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Kolumnen
01/24/2021

Paaradox: Bildausfall

Wenn der Fernseher von einer auf die andere Sekunde nicht mehr funktioniert, muss die Schuldfrage geklärt werden. Und noch einiges mehr.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

„Homöostase“ nennt sich das menschliche Streben, einen ausgeglichenen Zustand aufrechtzuerhalten – sowohl körperlich als auch psychisch. Im „Alles-dulli-Modus“ sollte das Leben wohlig dahinschnurren, oder, wie der Seebär nebenan es salopp formulieren würde: „Nur kane Wellen.“ Doch manchmal beginnt das Schinakl namens Leben ein bisserl zu schwanken. Etwa, wenn an einem wohlig dahinschnurrenden Bundesliga-Bingewatching-Nachmittag, der nur durch sein sanftes Krapfenschmatzen unterbrochen wird, der Bildschirm des Flachbildfernsehers jäh schwarz wird. Da flucht er zuerst (So ein Schas!), um daraufhin die Wohnzimmerluft zu befragen: Bitte, wie gibt’s denn das?  Doch die Wohnzimmerluft schweigt.  

Telepathie? Leider nein.

Daher dauert es auch nicht lange, bis der Herr Hufnagl mich aus meiner Ohrensessel-Agonie im ehemaligen Kinderzimmer wachrüttelt und mich fragt, ob ich vielleicht was am Fernseher gemacht (also manipuliert oder ruiniert) hätte. Nun, ich verfüge tatsächlich über eine Vielzahl an tollen Fähigkeiten, aber noch nicht über die telepathische Gabe, ein Fußball-Blackout zu inszenieren. Was schade ist, daran sollte ich tatsächlich feilen. Als Ehefrau, die ihrem Partner einst versprochen hat, durch „dick und dünn“ zu gehen, begleite ich den aus seiner Homöostase geratenen aber erst einmal zum Fernseher und probiere es mit Handauflegen. Und anschließend mit einem Gedanken aus der ungeliebten Kategorie Man müsste mal…. Das kann er deshalb nur bedingt leiden, weil er fürchtet, dem müsste mal folgen Sätze wie: ... wieder einmal ordentlich staubsaugen, …gemeinsam alte Greys-Anatomy-Folgen schauen, … ein paar  Entschlackungstage einlegen… Doch diesmal endete das alles mit einem schlichten … prüfen, ob das Netzkabel ordentlich angeschlossen ist. – Nun, mehr gibt es dazu auch nicht zu erzählen. Vielleicht nur ein klitzekleiner, ergänzender Gedanke: Man müsste mir mal… tausend Rosen schenken.  

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Ui, sagt gnä Kuhn gerne. Bevorzugt in der Kombination mit schon wieder Fußball! Erstaunlich, dass sie sich nach so vielen Jahren an meiner Seite immer noch über das Phänomen Bundesliga-Samstag ereifern kann. Einmal jedoch hat sie ihren Stoßseuzfer mit flackerndem Blick um die Frage ergänzt: Was würdest du wohl tun, wenn das Kast’l nimmer funktioniert? „Das ist leicht zu beantworten“, sprach ich. „Fluchen.“ Und als es eines Tages dann tatsächlich geschah, begann ich ernsthaft an übersinnliche Kräfte zu glauben. Ich sah die Liebste vor meinem geistigen Auge, wie sie in einem Geheimversteck nadelartige Störsender in einen handlichen Voodoo-Bildschirm bohrt und dazu verschwörerische Formeln murmelt – Wuchtel weg /das wär ein Gag / kein Bild vom Kick / was für ein Glück

Technische Koryphäe

Daher spazierte ich in Richtung Yoga-Ecke, wo ich grundsätzlich eine Art konspirative Macht vermute. Und ich bemühte mich um einen Blick, der nicht verraten sollte, welche Belastung so ein plötzlicher Bildausfall unmittelbar nach dem Reporterruf „Elfmeter in Bielefeld“ für mich bedeutet. Die Frage „Hast du irgendwas am Fernseher herumgewurschtelt?“, kennt sie, weil im Zweifelsfall orte ich derlei Probleme bei ihrer willkürlichen Herumdrückerei. Sie schwor Unschuld, hatte aber sofort jenen Rat parat, der sie als technische Koryphäe ausweist: Hast du schon versucht, alles aus- und wieder einzustecken? In solchen Momenten kann’s eben sein, dass es aus mir herausbricht: „Hältst du mich eigentlich für einen kompletten Volldolm? Und wenn ja, warum hast du mich geheiratet?“ Das Problem: Während ich kurz auf der Toilette war, riskierte die Frau einen Hupfer zum Tatort. Um mir dann lässig zu sagen: Antennenkabel war draußen, läuft wieder, hoffentlich hast du kein Tor vom FC Schlumpfhausen versäumt. Mir fiel darauf nix ein, außer ein „Oh“. Dem sie triumphal hinzufügte: Danke, Gaby – gerne Michi. Ich lächelte. Es ist nämlich ein gutes Gefühl, auch als Volldolm geliebt zu werden.

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

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