Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Kolumnen
03/28/2021

Paaradox: Von Mann zu Mann

Wer als Ehepaar ein Leben mit Herrn Gustav führt, erkennt rasch die Unterschiede in der Kommunikation und die Bedeutung eines Balls.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Meine zwei Männer, sage ich gern – und schaue auf die zwei HUS: den Hufnagl und den Hund. Ein so wunderbares wie seltsames Paar. Nun, irgendwo habe ich gelesen, dass es frappante Ähnlichkeiten zwischen Hund und Herrl gibt. Dass also Menschen ein bisserl so aussehen wie ihre Hunde – als Ergebnis einer unterbewussten Wahl. Hm. Ich hatte Paul, den sturen Dackel, Mimi, die Mischung aus Windhund und Wischmopp und lebe nun mit Gustav, dem Buben mit schwarzem Fell, reiner Seele und der schönsten Hundenase, die ich je gesehen habe. Ob ich aus all dem eine Mischung bin? Keine Ahnung.

Frappante Ähnlichkeiten

Was ich hingegen weiß: Zwischen dem Mann nebenan und dem Hund nebenan gibt es frappante Ähnlichkeiten – allerdings nicht das Aussehen betreffend. Schon allein der Haarpracht wegen nicht, Gustav ist dunkel, der Mann war einst blond und trägt jetzt Glatze. So betrachtet, müsste er einen mexikanischen Nackthund äußerln führen. Nur bei der Nase sind Parallelen zu entdecken, denn tatsächlich fällt Hufnagls Nase in die Kategorie Wow! Nein, es geht eher um den Charakter. Ein Beispiel: Wenn Gustav was will, dann will er’s. Leidenschaftlich, entschlossen und wurscht, wer am Ende der Leine geht. Da hilft kein Zurückpfeifen. Wie das Herrli. Genau. So. Doch so wirklich verwundert war ich unlängst, als der Mann nebenan sehr angespannt auf den Beginn des Matchs Real Sociedad San Sebastian versus FC Barcelona wartete. Auf dem TV-Bildschirm flimmerten die beiden Vereinslogos. Auf einmal tat Gustav etwas, das er nie zuvor getan hatte: Er fixierte den Fernseher und begann zu knurren. Knurrte allerdings nicht ziellos herum, sondern das Logo des „Fußball-Feindes“ (= immer der Gegner von Barça) im Blick. Da wurde mir klar, dass aus meinen Buben längst ziemlich beste Freunde geworden sind. Um nicht zu sagen: Seelenverwandte. Jetzt muss ich nur noch Hundestangerln finden, die auch dem Mann nebenan schmecken.

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Mitunter beneide ich unseren Herrn Gustav. Nicht nur, weil sein Leben verlässlich aus Spielen und Spazieren, Fressen und Schlafen, Streicheleinheiten und Müßiggang besteht. Und nicht nur, weil sein einziger Stress ein umherhüpfendes Eichhörnchen ist, ein sonderbar anmutender Rauchfangkehrer oder ein Hufnagl, der ihm nach der Regenrunde die Pfoten und den Bauch putzt. Sondern vor allem deshalb, weil ihm von gnä Frauli jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. Zumindest flötet sie mich nie an, ob mir allenfalls der Sinn nach einem Leckerli oder einem Bauchikrauli stünde. Und sie sagt nicht zu mir Oioioioioi-du-süßer-Lauser-du-bester-Bub-du-Pipsipupsibär-mach-ein-Hoppi-aufs-Sofa. Nix da. Wenn ich noch ein Weindi will, muss ich ganz alleine zum Kühlschranki.

Bellen am Matchtag

Dafür darf ich ohne Leine in den Wald, und das ist auch irgendwie ein schönes Gefühl. Jedenfalls bemühe ich mich, mit unserem Liebling in klar artikulierter Sprache von Mann zu Mann zu sprechen. Ich rufe ihm also nicht zu: Ja, wo ist denn das Balli? Sondern konfrontiere ihn mit einer klaren Ansage: „Gustav, such die Wuchtel!“ Dass ich ihm die dann auch so werfe, wie sich das ein Jäger und Sammler wünscht (und nicht wie die Liebste, deren Ballflugkurven eher unorthodox sind), sei nur am Rande erwähnt. Fakt ist, dass unser Hund eine Affinität zur Wuchtel hat, was ihn maßgeblich von seiner Besitzerin unterscheidet. Und das freut mich. So erkläre ich ihm jeden Samstag vor der Bundesliga-Konferenz die tabellarische Ausgangslage samt Wunschresultaten. Und auch, wenn meine Frau meint, ich sei von allen guten Geistern verlassen, so weiß ich doch: Der Hund versteht mich genau. Und er weiß, dass er in meinen Augen ein wienkatalanischer Mischling ist, dessen Bellen am Matchtag ohne jeden Zweifel ausdrückt, dass Barça més que un club ist. Warum also sollte er den Gegner nicht anknurren? Das ist – auch wenn es die Frau im Haus nie verstehen wird – das Normalste der Welt.

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

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