und Mitglied des Festspielkuratoriums, er sei enttäuscht darüber, dass Festspielintendant Alexander Pereira bereits vor seiner zweiten Saison in Salzburg seinen Abgang nach Mailand fixiert habe. "Die Entscheidung ist jetzt also gefallen, sie lag ohnehin seit Langem in der Luft. Aber zugleich bin ich froh und erleichtert, dass jetzt auch Klarheit herrscht. Und ich kann definitiv ausschließen, dass die Intendanz in Mailand und in Salzburg parallel gemacht werden können. In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele", argumentierte Schaden, der dem Konzept und der Person Alexander Pereira häufig kritisch gegenübergestanden ist.

"Zivilisiert über die Bühne bringen"

Es gehe jetzt darum, den Abschied zivilisiert über die Bühne zu bringen, sagte Schaden. "Ich will ihm absolut keine Steine in den Weg legen, wir werden nicht wie die Wilden miteinander umgehen. Ich sehe auch kein Problem darin, dass er den Festspielsommer 2013 abwickelt. Da ist ohnehin alles auf Schiene. Außerdem gibt es eine Präsidentin, einen Schauspiel- und einen Konzert-Chef. Aber 2014 kann ich mir schwer vorstellen. Denn man darf nicht vergessen: Pereiras Arbeit für Mailand beginnt genau jetzt", so Schaden, der dem Kuratorium "nicht vorgreifen" will, aber von einer Vertragsauflösung ausgeht.

Das tut auch Wilfried Haslauer (V), vom Fremdenverkehrsfonds ins Kuratorium entsandter Festspielkurator, der dem Aufsichtsgremium der Festspiele in Zukunft wahrscheinlich in der Funktion eines Landeshauptmannes angehören wird. "Eine Doppelfunktion geht nicht. Entweder oder, aber sicher nicht beides. Wenn es Pereiras Wunsch ist, in Mailand zu arbeiten, freue ich mich für ihn. Er hat in Salzburg viel Positives bewegt. Ich sehe das Ganze wenig dramatisch, die Festspiele gibt es seit mehr als 90 Jahren. Wir müssen und werden jetzt leidenschaftslos ein neues Kapitel aufschlagen", so Haslauer, der wie Schaden davon ausgeht, dass die Suche nach einem neuen Salzburger Festspiel-Intendanten im Sonderkuratorium am 11. Juni erörtert und festgelegt werden wird.

Keinerlei Kommentar zur aktuellen Entwicklung will Kulturministerin Claudia Schmied (S) abgeben. Ihr Sprecher verwies gegenüber der APA darauf, dass am 11. Juni im Kuratorium alles Weitere besprochen werde.

Lega Nord: "Heute wurde die Scala getötet"

Bei der rechtspopulistischen Partei Lega Nord stößt die Ernennung Pereiras auf Protest. „Heute wurde die Scala getötet. Sie ist dem reinen Geschäft geopfert und an ausländische Lobbys verschenkt worden. Wer Mailand und die Musik liebt, muss gegen diesen Beschluss protestieren“, betonte der Europaparlamentarier der Lega, Matteo Salvini.

Die Lega Nord, deren Parteichef Roberto Maroni als Präsident die Region Lombardei mit der Hauptstadt Mailand regiert, hatte sich zuletzt wiederholt für die Wahl eines Italieners an der Spitze der Scala ausgesprochen.

Harnoncourt sieht keine Unvereinbarkeit

Überaus positiv reagierte hingegen Dirigent Nikolaus Harnoncourt auf die Nachricht, dass Pereira die Intendanz der Mailänder Scala übernimmt. "Da kann sich jedes Opernhaus die Finger abschlecken", meinte der Dirigent, der in der Intendanz von Pereira am Zürcher Opernhaus etliche Neuproduktionen dirigierte, im Gespräch mit der APA. Dass Pereira in seiner ersten Scala-Saison eigentlich noch die Salzburger Festspiele zu leiten hätte, hält Harnoncourt für kein Hindernis: "Bis jetzt hat noch jeder Intendant in seinem letzten Jahr noch etwas anderes gemacht.

Harnoncourt sieht in Salzburg, wo Pereira zuletzt teils heftiger Kritik ausgesetzt war, "Maulwürfe am Werk", denen es nicht um die Qualität der Festspiele ginge: "Die haben ganz andere Pläne." Ob nun auch eine von ihm dirigierte Neuproduktion an der Scala in den kommenden Jahren in den Bereich des Möglichen rücke, wehrte der 83-Jährige schmunzelnd ab: "Ich bin ja schon im Grab..."

Italiens Kulturministerium gratuliert

Italiens Vize-Kulturministerin, Ilaria Borletti, hat Alexander Pereira zur Wahl zum neuen Scala-Intendanten gratuliert. "Der Beschluss des Mailänder Bürgermeisters Giuliano Pisapia und des Scala-Aufsichtsrats bezeugt den Willen, Kompetenz und Manager-Erfahrung Priorität einzuräumen, was für die Zukunft der Scala entscheidend ist. Denn das Opernhaus, wie viele ähnliche Einrichtungen in Italien, hat mit den Bilanzen zu kämpfen", betonte Borletti.

„Ich bin sicher, dass der neue Intendant mit seiner Erfahrung bei den Salzburger Festspielen und beim Zürcher Opernhaus der Scala, einem Symbol Mailands und Italiens, eine kompetente und zukunftsreiche Verwaltung sichern wird“, sagte Borletti."Er werde einen Kompromiss finden müssen zwischen der öffentlichen Kulturförderung der Oper und der Notwendigkeit, private Ressourcen aufzutreiben. "Die Scala soll zu einem Beispiel für alle Kulturinstitutionen werden und beweisen, dass öffentliche und private Finanzierung zum Schutz unseres Kulturerbes zusammenwirken können", betonte die Vize-Kulturministerin.

Konkurrent lobt Entscheidung

Der Intendant des Piccolo Teatro in Mailand, Sergio Escobar, der als aussichtsreichster Konkurrent Alexander Pereiras im Rennen um die Führung der Scala gehandelt wurde, lobt die Wahl. "Pereira ist eine Persönlichkeit mit großer Erfahrung. Ich kenne ihn, seitdem er in Zürich arbeitete und ich Intendant in Bologna war", kommentierte Escobar. "Ich bin sicher, dass unter Pereiras Leitung die Scala eng mit dem Piccolo Teatro zusammenarbeiten wird. Lieber Pereira, ich hoffe, Dich bald zu sehen und wünsche Dir das Beste", wurde Escobar in einer Presseaussendung zitiert.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare