Kolumnen
18.11.2018

Runde Bälle? Reine Nebensache

"Alles Balletti": Etwas Gutes hat die Nations League jedenfalls: Den Vergleich, was alles so wichtig und unwichtig sein kann in Europa.

Das Blättern im Sportteil des Belfast Telegraph erfordert Geduld. Raschelnd vergehen sieben Seiten, sieben Seiten, auf denen Geschichten über Bälle zu finden sind, deren Formen an Eier erinnern und die liebevoll von tellergroßen Händen getätschelt dem Betrachter entgegengestreckt werden. Nach Rugby kommt Rugby, dann Rugby, und irgendwann hat sich ein Sportjournalist erbarmt, etwas über den Fußball zu berichten.

Konkret über das Spiel der nordirischen Nationalmannschaft gegen die Österreicher, als Vorschlag für eine Sonntagabend-Gestaltung im Windsor Park von Belfast.

Eine Flugdauer von zwei Stunden und 40 Minuten hat alles in die Vergessenheit rutschen lassen. Zum Beispiel das hysterisch zum Endspiel erklärte, letztendlich dann doch unbefriedigende Erlebnis des österreichischen Heimspiels gegen Bosnien-Herzegowina, emotional der vorgezogene Schlussstrich unter das Kapitel Nations League.

Belfast. Es ist tatsächlich alles anders. Zumindest entspricht die Kulisse dem Klischee. Grau ist der Himmel, kalt der Wind, roter Backstein dominiert. Ein Hauch von Untergangsstimmung. Und weil die Erinnerung gerade passt: Einst wurde hier die Titanic vom Stapel gelassen.

Taktgeber

Ja, man glaubt es zu kennen, dieses Land, von dem man in Wahrheit gar nichts weiß. George Best Airport heißt der Inlandsflughafen, benannt nach dem berühmtesten Mann, der jemals in Nordirland gegen einen Fußball getreten hat. Der Name Rory McIlroy ist dem Golfliebhaber ein Begriff, Van Morrison macht die Musik, Gary Moore tat dies bis zu seinem Ableben auch und Liam Neeson ertappt man ab und zu in schauspielerischer Rolle.

Und jetzt? Geschichten über Abstiegsängste hatten hier ohnehin immer eine andere Bedeutung, und so gut wie gar nie etwas mit dem Fußball zu tun. Der Brexit ist das aktuelle Thema, als solches behandelt in den Medien, mit großen Lettern kommentiert auf Häuserwänden und Mauern, die noch bis vor zwanzig Jahren zutiefst verfeindeten Parteien in einem blutigen Bürgerkrieg zu trennen versuchten. Und ein Konflikt, der erneut aufkeimen könnte, sollte zwischen Iren und Nordiren wieder eine „harte Grenze“ gezogen werden.

Was meinte Franco Foda noch am Flughafen von Wien? „Meine Spieler haben keinen Druck. Doch nicht im Fußball.“ Da hat er wohl voll und ganz recht, Österreichs Teamchef. Unwidersprochen.