Kolumnen
08/19/2019

Warum gute Gastgeber wichtiger sind als schönes Design

Das Geheimnis des Urlaubs-Erfolgs ist oft simpler als gedacht: Echte, sympathische Gastgeberschaft schlägt alles.

von Caroline Kaltenreiner

Es gibt einen Ort, den ich als „heilig“ betrachte. Dort mache ich schon seit einigen Jahren Urlaub. Ein Bergbauernhof in Südtirol. Es passt einfach alles. Der Hund, die Katzen, Kühe, Ziegen und Hühner, der Ausblick ins Tal, die stilvoll eingerichteten Ferienwohnungen. Fernseher gibt’s, schalte ich aber nicht ein. Einfach ein Idyll. So schön, dass es fast nicht auszuhalten ist. Super Ausflugsmöglichkeiten machen die Woche abwechslungsreich.

Wenn ich dann zu Hause wieder ins Schwärmen komme, wandert schon einmal eine Augenbraue meines Gegenübers skeptisch nach oben. Man liest es im Gesicht: eine Reisejournalistin, die immer wieder an denselben Ort zurückkehrt? Ein Bauernhof? Und dann kommt die Frage: Warum ist dieser Bauernhof besser als die anderen? Und die Antwort kommt ohne nachzudenken: Es sind die Gastgeber. Eine Familie, die angefangen vom Bub bis zum Opa einfach herzlich ist. Alle heißen einen willkommen und schon beim ersten Aufenthalt gab es bei der Verabschiedung ernst gemeinte Umarmungen, ein anderes Mal sogar Tränen. Man kennt einander, man fühlt sich wohl, man will – nein man muss einfach wiederkommen.

Oftmals scheint die Gastgeberschaft das Geheimnis des Erfolgs zu sein und macht das wahre Urlaubserlebnis aus. Wenn einem die Menschen sympathisch sind, ist alles andere nebensächlich.

Das funktioniert auch bei Stadt-Hotels. Vergangenes Wochenende haben mich Freunde in Wien besucht. Statt wie sonst in einem Haus einer Design-Budget- Kette unterzukommen – da weiß man immer, was man hat –, haben sie eine Veränderung gewagt und sich in einem familiengeführten Vintage-Hotel eingebucht. Kein Zimmer gleicht dem anderen, das Check-in war unkompliziert, das Essen – nach den Rezepten der Mama gekocht – schmackhaft, die Mitarbeiter sehr zuvorkommend. Sind sie grundsätzlich im Ketten-Hotel auch, meint Freund Martin, aber dort spulen sie eher ihr einstudiertes Programm ab. Im familiären Haus wirkt es echter.

Beeindruckt vom netten Innenhof des alten Biedermeierhauses, beschließen auch meine Freunde wiederzukommen.

Wo mein „heiliger Ort“ liegt, behalte ich natürlich für mich – es ist schon schwer genug, für das nächste Jahr einen Platz zu bekommen.

caroline.kaltenreiner@kurier.at